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DVD-Video-Besprechung

Gyökerek - Roots

Béla Bartók (1881-1945)
A documentary film by István Gaál

Hungaroton HDVD 32388

1 DVD-Video • 3h 00min • 2000

10.04.2006

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 5
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 6

Es war mir ein leichtes, mich für dieses portré zu erwärmen. Das hat was mit meiner großen Wertschätzung Béla Bartóks zu tun und gleichermaßen damit, daß ich allein schon dem Klang der ungarischen Sprache enorm viel abgewinnen kann. Nun denke man sich eine DVD von dreimal einer Stunde, in der niemand anders als Bartók zu Worte kommt: Seine Musik in repräsentativen Aufnahmen weitgehend recht bekannter ungarischer Künstler aus Geschichte und Gegenwart, seine Briefe vorzüglich verlesen von Kovács Sándor, dazu stimmungsvolle Bilder ungarischer Landschaften und Menschen, alte Photographien und Filmausschnitte, Notenmanuskripte und Briefseiten, Ausschnitte aus Bühnenwerken und Orchesteraufführungen, dazu gelegentliche Überblendungen originaler Volkslieder und Bartókscher „Nachkompositionen”, all das in einer bunten, der biographischen Chronologie folgenden Mischung von der Wiege bis zum Grabe montiert – daß man da als positiv voreingenommener Hörer und Betrachter ganz gewiß auf seine Kosten kommt und einiges neue über den Komponisten erfährt, versteht sich.

Gleichwohl teile ich nicht die auf der Rückseite der DVD-Verpackung mitgeteilte Versicherung, es handle sich bei Gökerek (Wurzeln) um ein Meisterwerk. Dazu gehörte meines Erachtens erst einmal mehr als ein auf das nackte tracklisting und die credits beschränktes ungarisch-englisches Booklet. Ferner hätte man dem Benutzer hilfreichere Menüs servieren dürfen: Ich rufe deutsch als Option auf, gelange dann zur Auswahl Start, Teile, Setup – entscheide mich für den letzten der drei Punkte und lande bei Feliratok, die aber nur auf Ungarisch (magyar, angol, német, francia) angeboten werden, sowie bei Hang (magyar, angol) und werde ansonsten vissza geschickt. Habe ich nach dem Motto „nehmet német” die deutsche Untertiteloption gewählt und mich für den ungarischen Originalton entschieden, komme ich wieder zu der vorigen Auswahlseite, doch jetzt, siehe da, stehe ich vor lejátszás, részek és beállítások ...

Wenn ich das mal als eine rein redaktionelle Angelegenheit beiseite schiebe und die Regie des gesamten Produktes einer genaueren Inspektion unterziehe, stoße ich mich wieder an dem werbewirksamen Superlativ. Vor allem, weil die drei je einstündigen Teile durchweg etwas überladen wirken: Gelegentlich ist die Bildfolge für meinen Geschmack zu hektisch (man bedenke: Wir hören entweder Englisch oder, was ich empfehle, Ungarisch und müssen zugleich mitlesen), dann wieder kommt es im „landschaftlichen” Teil zu Längen, die sich zweifellos mit dem Mut zur Schere hätten vermeiden lassen. Natürlich verstehe ich, daß Bartóks periodische Rückkehr zu den Wurzeln die Konzeption des Films bestimmte und den unglückseligen „amerikanischen” Schluß in berührender Schärfe hervortreten läßt. Derselbe Effekt, dessen bin ich mir sicher, wäre jedoch auch in dreimal fünfundvierzig oder fünfzig Minuten zu erzielen und vor allem deshalb so erstrebenswert gewesen, weil wir es ja mit einem Komponisten zu tun haben, der trotz all seiner Mitteilungsfreudigkeit (die ausgewählten Briefe sind wirklich aufschlußreich, oft geradezu köstlich) selbst nie geschwätzig wurde.

Das Ergebnis der Betrachtung ist dennoch ein insgesamt vorteilhaftes: Unschwer ist zu spüren, mit welcher Liebe die Verantwortlichen ihr Projekt in die Tat umgesetzt, mit welchem Respekt sie Bartók Béla nachgespürt und mit welcher Würde sie ihn inszeniert haben. Der sperrige, vielschichtige Charakter des Portraitierten, sein versteckter Humor (!), seine Sturheit, ja selbst die fühlbare Mauer, mit der er sich vor mentalen Verletzungen glaubte schützen zu müssen, sind sehr schön getroffen und sind tatsächlich dazu angetan, die Sympathie für diesen merkwürdigen Mann zu wecken bzw. zu erhöhen – und darin scheint mir das Hauptverdienst dieser DVD zu liegen. 8,5,6

Rasmus van Rijn [10.04.2006]

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