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CD-Besprechung

cpo 777 175-2

1 CD • 62min • 2005

24.08.2006

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Rundum überzeugend ist Eduard Erdmanns vierte Sinfonie eigentlich erst, wenn man sie direkt nach der unmittelbar vorher entstandenen Dritten hört. Wie die Schicksalssinfonie letztlich nach der Pastorale, die Fantastique nach Lélio schreit, so wirkt das handliche, filigrane und transparente Gebilde von 1954 wie die ganz direkte Reaktion auf das weitaus monumentalere Opus 19, das ja bereits in derselben Besetzung und Qualität erschienen und mit dem vorletzten Werk Erdmanns, dem Capriccio op. 21, gekoppelt ist (cpo 777 068 2) – womit praktisch alles en bloc zu haben ist, was Erdmann nach dem Zweiten Weltkrieg noch komponiert hat, denn mit den auf der neuen Produktion enthaltenen Monogrammen op. 22 ließ der Deutsche aus Lettland 1955 seinen schöpferischen Vorhang fallen.

Mir geht es bei diesen Werken Eduard Erdmanns und auch bei dem Ständchen op. 16 aus dem Jahre 1930 zunächst ein wenig wie bei dem Kabinett des Dr. Caligari und ähnlichen Expressionistika. Ich spüre, wie jemand partout die Senkrechte vermeiden will, und ich frage mich, warum er das tut: Nur, um originell zu sein? Weil alles ganz normal aussähe oder klänge, wenn er einfach ein Lot fällte bzw. an der Stelle seiner „Atonalität“ herkömmliche harmonische Zusammenhänge vewendete? Selbst beim zwölftönigsten Schönberg kommt einem ja manchmal dieser Verdacht – man nehme das Klavierkonzert oder das dritte Streichquartett ...

Erdmann scheint mir über diesen Verdacht erhaben. Die auf den bislang zwei CDs vorliegenden Stücke wirken wie das, was man vor einhundert Jahren gern als Nervenkunst bezeichnete: Vieles gibt es da, was wie aus den feinsten Verästelungen des Komponisten „empor-gehört“ scheint, viel Momenthaftes, das sich erst nach und nach dem Hörer mitteilen will, dabei aber auf keinen Fall von einer unangenehmen oder womöglich gar destruktiven Persönlichkeit kündet. Darin scheint mir auch der besondere Wert der Werke und ihrer Wiederentdeckung zu liegen: wieder einmal auf mustergültige Weise miterleben zu können, daß nicht eigentlich die Mittel die Musik machen, sondern daß sich in ihnen immer der Charakter des Verfassers ausdrückt und die jeweilige ReSonanz, die er findet, von ihm und nicht von seiner je gewählten Technik oder Methode abhängt.

Daß es überdies eine Freude ist, den Ausführungen des „anderen“ Frankfurter Orchesters unter Israel Yinon zuzuhören, macht die Begegnung mit der Persönlichkeit Eduard Erdmann gewiß noch spannender. Auf ein Erdbeben in der heutigen Kulturlandschaft zu schließen, halte ich gleichwohl für etwas übereilt – da müßten wohl erst noch einige andere Kühe geschlachtet und Prioritäten neu definiert werden.

Rasmus van Rijn [24.08.2006]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Eduard Erdmann
1Sinfonie Nr. 4 op. 20
2Monogramme op. 22 (Eine kleine Serenade für Orchester)
3Ständchen für kleines Orchester op. 16

Interpreten der Einspielung

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