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CD-Besprechung

Historische Orgeln in der Schweiz (Vol. 8)

Sinus Sin 6008

1 CD • 70min • 2004

21.01.2005

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 5
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Schon seit mehreren Jahren arbeitet der Schweizer Organist Albert Bolliger an einer klingenden Topografie der auf ihre Weise überaus vielgestaltigen Orgellandschaft der Schweiz, deren politische Vergangenheit auch in Orgelbau und Orgelmusik reizvoll zwischen den italienisch-habsburgischen und den gallophonen Regionen, zwischen den Traditionen der beiden Religionsgruppen vermittelt. Bolligers Anliegen ist umso wichtiger, als ein unerforschlicher Ratschluss der SRG dahin erging, mit Jahresbeginn 2003 die "Toccata" betitelte, wöchentliche Orgelsendung einzustellen, da Orgelmusik polarisiere, was der "Kenner und Liebhaber von dergleichen Arbeiten" nur als bedenkliche Ferne zur Wirklichkeit dieser Musiksparte interpretieren kann.

Anders dagegen Bolliger: Er – intimer Kenner der historischen (wie modernen) Orgellandschaft seines Heimatlandes – wählt diese Instrumente repräsentativ anschaulich aus, fürchtet auch "kleinmeisterliche" Literatur knapper Ausdehnung nicht, obgleich sie organistischer Selbstdarstellung nicht eben freundlich gesonnen ist und oftmals die vom Erbauer intendierten Grenzen des Konzeptes eines Instrumentes überschreitet. Dies erweist sich neben der Vorführung klassisch geeigneter Literatur nur zu oft als kluger Schachzug, weil die Instrumente auch vom mit der Materie nicht unmittelbar vertrauten Hörer treffend charakterisiert werden können.

Dies wird in den Publikationen Bolligers und seines Labels SINUS durch die in jeder Hinsicht individuell überlegte Aufmachung des Beiheftes unterstützt, dessen Studium eine Freude ist. Die Texte entstammen den Federn von Albert Bolliger und Friedrich Jakob, eines Grandseigneurs des schweizerischen Orgelbaues.

Leider hält hier die Aufnahmetechnik infolge eines über die fünf verschiedenen Aufnahmeorte hin doch recht uniform angelegten Klangbildes nicht mit. Man stolpert während des Anhörens nicht nur über eine hörbar koinzidente Mikrofonierung, sondern auch über die Folgen von Schnitten und Nachbearbeitungen, sieht sich mit Nebengeräusche tontechnischen Ursprungs konfrontiert. St. Saphorin bröselt und brummt ein wenig vor sich hin, wie denn generell auch in den Pausen zwischen Stücken digitale Ruhe sichtlich intendiert, aber nicht realisiert ist. All dies kulminiert in meinem Falle in einem respektablen Lesefehler bei 31:44, der nach Lage der Analyse dem Master anzulasten ist. Warum der Fertiger des Glasmasters hier nicht Laut gab, ist sein Geheimnis.

Schade, denn diese technischen Gebrechen stören das solide, unaufgeregte, ja jeglicher Selbstdarstellung und Spektakularität abholde Gesamtbild dieser Publikation, die den Liebhaber einer klingenden Schweizer Orgeltopogafie dennoch erfreuen wird. Wenn für die Folge 9 die Tontechnik einer Revision unterzogen würde, sähe auch ich dem Ergebnis mit Neugier entgegen.

Thomas Melidor [21.01.2005]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Gottlieb Muffat
1Toccata duodecima
Johann Christoph Oley
2Der Tag ist hin
3Machs mit mir, Gott
Gottfried August Homilius
4Christ lag in Todesbanden I
5Christ lag in Todesbanden III
Samuel Mareschal
6Zwei Fugen in a
Anon.
7Courante - Belle - La Robinette - Ballet (Wiezel-Tabulatur, 1616)
Samuel Mareschal
8Resveilles vous chacun fidele
Johann Pachelbel
9Magnificat primi toni
10Magnificat sexti toni
Johann Ludwig Krebs
11Nun freut euch, lieben Christen gmein
12Trio a-Moll
Gottfried August Homilius
13Wir Christenleut
Louis Niedermeyer
14Prière
Otto Dienel
15Wach auf, mein Herz, und singe
Alexandre Pierre François Boely
16Cantique IX (Le vermeil du Soleil)
17Cantique V (Réveillez-vous pastoureaux)
18Andante (Noël)
19Cantique I (Seigneur Dieu ouvre la porte)
Carl Philipp Emanuel Bach
20Minuetto in G Wq 193, 9+10 (Für eine Flötenuhr)
Alexandre Pierre François Boely
21Cantique XIV (Mon âme dormez-vous?)
Wilhelm Friedemann Bach
22Wir Christenleut han jetzund Freud Falck 38/6 (Choralvorspiel)
23Nun komm, der Heiden Heiland Falck 38/1 (Choralvorspiel)
24Christe, der du bist Tag und Licht Falck 38/2 (Choralvorspiel)
25Jesu, meine Freude Falck 38/3 (Choralvorspiel)
Théodore Dubois
26Evocation
César Franck
27Moderato - Con moto - Andantino
Camille Saint-Saëns
28Moderato
Félix Alexandre Guilmant
29Élévation: Or, nous dites, Marie
Antoine Dornel
30Prélude - Trio - Récit - Dialogue
Louis Marchand
31Pièce e-Moll
Jean-François Dandrieu
32Pièce en Taille

Interpreten der Einspielung

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