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CD-Besprechung

J. Brahms • F. Schubert

hänssler CLASSIC 1 CD 98.228

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7

Klangqualität:
Klangqualität: 7

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Besprechung: 05.09.06

hänssler CLASSIC 98.228

1 CD • 65min • 2005

Zwei Hauptwerke der Chorliteratur, Brahms’ Alt-Rhapsodie und Schuberts Gesang der Geister werden in diesem Programm mit der relativ unbekannten dramatischen Szene Rinaldo des Opernverächters Brahms kombiniert. Der gemeinsame Nenner der drei sehr unterschiedlichen Werke ist ihr literarischer Urheber: Goethe.

Bevor er seinen Torquato Tasso schrieb, hatte er dessen Hauptwerk Das befreite Jerusalem gründlich studiert. Und so ließ er sich von der zentralen Episode um Rinaldo und die Zauberin Armida inspirieren, als ihn der als Tenor dilettierende Prinz Friedrich von Sachsen-Gotha und Altenburg um eine Kantate bat, die der renommierte, dem italienischen Stil verpflichtete Opernkomponist Peter von Winter vertonen sollte. Diese Version gelangte 1811 zur Aufführung. Ein halbes Jahrhundert später begann Johannes Brahms, einem Wettbewerb der Aachener Liedertafel folgend, mit einer zweiten Vertonung, die er dann wieder liegen ließ und erst nach dem „Deutschen Requiem“ vollendete. Dieser Rinaldo wurde unter der Leitung des Komponisten 1869 in Wien erstmals aufgeführt.

Es handelt sich um einen Wechselgesang zwischen Rinaldo, der seine geliebte Armida verlassen soll, um Jerusalem zu erobern, und dem Chor, der ihn dazu moralisch aufrüstet. Wirklich dramatisch ist an dem Stück, das eine reichliche halbe Stunde dauert, nichts. Der Tenor ergeht sich in gefälliger Liedhaftigkeit, im großen Chorpart schlägt der gemütvoll Liedertafel-Ton immer wieder durch. Der Gesamteindruck: Es war wohl richtig, dass Brahms von der Oper die Finger gelassen hat.

Dieser Eindruck wird durch die Wiedergabe noch verstärkt, vor allem durch das – um es positiv zu formulieren – sehr abgeklärte Dirigat Helmuth Rillings. Carsten Süß offeriert als Rinaldo eine lyrische Durchschnittsstimme, die er kultiviert, aber im Ausdruck einförmig einsetzt. Die Qualität der Gächinger Kantorei kommt in dem Schubert-Chor noch besser zum Tragen, wo Glanz und Geschmeidigkeit insbesondere der Tenorstimmen die Ohren erfreuen. Lioba Braun gibt eine solide, aber wenig prägnante Alt-Rhapsodie, die in vielen stärkeren Interpretationen vorliegt.

Ekkehard Pluta [05.09.2006]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J. Brahms Alt-Rhapsodie op. 53
2 Rinaldo op. 50 für Tenor-Solo, Männerchor und Orchester (Kantate)
3 F. Schubert Gesang der Geister über den Wassern für Männerchor und Streicher

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Lioba Braun Alt
Carsten Süss Tenor
Gächinger Kantorei Stuttgart Chor
Radio-Sinfonieorchester Stuttgart Orchester
Helmuth Rilling Dirigent
 
98.228;4010276017967

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