Anzeige

Teilen auf Facebook RSS-Feed Klassik Heute
Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

CD • SACD • DVD-Audio • DVD Video

CD-Besprechung

Naxos 8.557698

1 CD • 77min • 2004

14.06.2006

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 6
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Sir Arnold Edward Trevor Bax wurde 1883 in London geboren und starb 1953 als beharrlicher Spätromantiker und geadelter „Master of the King's Music“ im irländischen Cork, seiner angestammten Heimat. Obgleich er im englischen – wie überhaupt im europäischen – Musikleben nie einen vorderen Logenplatz im Vergleich mit seinen Zeitgenossen Vaughan Williams oder Gustav Holst eingenommen hat, ist sein umfangreiches Schaffen inzwischen repräsentativ durch Aufnahmen der Firmen Naxos und Chandos dokumentiert worden. Mit Ausnahme der Oper hat er sich nahezu allen Besetzungsformen gewidmet. Liedvertonungen sind ebenso vertreten wie Chorwerke, Solosonaten, Streichquartette und andere Gattungen bis hin zur Sinfonik. Stilistisch sind den Idolen seiner Jugend, Wagner, Richard Strauss und Elgar, mit den künstlerischen Reifejahren keltische Klangvisionen vor dem Hintergrund heimatlicher Folklore-Andeutungen und impressionistische Einflüsse gefolgt.

Zu den Besonderheiten dieser aktuellen Produktion gehört die Einspielung jüngster Notenfunde. Dabei handelt es sich um „Weltpremieren“ von drei kammermusikalischen Frühwerken der Jahre 1901 bis 1906: um eine E-Dur-Klarinettensonate, dann eine (wahrscheinlich als Satzergänzung dazugehörende) Klarinetten-Romanze und um ein Trio für Klavier, Violine und Klarinette mit acht Teilen in einem Satz. Trotz ihres chronologischen Abstandes zu den weiteren Auswahlstücken des vorliegenden Programmes aus den Reifejahren zwischen 1918 und 1948 haben diese Entdeckungen eines gemeinsam: eine blühende, ja überbordende Phantasie bei melodischen, motivischen, harmonischen und rhythmischen Ideen. Die enormen spieltechnischen Anforderungen an die Interpreten dank einer überreichen, virtuosen Figurenfülle mag ganz generell die Zurückhaltung bei Aufführungen der Werke von Bax im allgemeinen Konzertbetrieb erklären.

Obwohl an den Hörer keinerlei Herausforderungen im Sinne einer anspruchsvollen, geschweige denn provozierenden Modernität gestellt werden, die Bax als konservativer Ire ohnehin strikt ablehnte, stellt die oft ausufernde Fülle der musikalischen Gedanken und ihre labyrinthische Werkarchitektur eine eigenes Problem für den Hörgenuß dar. Gäbe es in der Tabelle der Musikepochen den kunstgeschichtlichen Begriff des „Jugendstils“, so wäre er bei Bax’ als akustische Entsprechung zu den verschlungenen Blüten- und Pflanzenornamenten der Musik durchaus angebracht. Keine (Klang-)Fläche, keine (Takt-)Folge bleibt zur Besinnung und Rückbesinnung auf motivische Leitgedanken frei, keine Chance zur polyphonen Vernetzung simultan erklingender Themen und Spielfiguren samt deren Varianten, Fortspinnungen und Reprisen bleibt ungenutzt. Üppig wuchert alles spätromantisch Musikalische besinnlich, energisch, heiter, sentimental, dramatisch und lyrisch aus dem Satzgeschehen heraus.

Der Klarinettist Robert Plane und die Solisten des Gould Piano Trios, voran Benjamin Frith als Pianist von Rang, bleiben diesen sensibel-nervösen Werkkonzentraten keine Facette schuldig. Lediglich die Aufnahmeregie scheint die Problematik der Instrumentalbalance nicht klar erkannt zu haben. Der Geigenpart wurde akustisch ungebührlich vernachlässigt, während der ohnehin dominante Klavierpart das gesamte Klanggeschehen virtuos überstrahlt. (Bax komponierte als ursprünglich exzellenter Konzertpianist offensichtlich viel für sich selber.) Das Cello beglückt mit schön singenden Solotakten „cantabile“, vor allem in der stimmungsvollen Folk-Tale. Die Klarinette, ebenfalls meisterhaft geblasen, ist dagegen stets angenehm präsent, sei es bei ihren gelegentlich extremen Höhenflügen, sei es bei sonor stakkatierenden Tonrepetitionen im tiefen Register, bei der Wiedergabe lyrischer Kurzpassagen oder bei zielsicher zelebrierten Intervallsprüngen und sonstigen etüdenhaften Floskeln. Folgerichtig ist es speziell die Klarinetten-Kammermusik, die den Wert und Hörreiz dieser CD bestimmt.

Dr. Gerhard Pätzig [14.06.2006]

Anzeige

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Arnold Bax
1Klaviertrio B-Dur (1946)
2Sonate in D für Klarinette und Klavier (1934)
3Folk-Tale für Violoncello und Klavier (1918)
4Sonate E-Dur für Klarinette und Klavier (1901)
5Trio für Klarinette, Violine und Klavier (1906)

Interpreten der Einspielung

Vorherige ⬌ nächste Rezension

11.08.2005
»zur Besprechung«

 / Naxos
/ Naxos

30.05.2002
»zur Besprechung«

 / Naxos
/ Naxos

zurück zur Liste

Das könnte Sie auch interessieren

19.12.2014
»zur Besprechung«

Josef Holbrooke, Clarinet Chamber Music / cpo
Josef Holbrooke, Clarinet Chamber Music / cpo

12.12.2007
»zur Besprechung«

 / Naxos
/ Naxos

07.01.2002
»zur Besprechung«

Anzeige

Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Anzeige