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CD-Besprechung

Jean Sibelius
String Quartets – 1890-1922

Jean Sibelius<br />String Quartets – 1890-1922

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 18.06.07

Klassik Heute
Empfehlung

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BIS 1466

1 CD • 79min • 2004, 2005

Rechtzeitig zum zehnjährigen Bestehen des finnischen Tempera Quartetts veröffentlicht das schwedische BIS-Label dessen dritte Sibelius-Einspielung mit Kompositionen für Streichquartett der Jahre 1890, 1909 und 1922. Der Titel dieser klanglich einwandfreien CD und auch des darauf enthaltenen Streichquartetts d-Moll op. 56 (1909) lautet Voces Intimae und ist Programm: Die innere Haltung der mit einem Maximum an Sinnlichkeit und einem bewundernswerten Reichtum an Ausdrucksmöglichkeiten aufspielenden Streicherinnen scheint sich mit den „inneren Stimmen“ des Komponisten zu decken. Ihre profunde Kenntnis von Sibelius' Tonsprache ist beeindruckend – in der von größtmöglicher Intensität geprägten Interpretation des Quartetts d-Moll geradezu überwältigend – und macht die vier Damen zu nichts weniger als zu einem Sprachrohr des großen Finnen.

Die Voces Intimae, Sibelius’ letztes und populärstes Streichquartett, gelten als sein introvertiertestes Kammermusikwerk. Die Themen und ihre Sibelius-typischen, weiträumigen Entwicklungen, verbunden mit großen Steigerungswellen, gehen einher mit einer klar strukturierten Organisation dieser schmerzvollen und zerklüfteten Komposition. Das zeigt bereits das Andante – Allegro molto moderato mit seinem innigen Dialog von Violine und Cello zu Beginn des ersten Satzes. Der sich nahtlos anschließende, mit Brio und Fingerspitzengefühl musizierte wirbelnde Taumel im zweiten Satz gleicht einem gespenstisch davoneilenden Zwischenspurt auf dem Weg zum Werkzentrum, dem Adagio di molto des dunkel gefärbten, tief melancholischen und vom Tempera Quartett aufwühlend ausgebreiteten dritten Satzes. Nach einem robust-scherzohaften Allegretto beweist das Ensemble auch in dem beklemmenden Finalsatz ein ausgeprägtes Gespür für Farbwechsel. Zudem überrascht es noch mit einer Alternativversion des Finalschlusses (Weltersteinspielung). Diese basiert auf der Reinschrift des Manuskripts und unterscheidet sich vom abrupten Ende der gebräuchlichen Finalversion durch eine durchsichtigere Setzweise und einem mehr vorbereiteten Schluss.

Leidenschaftliches Zupacken, kombiniert mit einem glühenden Ton und einer orchestral anmutenden Klangentfaltung kennzeichnet auch die Wiedergabe des Streichquartetts B-Dur op. 4 (1890). Es verbindet anfängliche lyrische Frische und jugendliche Vitalität mit Ernsthaftigkeit und einer gewissen Schärfe im weiteren Verlauf dieser ungemein dichten, energischen, mitreißend virtuosen und im zweiten Satz folkloristisch angehauchten Komposition. Das Beiheft bezeichnet diesen Umstand als stilistische Uneinheitlichkeit. Die enorm spannungsvolle und eindringliche Ausführung durch das Tempera Quartett vermittelt meines Erachtens aber keine Zerrissenheit, sondern eine logische Entwicklung, hin zu dem die unterschiedlichen Gestaltungsmerkmale miteinander versöhnenden und somit die Werkgeschlossenheit deutlich betonenden Schluss.

Ein Adagio d-Moll (1890) sowie ein Andante Festivo aus dem Jahr 1922 runden diese keinerlei Schwächen offenbarende Einspielung ab, die wirklich neugierig auf weitere Taten dieses finnischen Streicher-Vierers macht.

Christof Jetzschke [18.06.2007]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J. Sibelius Adagio d-Moll JS 12 00:12:15
2 Streichquartett B-Dur op. 4 00:29:42
6 Streichquartett d-Moll op. 56 für 2 Violinen, Viola und Violoncello (Voces Intimae) 00:29:48
12 Andante festivo JS 34a 00:05:11

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Tempera Quartet Ensemble
 
1466;7318590014660

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