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CD-Besprechung

J.S. Bach Geistliche Solokantaten

Naxos 8.557615D

1 CD • 62min • 2004

07.10.2005

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Wieder einmal ist eine positive Resonanz auf eine der vielen, oft preisgekrönten Bach-Einspielungen des Kölner Kammerorchesters unter der Leitung von Helmut Müller-Brühl in der Naxos-Reihe „Das Meisterwerk“ zu melden. Erst vor kurzer Zeit konnte eine Solokantaten-CD des Ensembles mit Beifall kommentiert werden, die sich zugleich als ein respektables Sängerinnen-Porträt der jungen, norwegischen Mezzosopranistin Marianne Beate Kielland präsentierte (Naxos 8.5576210). Weiter zurück liegt die nicht weniger optimale große, „hohe“ h-Moll-Messe BWV 232, die Müller-Brühls glückliche Hand für den Einsatz eines bewährten Interpretenteams zugunsten seiner künstlerisch fundierten Bach-Pflege bewies (2 CD Naxos 8.551219-20).

Zu den Solisten der h-Moll-Messe gehörten die hier, in der Kantate BWV 35 Geist und Seele wird verwirret, erneut bestens disponierte Marianne Beate Kielland und der mit der Musik Bachs nicht minder vorbildlich vertraute Tenor Markus Schäfer bei der Interpretation der drei Tenorkantaten BWV 55 Ich armer Mensch, ich Sündenknecht, BWV 160 Ich weiß, daß mein Erlöser lebt und BWV 189 Meine Seele rühmt und preist. Als Schwerpunkt des Programms bestechen die drei letztgenannten Kantaten als ein überzeugendes „Künstlerporträt“ von Markus Schäfer, der stilistisch kompetente wie schön vorgetragene und stimmtechnisch makellos bewältigte Partien bietet. Souverän, mit allen ihren Facetten, gestaltet der Tenor die dahinströmenden Arien und setzt virtuos alle Koloratur- und Verzierungskünste ein. Auch die mit beseelter Sprachlichkeit artikulierten Rezitative erfüllen ihre gottesdienstliche Wortverkündigung trotz unterschiedlicher Autorschaft ganz im Geiste Bachs.

Ebenso meisterhaft erklingen die Instrumentalsoli im individuellen Besetzungs-, Stil- und Klangwechsel der einzelnen Kantaten. Renée Ohldin brilliert als Sologeigerin, Daniel Rothert als Blockflötenvirtuose, Ingo Nelken als Flötist, Christian Hommel beglückt mit seinen obligaten Solopartien für die Oboe, Martin Kevenhörster als Fagottist und Harald Hoeren mit kunstvoll registrierten und phrasierten Tastenkünsten auf der Truhenorgel und am Orgelpositiv. Krönender Gesamtklang und Ergebnis einer künstlerisch durchpulsten Interpretation sind schließlich die kammermusikalische Transparenz und die vitalen Gestaltungsimpulse des Kölner Kammerorchesters unter der langjährigen, fach- und sachkundigen Regie seines Dirigenten Müller-Brühl. Speziell dessen Erfahrungsschatz in der zwischen historischer Aufführungspraxis im barocken „Originalklang“ und aktuellen Hörgewohnheiten pendelnder Bach-Pflege mit hier modernem Instrumentarium ist längst zu seinem Qualitätsmerkmal geworden.

Zusätzlich Aufmerksamkeit verdient das vorliegende Programm durch die Gegenüberstellung von zwei authentischen Bach-Kantaten mit zwei in ihrer Echtheit angezweifelten Werken. Musikforscher konnten die Kantate BWV 160 Telemann zuweisen und die Kantate BWV 189 dem heute nahezu vergessenen, zu seiner Zeit bekannten Kantatenkomponisten Georg Melchior Hoffmann (1679-1715). Obgleich beide Kompositionen beachtliche Qualitäten aufweisen (die längst überholte Zuschreibung als Frühwerke Bachs war also durchaus plausibel), stellt ein „wissendes“, vergleichendes Hören nun eine ganz besondere Bereicherung der CD dar. Diese beiden Kantaten sind überdies Katalog-Raritäten. Weshalb jedoch bei der klingenden Wortverkündigung aller Kantaten die zum Textverständnis wichtigen Endkonsonanten gelegentlich vernachlässigt werden (im Schlußchoral der Kantate BWV 55 vom Collegium Vocale Siegen sogar grundsätzlich), bleibt ein Geheimnis.

Dr. Gerhard Pätzig [07.10.2005]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Sebastian Bach
1Geist und Seele wird verwirret BWV 35 (Kantate)
2Ich armer Mensch, ich Sündenknecht BWV 55 (Kantate)
3Ich weiß, daß mein Erlöser lebt BWV 160 (Kantate stammt von G. Ph. Telemann; Bach zugeschrieben)
Georg Melchior Hoffmann
4Meine Seele rühmt und preist BWV 189 (Bach zugeschrieben)

Interpreten der Einspielung

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03.02.2003
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