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CD-Besprechung

Naxos 8.660207-08

2 CD • 2h 08min • 2002

10.09.2007

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Die Kreuzritter hatten im „heiligen Land“ viele Gefahren zu bestehen, aber auch ihre daheim gebliebenen Frauen waren allerlei Bedrängnissen ausgesetzt. Liebeshungrige Ritter, wie der berüchtigte Comte Ory, machten sich die Abwesenheit der Männer zunutze und unternahmen die verwegensten Versuche, sich an die „Strohwitwen“ heranzumachen. Graf Ory bediente sich dabei eines besonders frechen Tricks: er erschien bei seinen Eroberungs-Touren im Gewand der Geistlichkeit, mit sicherem Instinkt die enge Nachbarschaft des Frommen mit dem Erotischen ausnützend. Als er und seine gleichgesinnten Kumpane schließlich in weiblicher Verkleidung, als Nonnen und Pilgerinnen kostümiert, ins Haus der tugendhaften Gräfin Formoutiers eindringen, erreicht die Handlung ihren burlesken Höhepunkt. Keine andere Oper Rossinis enthält Szenen von ähnlicher Frivolität, manches daraus erscheint wie ein Abbild aus Boccaccios Decamerone. Der mit olympischer Heiterkeit gesegnete Rossini vermochte sogar dem Zeitalter der Kreuzzüge, bekanntlich ein düsteres Kapitel der Weltgeschichte, eine humoristische Note abzugewinnen.

Le Comte Ory (1828) ist das erste Originalwerk, das Rossini für die Pariser Oper komponierte, allerdings hat er darin – nach alter Gewohnheit – Teile aus einer kurz davor geschriebenen Oper, Il Viaggio a Reims, eingefügt. Das Werk, das brillante Musik enthält – Glanzstücke sind die Trinklieder der Ritter und das geniale Buffoterzett aus dem zweiten Akt –, steht bereits am Ende von Rossinis Opernschaffen, es folgt danach nur noch der Guillaume Tell.

Die Frage, warum diese musikalische Kostbarkeit nur selten auf der Bühne – und auch auf Tonträgern – erscheint, erklärt sich vor allem daraus, daß es nur wenige Tenorsänger gibt, die sich für die immens schwierige Titelpartie des Werks eignen. Rossini hat die Rolle des verliebten Grafen jenem tenoralen Typus angepaßt, der zu dieser Zeit in der Pariser Oper tonangebend war: hell, geschmeidig, mit leichter, falsettbetonter Höhe, die mehrmals über die Marke des hohen C hinausgeht. Der phänomenale Tenor Adolphe Nourrit war der erste Sänger dieser Partie. Die deutsche Rossini-Metropole Bad Wildbad hatte für ihre szenische Aufführung aus dem Jahr 2002, deren Bühnenmitschnitt hier vorliegt, zwar keinen Nourrit, aber immerhin ein kleines Tenor-Wunder zur Verfügung: den wallisischen Tenor Huw Rhys-Ewans, der alle Schwierigkeiten bravourös meistert und zudem die Partie mit Eleganz und Unwiderstehlichkeit ausstattet. Neben diesem sympathischen Filou zeichnen sich der Bassist Luca Salsi (Raimbaud) und die beiden koloraturkundigen Damen Linda Gerrard (Gräfin) und Luisa Islam-Ali-Zade aus. Gut geschulte, klangvolle und unverbrauchte Stimmen, zu denen – in einer kleinen Rolle – auch jene von Sofia Solvij zählt. Für die Partien der Rogonde und des Erziehers (Gouverneur) standen in Bad Wildbad leider keine so guten Besetzungen bereit.

Die musikalische Gesamtleitung durch Brad Cohen spornt die Solosänger, Chor und Instrumentalisten zu lebensvoll sprühendem Zusammenspiel an. Das tschechische Orchester kann es mit italienischen Ensembles ohne weiteres aufnehmen, überhaupt erbringt die ganze Aufnahme einen Beweis für die Leistungsfähigkeit der sogenannten „kleinen Bühnen“.

Clemens Höslinger [10.09.2007]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Gioachino Rossini
1Le Comte Ory

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