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CD-Besprechung

Hungaroton HCD 32280

1 CD • 63min • 2003

01.02.2005

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Ein ungleiches Paar, diese beiden Ungarn. Wenn die CD mit Dvoráks G-Dur-Sonatine op. 100 beginnt – in einer Transkription für Flöte, um genau zu sein und alle Freunde der Violine vor falschen Erwartungen zu schützen –, wird umgehend klar, daß sich hier zwei musikalische Temperamente verbündet haben, wie sie wesensverschiedener kaum denkbar wären. Der Pianist Zoltán Kocsis überredet nicht, er überrumpelt sein Auditorium, er versteht sich nicht als diskreter Begleiter, sondern als (mindestens) ebenbürtiger Partner; mit fulminanter Attacke stürmt er los und bekennt sich unüberhörbar zu einem trennscharf formulierten, akzentfreudigen, schlagkräftigen Klavierspiel. Der Flötist János Bálint hingegen behandelt sein Instrument mit Zartgefühl und lyrischem Ausdruck, sanft und geschmeidig bläst er den Flötenpart der Sonatine und zeichnet die betörendsten Kantilenen. Kernig und kantig erklingt das Klavier; warm timbriert und leicht umflort ertönt die Flöte. Doch liegt gerade in dem merkwürdigen Neben- und Gegeneinander der musikalischen Ideale der verblüffende Reiz der Einspielung: Diese Gegensätze wirken höchst anziehend – nicht zuletzt auf den Hörer.

Franz Schuberts e-Moll-Variationen über das Lied „Trockne Blumen“ (die einzige Originalkomposition für Flöte und Klavier auf dieser CD) gerät mit dem unorthodoxen Duo Kocsis – Bálint nachgerade zur Entdeckung, jedenfalls wenn man das Werk bislang für eine gefällige und brillante Gelegenheitsarbeit hielt. Nichts da – die Ungarn musizieren den Variationenzyklus wie einen Totentanz, sie enthüllen die gespenstischen, abgründigen, makabren Seiten dieser Musik und lassen uns begreifen, wie jemand auf die Idee kommen konnte, Franz Schubert mit den schaurigen Bildern des späten Goya zu assoziieren.

César Franck beschließt das Programm: seine berühmte Violinsonate. Bei dieser Transkription allerdings stößt die Flöte doch an klangliche und expressive Grenzen, zumal Zoltán Kocsis – natürlich – mit kompromißloser Wucht und virtuoser Weißglut zu Werke geht und der Flötist bei solcher Parforcejagd zwangsläufig ins Hintertreffen geraten muß. Ohnehin läßt sich nicht bestreiten, daß die beiden ungarischen Musiker eine recht unausgewogene Aufnahme vorgelegt haben. Und dennoch gehört diese CD, trotz oder vielleicht sogar wegen ihrer auffallenden Mängel und Ungereimtheiten, zu den aufregendsten und aufschlußreichsten Veröffentlichungen der jüngsten Zeit: keine mustergültige „Referenzeinspielung“, aber ein Hörerlebnis sondergleichen.

Wolfgang Stähr [01.02.2005]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Antonín Dvořák
1Sonatine G major op. 100 for Violin and Piano
Franz Schubert
2Variationen über das Lied Trockene Blumen e-Moll op. 160 D 802 für Flöte und Klavier
César Franck
3Sonate A-Dur op. 120 FWV 8 für Violoncello und Klavier

Interpreten der Einspielung

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