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CD-Besprechung

Sibelius – Spirit of Nature
Songs, Cantatas and Orchestral Works

Sibelius – Spirit of Nature<br />Songs, Cantatas and Orchestral Works

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 23.05.06

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BIS CD 1565

1 CD • 77min • 2004, 2005

Spirit of Nature, der Geist der Natur, ist sicherlich kein unglücklich gewähltes Motto dieser neuen BIS-Produktion aus Lahti. Gleichwohl schlage ich – völlig ungefragt – etwas anderes vor, nämlich: „Ein Lied kann eine Brücke sein.” Nicht, weil ich Erna Strubes alten Hit aus der Mottenkiste holen wollte, sondern weil das von Osmo Vänskä hier zusammengefügte Programm eigentlich ganz direkt zu einem Werk hinüberführt, das seit seinem angeblichen Mißlingen nie wirklich gerettet wurde: Einhundertundzehn Jahre sind vergangen, seit Sibelius’ einziges Bühnenwerk seine Premiere erlebte, und noch immer sitzt die unentdeckte Jungfrau im Turm, obwohl sich Neeme Järvi und BIS (Nr. 250) doch schon vor über zwei Jahrzehnten eindrucksvoll um das Stück bemüht haben...

Vielleicht wecken ja die auf Spirit of Nature veröffentlichten Lieder das Interesse an dem unter musikalischen Gesichtspunkten völlig zu Unrecht vergessenen Werk: Stücke wie Herzog Magnus oder Höstkväll (Herbstabend) mit der ausgezeichneten Sopranistin Helena Juntunen, besonders aber die beiden außergewöhnlich schönen Baritonlieder Serenade (1895) und I natten (In der Nacht), die Tommi Hakala mit begeisternder Sensibilität interpretiert – solche Titel sind gewiß dazu angetan, den Sänger Sibelius, den Meister der voces intimae auch hierzulande gleichberechtigt neben den vierschrötigen Nationalkomponisten und überragenden Sinfoniker zu stellen. Eines Tages kommt es dann womöglich jemandem bei, sogar die Jungfrau mal auf die Bühne zu bringen. Und sei’s auch nur in Form solch lebender Tableaux, wie sie Sibelius bekanntlich des öfteren „vertont” hat – von der Karelia-Musik bis hin zu der Orchesterminiatur Pan und Echo op. 53, die Osmo Vänskä und das Orchester aus Lahti auf ihrem neuen Album als delikates Intermezzo offerieren.

Luonnatar op. 70 darf auf einer CD mit dem singenden Sibelius natürlich nicht fehlen (Helena Juntunen ist auch hier wieder vorzüglich). Überraschender sind da schon Väinön virsi op. 110 für Chor und Orchester sowie das Impromptu op. 19 mit Frauenchor, das für das Konzert entstand, bei dem die zweite Sinfonie uraufgeführt wurde. Während Wäinämöinens Gesang aus der letzten großen Schaffenszeit die konzentriert-explosive Welt der etwa gleichaltrigen siebten Sinfonie und der Tapiola streift, ist das vermeintliche Gelegenheitsstück von 1902 platterdings alles, nur eben kein musikalischer Notgroschen: Die subtilen Walzerklänge in lieblich-pastellner Atmosphäre haben augenscheinlich auch die Ausführenden als so beglückend empfunden, daß sie die charmante Kleinigkeit gleich zweimal aufgenommen haben – in der Urfassung und in einer revidierten, formal erweiterten Version.

Am Ende wäre noch vom Anfang zu sprechen, konkret: von der Ouvertüre E-Dur und der Scène de Ballet, die Jean Sibelius in seiner Wiener Zeit (1890/91) geschrieben und Robert Kajanus noch im Jahr der Fertigstellung dirigiert hat. Wie uns der informative Einführungstext mitteilt, handelt es sich bei diesen beiden Werken um die ersten erhaltenen Orchesterpartituren des Finnen, und diese hätten, so erfahren wir fernerhin, zwei Sätze einer dann nicht ausgeführten Sinfonie sein sollen. Ohne diesen Hinweis käme man nicht drauf. Dächte man hier in sinfonisch-zyklischen Bahnen, erschiene einem der nordische Halbgott plötzlich im Badedress der „tollkühnen Männer”, wohingegen jeder der Sätze für sich durchaus seine Meriten hat: In der Ouvertüre geht bereits En Saga um, und in der Ballettszene herrscht ein ähnlich leichter Ton wie in dem – es sei noch einmal gesagt – rundum bezaubernden Impromptu.

Wäre nun auch noch das kurze Kullervon Valitus (Kullervos Wehruf) aus der Kullervo-Sinfonie, das Sibelius kurz vor seinem Tode für den Baß Kim Borg bearbeitet hat, einer Stimme übertragen worden, die den Boden beben und die Trolle in ihren Höhlen erzittern ließe, es hätte für eine glatte Bewertungs-10 gereicht.

Rasmus van Rijn [23.05.2006]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J. Sibelius Ouvertüre E-Dur JS 145 (1891)
2 Scène de Ballet JS 163 (1891)
3 Kullervon Valitus für Bass und Orchester (1892/1957)
4 Serenade JS 168 für Bariton und Orchester (1894/1895)
5 I Natten op. 38 Nr. 3
6 Impromptu op. 19 für Frauenchor und Orchester (Originalfassung, 1902)
7 Impromptu op. 19 für Frauenchor und Orchester (Endfassung, 1902/1910)
8 Pan and Echo op. 53 (1906)
9 Höstkväll op. 38 Nr. 1 für Sopran und Orchester (Herbstabend, 1903/1907)
10 Hertig Magnus op. 57 Nr. 6 für Sopran und Orchester (1909/1912)
11 Luonnotar op. 70 für Sopran und Orchester (1913)
12 Väinön Virsi op. 110 für gemischten Chor und Orchester (1926)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Jyrki Korhonen Bass
Tommi Hakala Bariton
Helena Juntunen Sopran
Dominante Choir Chor
Lahti Symphony Orchestra Orchester
Osmo Vänskä Dirigent
 
CD 1565;7318590015650

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