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CD/SACD stereo/surround-Besprechung

Talent DOM 292990

1 CD/SACD stereo/surround • 64min • P 2006

26.05.2006

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Angesichts der Tatsache, daß viele CD-Neuerscheinungen immer wieder die Ausgrabung fast vergessener Archivschätze des Barock, der Klassik oder der Romantik als „sensationelle“ Repertoire-Entdeckungen feiern, darf man ruhig auch einmal die „sensationelle“ Überraschung genießen, drei ausgesprochen hörenswerten Bläserkonzerten des im allgemeinen Musikbetrieb stiefmütterlich behandelten Ermanno Wolf-Ferrari (1876-1948) zu begegnen. Daß diese Begegnung mit dem originellen Deutsch-Italiener von einer belgischen Produktionsfirma mit belgischen Solisten der ersten Garde, einem belgischen Dirigenten und einem nicht minder ausgezeichneten, wenn auch jenseits spektakulärer Resonanz agierenden deutschen Orchester aus dem Leipziger Begabungsumfeld als Westsächsisches Symphonieorchester realisiert worden ist, charakterisiert haarscharf die aktuelle Situation. Feiern wir drum unter diesem Aspekt eine buchstäblich europäische Meister- und Musterproduktion, die diesen Rang für sich beanspruchen darf.

Was für jeden wahren Künstler unverzichtbar ist, gilt in besonderer Weise für Wolf-Ferrari, manifestiert er doch eine Persönlichkeit, die in vieler Hinsicht eine liebenswürdige Originalität mit gleichzeitig unverwechselbarer Individualität verbindet. Mit seinen komödiantischen Beiträgen für die Opernbühne war Wolf-Ferrari einst schnell zu einem Ruhm geworden, der sich bis heute in den Plattenkatalogen widerspiegelt. Schwer getan hat er sich dagegen mit seinen Instrumentalwerken, die wegen ihres romantischen Schönheitsideals so gar nicht in den Strom der zur Moderne tendierenden Stilrichtungen passen wollten. Um so mehr scheint jetzt der Augenblick gekommen zu sein, für diese Art eines konservativen Außenseitertums wieder eine Ader zu entwickeln. Denn seine Schreibweise, die leicht, süffig, elegant, in jedem Fall aber anmutig und ausdrucksreich dem Hörer problemlos und angenehm die Ohren schmeichelt, ist von einer handwerklichen Meisterschaft sondergleichen durchdrungen.

Jeder Satz seiner Konzerte, schon durch die Wahl der Bezeichnungen und der Besetzung auf eine ganz persönliche Weise gefärbt, gehört zu den Vorzeigeprodukten der kunstsinnig-geistreichen Art gehobener Unterhaltung. Oboe, Englischhorn und Fagott erweisen sich als teils flott stakkatierende Spender fröhlicher Unbeschwertheit, teils als zur Besinnlichkeit und Nachdenklichkeit animierende Figuren der Commedia dell'arte. Nicht abzutrennen davon ist das mit den Solopartien eng verwobene Streichorchester mit charakteristisch illustrierendem Hörnerklang. Reizvolle Kontrapunktik, Freude an thematischer Gaukelei, an motivischen Varianten und, immer wieder, eine überbordende harmonische Gefühlspalette lassen keine äußerliche Trennung von Solo-Tutti-Partien und voll integrierten Haupt- und Nebenstimmen zu. Das „Gesamtkunstwerk“ einer (nur scheinbar) leichten Muse ist es, was hier besticht.

Jeder Mitwirkende gibt sein Bestes, man erlebt es hautnah, sei es das Spiel von Piet van Bockstal als virtuoser Oboist und Meisterbläser auf dem Englischhorn, sei es Luc Loubry als ein alle Ausdrucksnuancen seines Instrumentes auskostender Fagottist, sei es das in der Bundesrepublik kaum bekannte Westsächsische Symphonieorchester mit der von seinem Gastdirigenten Hans Rotmann rundum animierten Musizierlaune und Spielperfektion. Eine verdiente Renaissance dieser Bläserkonzerte in allen namhaften Konzertsälen liegt aufgrund des vorliegendes Klangdokumentes nahe. Man muß es diesen Werken einfach wünschen.

Dr. Gerhard Pätzig [26.05.2006]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ermanno Wolf Ferrari
1Idillio-Concertino A-Dur op. 15 für Oboe, Streichorchester und 2 Hörner (1932)
2Concertino op. 34 für Englischhorn, Streicher und 2 Hörner (1947)
3Suite Concertino op. 16 für Fagott, Streicher und 2 Hörner (1933)

Interpreten der Einspielung

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