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CD-Besprechung

F. Geminiani

cpo 1 CD 777 225-2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 01.08.07

cpo 777 225-2

1 CD • 60min • 2005

Francesco Xaverio Geminiani (1687–1762) gehört zu jenen Komponisten des späten Barock, die heute zwar noch da und dort gespielt werden, insgesamt aber weitgehend aus dem öffentlichen musikalischen Bewusstsein verschwunden sind. Dies liegt einerseits an Geminiani selbst – er schrieb im Gegensatz zu seinen Kollegen Vivaldi, Bach oder Händel recht wenige und dazu ausschließlich Instrumentalwerke –, nicht zuletzt aber auch an unserer heutigen „barocken“ Musiklandschaft, die sich fast ausschließlich um die oben genannten Dauerbrenner kümmert. Eigentlich schade, denn wie die vorliegende CD zeigt, hätte Geminiani durchaus das Potential, Publikumsschichten auch außerhalb des Zirkels der Freunde alter Musik anzusprechen.

Die sechs Violinsonaten op. 5 sind Transkriptionen seiner ursprünglich für Cello geschriebenen und 1746 zuerst in Paris und Den Haag und ein Jahr später auch in London gedruckten Cellosonaten. Und obwohl Geminiani, der für die Violinfassung laut Beiheft in erster Linie nur die Tonarten geändert hatte, auf spieltechnische Schwierigkeiten dabei keine Rücksicht nahm, klingen die einzelnen Stücke ausgesprochen natürlich und idiomatisch.

Dies liegt freilich auch an der vorliegenden Interpretation durch die deutschen Musiker Anton Steck (Barockvioline), Markus Möllenbeck (Barockcello) und Christian Rieger (Cembalo). Die einzelnen Interpretationen geben den Notentext dabei nicht nur mit viel Akribie und Lebendigkeit wieder, sie nehmen auch konkret zu ihm Stellung und machen aus den einzelnen Sätzen kleine Charakterszenen oder Geschichten.

Die Sonate Nr. 2 in fis-Moll etwa wird mit so viel innerer Bewegung und Unruhe gespielt, dass sie als innere Spiegelung einer Liebeserklärung interpretiert betrachtet kann. Einem trotz seines rhythmisch fest schreitenden Gestus mit viel latenter Nervosität ausgestatten Andante folgt ein Presto, das durch die betonte Kurzatmigkeit in der Phrasengestaltung bei gleichzeitiger Entschlossenheit in der treibenden metrisch-rhythmischen Betonung janusköpfig zwischen Mut und Rückzug pendelt. Der sehr kurze dritte Satz (Adagio) schmachtet dann in vollen Zügen. Die Musik scheint vor der Angebeteten zu knien, um erst im letzen Satz (Allegro) zu konkreten – und optimistischen – Worten zu finden.

Oder die sechste Sonate, die als hochsommerliche Gewitterszene im Miniaturformat gehört werden kann. Darbend und wie ein schwüler Sommertag schleppt sich das einleitende Adagio dahin, um sich im folgenden Presto zu entladen. Stecks mit außerordentlicher Feinheit in der Verzierungsgestaltung geformtes Spiel ist, getrieben vom zupackend musizierenden Continuo, gespickt von regelrecht blendenden klanglichen Blitzen. Das folgende Adagio wirkt, kurz unterbrochen von einer fernen finalen Entladung, wie ein Aufatmen und bereitet zugleich den letzen Satz (Allegro) vor, einen Gesang, der in seiner Mischung aus Betroffenheit und wiederkehrendem Optimismus treffend die menschliche Reaktion auf das Naturschauspiel wiedergibt.

Stecks lebendiges, energetisches und spürbar lustvolles Spiel wird von dem wie aus einem Guss agierenden Continuo perfekt unterstützt. Die Musik wirkt durch die starke rhythmische Kraft und die glasklare, rhetorisch überzeugend ausgeführte Linienführung lebendig und organisch. Die Instrumente werden aufnahmetechnisch mit fein gezeichneten Klangfarben zwar differenziert, aber um eine Spur zu flach im Stereoraum wiedergegeben.

Ergänzt sind die sechs Sonaten durch die musikwissenschaftlich nicht vollständig gesicherte Solosonate in B-Dur. Stecks Interpretation konzentriert sich dabei weniger auf die virtuosen, sondern auf die Bewusstmachung der tänzerischen und harmonischen Aspekte.

Robert Spoula [01.08.2007]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 F. Geminiani Violinsonate D-Dur op. 5 Nr. 4 00:06:12
5 Violinsonate A-Dur op. 5 Nr. 1 00:09:04
9 Violinsonate C-Dur op. 5 Nr. 3 00:11:46
13 Violinsonate fis-Moll op. 5 Nr. 2 00:09:14
17 Violinsonate B-Dur 00:08:42
21 Violinsonate B-Dur op. 5 Nr. 5 00:07:02
25 Violinsonate d-Moll op. 5 Nr. 6 00:07:54

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Anton Steck Violine
Markus Möllenbeck Violoncello
Christian Rieger Cembalo
 
777 225-2;0761203722525

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