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CD-Besprechung

Stephen Beus Excursions

Endeavour Classics END 1017

1 CD • 57min • [P] 2007

27.03.2007

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Der heute 25jährige amerikanische Pianist Stephen Beus wird in Kritiken seiner Heimat enthusiatisch gefeiert: „a star is born“, „a pianist to watch“ und personenbezogen: „a young Van Cliburn“. Mit dem Genannten sollte es vor zwei Jahren nicht recht klappen. Beus musste beim 12. Van Cliburn-Wettbewerb vorzeitig ausscheiden – unter starkem Beifall, was man allerdings als Kritik an uns, den Juroren, zu verstehen hatte. Beus wirkte damals selbstbewusst, fast schon ein wenig selbstgewiss, seines Erfolges sicher, von der Zuhörerschaft spürbar getragen, mit besten Referenzen ausgestattet (einige nationale Wettbewerbserfolge, attraktive Auftritte und eine Liste prominenter Lehrer – u.a. Robert MacDonald – und Meisterklassen-Besuche etwa bei Leon Fleisher, Earl Wild und Anton Kuerti). In Fort Worth im Beisein von Van Cliburn spielte Beus auch Barbers Sonate op. 26: flott, geschmeidig, in der abschließenden Fuge mit hohem Tempo, sozusagen als Schaustück mit eingebauter Kontrapunktik. Und dieser sicher ehrlichen, aber auch etwas simplifizierenden Vorgangsweise begegnet man auch im Verlauf dieser Endeavour Classics-Produktion. Diese Einschränkung soll jedoch den Informationsgehalt des Programmes insgesamt nicht mindern. Barbers klug-gefällige, oft introvertierten Ausflüge op. 20 und das schöne, als konventionell im Sinne des 19. Jahrhunderts zu bezeichnende Nocturne op. 33 befinden sich bei Beus in empfindsamen, verantwortungsvollen Händen. Und schließlich macht er den Hörer in der Alten Welt mit einer Autorin bekannt, von der bisher kaum etwas über den großen Teich gedrungen sein dürfte. Nämlich mit der aus Walla Walla (Washington) stammenden Marion Bauer (1882–1955), die kurz nach der Jahrhundertwende in Paris bei Nadia Boulanger studierte – der späteren Lehrerin u.a. von Copland, Glass und Rorem. Im Gegenzug unterrichtete Bauer die Pädagogin in Englisch. Ihre für diese Aufnahme von Beus ausgewählten Stücke belegen Nähe zum französischen Stil (Ravel), ereifern sich auf überwiegend milde Art über Modalitäten der traditionellen Tonalität hinaus. Es sind hörenswerte, auch an Poesie (John Gould Fletcher / op. 10) orientierte Miniaturen, liebenswert, leichtgängig (op. 12,3) – kurzum, man wundert sich, nicht früher von dieser Dame etwas vernommen zu haben. Im Begleittext ist eine Erklärung formuliert: nur ein Drittel von 130 Kompositionen liegt im Druck vor. Insofern ist es Beus zu danken, sich um diese Vergessene gekümmert zu haben und wohl noch weiter zu kümmern.

Für kommende Endeavour-Editionen wäre etwas mehr als nur ein englischer Booklet-Text zu wünschen, zumal dann, wenn man in Europa Fuß fassen möchte.

Vergleichsaufnahmen: Barber: Sonate op. 26 – Judd (Chandos 9914), Hamelin (Hyperion CDA 67469), Horowitz (RCA).

Peter Cossé † [27.03.2007]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Samuel Barber
1Klaviersonate es-Moll op. 26
2Excursions op. 20
3Nocturne As-Dur op. 33
Marion Bauer
4Pine-Trees op. 12 Nr. 3
5Three Impressions op. 10
6Six Preludes op. 15

Interpreten der Einspielung

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