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CD-Besprechung

L.v. Beethoven

BIS 1 CD/SACD surround SACD-1416

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 07.02.05

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BIS SACD-1416

1 CD/SACD surround • 67min • 2004

Einen Glückstreffer landete BIS bei dieser SACD-Neuproduktion der Sinfonien Beethovens mit dem Minnesota Orchestra unter seinem neuen Chefdirigenten Osmo Vänskä. Der Finne hat offenbar in kürzester Zeit das 1903 gegründete amerikanische Traditionsorchester völlig umgekrempelt und auf Vordermann gebracht. Es ist bemerkenswert, daß Vänskä hier die von ihm bevorzugte traditionell europäische Streicher-Aufstellung mit antiphonalen Violinen durchsetzen konnte, gegen die sich die meisten amerikanischen Orchester sträuben. Es dürfte dem Orchester viel Flexibilität abverlangen, die Klassiker des 19. und frühen 20. Jahrhunderts auf diese Weise zu musizieren, während die amerikanischen Werke des 20. Jahrhunderts und insbesondere die vielen Uraufführungen neuer Werke mit der nicht von ungefähr „amerikanisch“ genannten Aufstellung mit allen Geigen links, Celli und Violen rechts rechnen.

Wer Vänskä nur von seinen Sibelius-Aufnahmen her kennt, wird überrascht sein, welch vorzüglicher, überlegen disponierender Beethoven-Dirigent er ist – auch wenn bereits seine vorzügliche Einspielung von Bruckners dritter Sinfonie (Hyperion CDA 67200) derlei vermuten ließ. Mit großer Selbstverständlichkeit entfalten sich Beethovens vierte und fünfte Sinfonie, mit Tempi, die nahe an den Original-Metronomisierungen liegen (gespielt wird selbstverständlich nach der Kritischen Neuausgabe von Jonathan Del Mar), sowie in größter Klarheit und Präsenz der Details. Die langsamen Sätze werden ausgesprochen flüssig musiziert, ohne hektisch zu wirken; die raschen Sätze werden nie äußerem Effekt geopfert. Das Vibrato ist minimal, auch wenn die Streicher hier manchmal noch zurückhaltender sein könnten – mit ihnen sollte Vänskä vielleicht noch intensiver an der Bogentechnik arbeiten, aber solche Änderungen gehen nicht über Nacht. Die Holzbläser klingen farbig und charakteristisch, obgleich sie auch fast orgelartig miteinander verschmelzen können. Die Blechbläser klingen nie massiv – eine Wohltat für das Ohr angesichts der monströsen Klänge, die sonst von amerikanischen und britischen Orchestern auch bei Beethoven zu hören sind. Allenfalls würde ich mir wünschen, daß die Hörner sich zur Verwendung der Stopftöne überreden ließen, mit denen Beethoven manchmal rechnete und die auch dem Gesamtklang eine charakteristische Prägung geben. Vänskä läßt so beredt und zugleich spannungsvoll phrasieren und artikulieren, daß auch für einen den Klang von Orchestern auf alten Instrumenten bevorzugenden Hörer kaum Wünsche offen bleiben.

Mit Barry Cooper hat man sich zudem einen der heute wichtigsten Beethoven-Forscher als Beiheft-Autor geholt (auch wenn ihm weite Teile der konservativen Beethoven-Forschung bis heute den Versuch einer Ausarbeitung der Skizzen zum ersten Satz von Beethovens unvollendeter 10. Sinfonie Es-Dur nicht verzeihen mögen).

Die Balance und Räumlichkeit der Aufnahme ist schon im regulären Audio-Modus vorzüglich; im Surround-System ist die Wirkung noch beeindruckender. Nur der Hall wirkt ein wenig zu stark, der Klang vielleicht fast schon zu lupenrein; ich persönlich mag es ein wenig körniger. Doch insgesamt bietet Vänskä mit seinem Minnesota Orchestra hier eine ernstzunehmende Konkurrenz zu den jüngeren Beethoven-Einspielungen unter Roger Norrington mit dem RSO Stuttgart.

Dr. Benjamin G. Cohrs [07.02.2005]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 L.v. Beethoven Sinfonie Nr. 4 B-Dur op. 60 (1806)
2 Sinfonie Nr. 5 c-Moll op. 67

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Minnesota Orchestra Orchester
Osmo Vänskä Dirigent
 
SACD-1416;7318599914169

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