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CD-Besprechung

Homenaje a Revueltas

Homenaje a Revueltas

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 04.02.05

Klassik Heute
Empfehlung

Channel Classics CCS SA 21104

1 SACD • 66min • 2003

Eine willkommene Ergänzung der leider nur schmalen Diskographie des jung verstorbenen Silvestre Revueltas (1899–1940) ist dieser Mitschnitt eines Konzertes vom November 2003. Der Titel der CD „Chamberworks of Silvestre Revueltas“ ist allerdings etwas irreführend – 32 Musikerinnen und Musiker einschließlich sieben Streicher sind beteiligt; es wird nicht einmal auf eine Tuba verzichtet (der hier Tjeerd Oostendorp geradezu anrührende euphonische Gesänge entlockt). Einen ganzen Abend widmete die Ebony Band unter ihrem Gründer und Leiter Werner Herbers dem mexikanischen Komponisten, der es vor allem mit farbigen Orchesterwerken voller Raffinesse und Lokalkolorit (La noche de los Mayas) zu zumindest bescheidener Bekanntheit gebracht hat.

Mit besonderem Erfolg hat sich vor einiger Zeit Esa-Pekka Salonen für Revueltas’ Musik eingesetzt (Sony SK 60676). Diese Neuerscheinung macht nun bekannt mit etlichen unbekannten Werken Revueltas’ für Kammerorchester, viele davon in Ersteinspielungen. Besonderen dokumentarischen Wert erhält die Produktion durch die Zusammenarbeit mit Prof. Roberto Kolb-Neuhaus, dem Leiter der neuen kritischen Revueltas-Gesamtausgabe. So war es möglich, auf bisher unveröffentlichte Stücke wie auch Revisionen und Varianten bekannterer Werke zurückzugreifen: Revueltas’ durch Leopold Stokowski unsterblich gemachtes Stück Sensemayá erklingt hier in einer Einrichtung für 15-köpfiges Ensemble, die in ihrer Farbigkeit der groß besetzten Version in nichts nachsteht. Die Ebony Band spielt Sensemayá rhythmisch so pointiert und straff, daß das Stück fast wie eine Paraphrase von Strawinskys Sacre du printemps wirkt – was eine Hommage an den Namensgeber des Ensembles (Ebony Concerto) wäre.

Danach folgt ein wahres Schatzkästlein von Miniaturen, von denen bisher lediglich das rätselhafte Ocho por Radio und die Homenaje a Federico Garcia Lorca einem breiteren Publikum bekannt geworden sind. Revueltas offenbart sich hier stets als ein Meister, dem die Mittel der Collage und Allusionen an populäre Lieder wie bei Ives ebenso wenig fremd sind wie Südamerika-Klischees á la Copland. An der Musik hat der Zuhörer ebenso seine Freude wie die hörbar begeistert aufspielende Ebony Band – auch wenn man stellenweise den Eindruck hat, daß der Dirigent an diesem Abend die Zügel ein bisschen zu straff in der Hand hielt. Ein besonderer Höhepunkt des vom WDR aufgezeichneten und vorzüglich nachbearbeiteten Konzertes war die Hora de Junio, ein Melodram nach drei Gedichten von Carlos Pellicer, zu Herzen gehend rezitiert von dem Schauspieler Juan Carlos Tajes. Und die Homenaje a Federico Garcia Lorca, entstanden als unmittelbare Reaktion auf die Ermordung des Dichters durch die spanischen Faschisten im Jahr 1936, setzt einen tief bewegenden Schlußpunkt. Die Produktion ist ein Muß für jeden, der sich ausführlicher mit der Musik des 20. Jahrhunderts beschäftigt.

Dr. Benjamin G. Cohrs [04.02.2005]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 S. Revueltas Sensemayá für Orchester (1938)
2 Ocho por radio
3 Planos
4 Caminando
5 Este era un rey
6 Hora de Junio
7 El renacuajo paseador
8 Pieza para doce instrumentos
9 Homenaje a Federico García Lorca

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Ebony Band Ensemble
Werner Herbers Dirigent
 
CCS SA 21104;0723385211044

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