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CD-Besprechung

Richard Wagner: Die Walküre

Testament 4 CD SBT4 1391

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 13.06.06

Klassik Heute
Empfehlung

Testament SBT4 1391

4 CD • 3h 38min • 1955

Nachdem das CD-Label Testament vor zwei Monaten damit begonnen hat, mit dem Siegfried den 1955 von der Decca in Bayreuth mitgeschnittenen und seitdem in den Archiven schlummernden Ring nach 50 Jahren zu veröffentlichen, folgt nun mit der Walküre der zweite Teil – Rheingold und Götterdämmerung sollen noch in diesem Jahr den Zyklus abschließen. Das Besondere an diesen Aufnahmen ist, dass sie noch vor Georg Soltis 1958-65 realisierter Studioproduktion die erste Stereo-Version der Tetralogie sind. Zu Grunde liegen hier keine Rundfunkbänder, sondern der Mitschnitt wurde damals mittels eigens von den Decca-Technikern aufgestellten Mikrofonen eingefangen. Es gelang ein Klangbild von enormer Direktheit und Präsenz, das vor allem den Sängerstimmen zugute kommt, die man auf keinem der frühen Bayreuth-Dokumente so authentisch und unverfälscht abgebildet findet.

Den künstlerischen Rang dieses Rings prägt vor allem Joseph Keilberths eindringliches, lebhaftes und ungemein modern wirkendes Dirigat. Keilberth wurde von Wieland Wagner – neben Clemens Krauss, Wolfgang Sawallisch, André Cluytens und Igor Markevich – als sogenannter „lateinischer“ Dirigententyp eingestuft, zu dessen musikalischen Charakteristika zügige, straffe Tempi zählten, dann schlanker Orchesterklang, instrumentale Transparenz, dramatisch-temperamentvoller Zugriff und enger Respons zwischen Orchester und Bühne. Als Gegentypen dazu galten Wieland Wagner in erster Linie Hans Knappertsbusch und auch Herbert von Karajan. Bezeichnend für die Zugehörigkeit zu diesen unterschiedlichen Dirigententypen ist, dass die Affinität zwischen Krauss und Keilberth so groß war, dass sie sogar zu gemeinsamen Proben imstande waren, als sie sich 1953 den Ring teilten. Knappertsbusch und Keilberth hingegen verkörperten solch diametrale künstlerische Gegenpole, dass die Übernahme von Vorstellungen, wie dies 1955 beim Fliegenden Holländer und 1956 beim Ring der Fall war, stets bedeutete, dass der Nachfolger gegen den Stil des Vorgängers anzukämpfen hatte.

Das hier versammelte Sängerteam hat auf Jahre hinaus das stimmlich-gesangliche Niveau der Bayreuther Aufführungen geprägt. Zumal Hans Hotter präsentiert sich als Wotan hier in der Rolle seines Lebens, mit „Wotan war sein Beruf“ hat die Presse die enge Affinität zwischen Rolle und Sänger kommentiert. In der Tat verkörpert Hotter einen Göttervater von wahrhaft imperialer stimmlicher Statur, was keineswegs bedeutet, dass sich hier ein ständig im Dauerforte brüllender Stimmprotz austobt, im Gegenteil: er besinnt sich in weiten Passagen, etwa der Wotan-Erzählung im 2. Akt „Als junger Liebe Lust mir verblich“, fast ausschließlich auf seine lyrischen Qualitäten als subtiler Liedersänger – der Hotter auch war! – und erzielt mit exemplarischer Mezzavoce- und piano-Kultur weit mehr Nuancen und Farben als andere Wotan-Interpreten. Neben Hotters stimmlicher und darstellerischer Überpräsenz hat Astrid Varnays Brünnhilde keinen leichten Stand, verfügte sie doch ohnehin nie über eine sehr phonogene Stimme, neigt zu scharfen und angestrengten Klängen bei hohen forte-Tönen. Ihr großes Plus ist jedoch ihre artikulatorische Präzision und intelligente Textauslegung, der Verzicht auf jegliches vordergründige Pathos. Ramón Vinay ist ein dunkel-baritonal getönter Siegmund von vulkanischem Temperament und wild lodernden Emotionen, der seine optische Bühnenpräsenz auch akustisch zu vermitteln versteht. Als fraulich-„gestandene“ Sieglinde ihm ebenbürtig Gré Brouwenstijn, der man ihr Aufbegehren gegen den ungeliebten Hunding tatsächlich abnimmt und die zusammen mit Vinay ein mitreißendes Finale des 1. Akts gestaltet. In der einseitig „schwarzen“ Figur des Hunding ist Josef Greindl ebenso rollendeckend besetzt wie Georgine von Milinkovic als aristokratisch beherrschte Fricka, die auf jedes Keifen und übertriebene Gestikulieren verzichtet.

Walter Fritz [13.06.2006]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 R. Wagner Die Walküre

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Astrid Varnay Brünnhilde - Sopran
Gré Brouwenstijn Sieglinde - Sopran
Hans Hotter Wotan - Baß
Ramon Vinay Siegmund - Tenor
Josef Greindl Hunding - Baß
Georgine von Milinkovic Fricka - Mezzosopran
Herta Wilfert Gerhilde - Sopran
Hilde Scheppan Helmwige - Sopran
Elisabeth Schärtel Waltraute - Mezzosopran
Orchester der Bayreuther Festspiele Orchester
Joseph Keilberth Dirigent
 
SBT4 1391;0749677139124

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