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CD-Besprechung

Dux 0368-0369

2 CD • 1h 50min • 2004

10.12.2004

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Eine einzige Oper hat der Komponist und weltberühmte Klaviervirtuose Ignacy Jan Paderewski (1860-1941) hinterlassen, ein Werk, das erst nach mehr als zehnjähriger und mühsamer Arbeit zur Vollendung gelangte. Das dreiaktige Musikdrama Manru erwies sich als Erfolg und erschien bald nach der Uraufführung im Jahr 1901 auf mehreren deutschen und polnischen Bühnen. Bereits 1902 brachte die Metropolitan Opera New York das Werk heraus, mit der gefeierten Marcella Sembrich in der weiblichen Hauptrolle. Manru gehört in das Genre der Zigeuneroper und enthält dementsprechend weit ausgedehnte Szenen mit volkstümlicher Musik. Darin sind nicht nur Zigeunerweisen mit ihren typischen, „schluchzenden“ Violinsoli, sondern auch viele Tänze und Chöre enthalten, die aus Paderewskis ostpolnischer Heimat stammen. Daß diese Oper, die viele effektvolle Momente und eine farbenreiche, melodiös-sangbare Musik enthält und dadurch alle Voraussetzungen für weitgreifende Popularität besitzt, dennoch zu den Raritäten der Spielpläne zählt, ist wohl in erster Linie auf das klischeehafte Libretto zurückzuführen: Der Zigeuner Manru scheitert bei seinem Versuch, eine bürgerliche Ehe zu führen und kehrt wieder zu seinem Volk zurück, das ihn einst wegen seiner Abtrünnigkeit verstoßen hat. Sowohl für Manru als auch für Ulana endet dieser doppelte Treuebruch tödlich. Die interessanteste Partie des Stücks ist der Zwerg Urok (ein naher Verwandter von Wagners Alberich), der sich am Schluß zum Rächer von Ulanas Unschuldstod aufschwingt. In der Einspielung der Oper auf dem polnischen Label Dux ist es der ausgezeichnete Baritonsänger Maciej Krzysztyniak, der aus diesem unheimlichen Kobold eine fesselnde Gestalt von starker szenischer Wirkung schafft.

Mit der Einspielung von Paderewskis Manru wird ein wichtiges Werk der polnischen Opernkunst vorgestellt, das musikalisch einen erheblichen Fortschritt gegenüber den Werken des polnischen Nationalkomponisten Moniuszko bedeutet und bereits auf die verfeinerte Kunst Szymanowskis vorausweist. Die Wiedergabe durch das Künstlerensemble des Opernhauses Wroclaw (Breslau) verdient alle Hochachtung, man hört durchwegs gute, zum Teil sogar hervorragende Stimmen (wie etwa Ewa Czermak als Ulana und Agnieszka Rehlis als Zigeunerin Aza), auch das Orchester unter Ewa Michniks Leitung bietet eine voll befriedigende Leistung.

Einzige Einschränkung: es gibt keinen deutschen Text und Kommentar, nur eine Kurzfassung der Handlung in englischer Sprache, ansonsten alles nur polnisch. Dazu ist zu bemerken, daß es ein nicht unbeträchtliches deutsches Anrecht auf Manru gibt, denn Paderewskis Oper wurde nach einem deutschen Text von Alfred Nossig komponiert, der erst nachträglich ins Polnische übertragen wurde und erlebte ihre erste Aufführung in Dresden. Gerade bei solchen Raritäten sollte man mit mehrsprachigen Kommentaren und Libretto-Übersetzungen nicht knausern.

Clemens Höslinger [10.12.2004]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ignaz Jan Paderewski
1Manru

Interpreten der Einspielung

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