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CD-Besprechung

Ricercar RIC 247

1 CD • 77min • 2005

22.08.2006

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Auf jedem Katholikentag bereitet die Initiative Kirche von unten der kirchlichen Obrigkeit Kopfschmerzen; sie konfrontiert mit unbequemen Fragen, wo doch der harmonische Schulterschluss des "Gottesvolkes" (wie die Kirchenherrscher die Gemeinschaft mit den einfachen Mitgliedern ihrer Kirche gern bezeichnen) angesagt wäre. Ein vergleichbar organisierter Ungehorsam der kirchlichen Untertanen ist nicht neu, neuheidnische Demokraten brauchen sich hier nicht als selbsternannte Paten auf die Schultern zu klopfen. Massenhafte Unbotmäßigkeit hat ihre uralten Wurzeln, und diese Narrenmesse gehört dazu. Die Kirche, einerseits auf unbedingten Gehorsam bedacht, andererseits jedoch sehr wohl dessen eingedenk, dass ein gelegentlich lockerer Zügel der allgemeinen Folgsamkeit durchaus dienlich sein kann, hat mit der Karnevalszeit eine Möglichkeit geschaffen, einer gezügelten Zügellosigkeit Raum zu bieten.

Die auf dieser CD präsentierte Narrenmesse gehört in diesen Zusammenhang. Kurz nach dem Weihnachtsfest, vor dem die kleine Fastenzeit während der vier Wochen des Advents genug Gelegenheit zur Askese geboten hatte, ließ man die Zügel schieflen; am Stephanitag (26.12.) gab es das Eselfest, am darauf folgenden Tag das Ochsenfest und die Wahl des Narrenbischofs. Die Kirche machte gute Miene zum bösen Spiel, und mancher Kleriker hatte sicher Vergnügen daran, einmal im Jahr neben dem Altar verkleidet dem Kartenspiel und anderen sonst verbotenen Freuden zu frönen.

Die vorliegende Einspielung hält einen Mittelweg zwischen Respekt und Ausschweifung, genau so, wie es auch damals oft der Fall gewesen sein mag: Die Gesänge des Ordinariums werden respektvoll und unparodiert vorgetragen. Im Übrigen jedoch herrscht solch ungetrübtes Vergnügen, dass Herr Orff blass geworden wäre. So präsentiert diese CD einen Blick auf beide Seiten des Mittelalters: die fromme, mystische der Messgesänge und die freizügige, wilde der Parodien der "Narrenmesse". Und beides ist vom gleichen Lebensatem durchglüht! Die italienische Aussprache des Lateins allerdings verwundert, die ist im nordfranzösischen Gebiet, in das die Künstler ihre Narrenmesse situieren, sicher nicht üblich gewesen. Die französische Aussprache der lateinischen Texte, wie wir sie aus Einspielungen von Musik des Grand Siècle bereits kennen, hätte die Würze dieser CD sicher noch verstärkt.

Detmar Huchting [22.08.2006]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Anon.
1Carmina Burana (Officium lusorum)

Interpreten der Einspielung

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