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CD-Besprechung

Jean Sibelius
String Quartets – 1888-1889

Jean Sibelius<br />String Quartets – 1888-1889

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 30.01.07

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BIS 1476

1 CD • 69min • 2004, 2005

An dieser Produktion aus dem Hause BIS stört mich nur eines: daß der unbedingt kenntnisreiche Verfasser des Einführungstextes der weitverbreitete Unsitte anheimgefallen und hier zu einem jener musikhistorischen Gerichtsmediziner geworden ist, die uns alle Gesten und Figuren nur unter dem Gesichtspunkt der späteren Großereignisse erläutern und uns so wirkungsvoll aus dem Erlebnis des aktuellen Werkes hinausbefördern. Ich sag’s noch mal: Der Mann weiß, wovon er schreibt, und ich kenne genug Sibelius, um zu wissen, wo die späteren „Markenzeichen” wieder auftauchen. Doch was wird dann aus der Leistung, die der junge Komponist vollbrachte? Erhält sie ihren Wert tatsächlich nur, weil sich schon beim kaum Fünfundzwanzigjährigen einige DNA-Spuren finden, die ihn als Autor des Kullervo, der Saga, der Sinfonien und des unerhörten Tapiola dingfest machen? Ich dächte denn doch, daß nein!

Der Ansicht scheinen auch die vier jungen Damen zu sein, die sich als Tempera Quartet hier um die Streichquartett-Kompositionen bemühen, die der spätere Meister in den Jahren 1888/89 geschaffen hat. In kluger Reihenfolge haben sie ihr Programm von einem Moderato-Allegro appassionato cis-moll über drei bezaubernde und eindringliche Stücke (Allegro e-Moll, Allegretto A-Dur und Adagio f-Moll) bis hin zu dem ersten, nicht numerierten Streichquartett a-Moll aufgebaut, das mit seiner mehr als halbstündigen Spieldauer nicht nur den zeitlichen Schwerpunkt, sondern auch das musikalische Hauptgewicht bildet: eine Partitur, die all jene unsäglichen Schwätzer und Nachplapperer an die Wand nageln dürfte, denen bis heute nicht die große Bedeutung des großen Finnen aufgegangen ist und die noch immer unermüdlich wiederholen, er habe ja eigentlich gar keine Musik, sondern nur langsame Noten geschrieben ...

Musiziert wird auf ausgesprochen hohem, engagiertem Niveau, dem man sofort anhört, wie wenig pathologisch das Quartett die Werke auffaßt. Deutlicher als die kompositorische „Sozialprognose” spüren die vier Künstlerinnen der historischen Dimension der Sätze nach, dem Umgang mit klassischen Anregungen, romantischem Wortschatz und barockem Marter-Gestein: Die Fuge für Martin Wegelius ist eine radikale, rabiate Auseinandersetzung mit den Grundfragen von Dux, Comes und Contrasubjecten, dabei aber zugleich auch ein Brennspiegel dessen, was Ludwig van Beethoven aus dieser Form gemacht und Jean Sibelius sich demzufolge, wie uns der Einführungstext belehrt, als alternatives Finale für sein a-Moll-Quartett ausgedacht hat. Am Ende dieses Satzes stehen einem die Haare zu Berge, was nicht nur der „recht unbarmherzigen” Schreibweise unseres Meisters, sondern in gleichem Maße der rundum verständnisvollen, sprich: leidenschaftlich-rigorosen Ausführung des Tempera Quartet zu verdanken ist.

Rasmus van Rijn [30.01.2007]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J. Sibelius Moderato – Allegro appassionato cis-Moll JS 131
2 Allegro e-Moll JS 28
3 Allegretto A-Dur JS 17
4 Più lento F-Dur JS 149
5 Adagio f-Moll JS 14
6 Allegretto B-Dur
7 Fuga för Martin Wegelius JS 85
8 Streichquartett a-Moll JS 183

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Tempera Quartet Ensemble
 
1476;7318590014769

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