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CD-Besprechung

Ludwig August Lebrun
Oboe Concertos Vol. 2

Ludwig August Lebrun<br />Oboe Concertos Vol. 2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 04.03.05

Klassik Heute
Empfehlung

Channel Classics CCS SA 21404

1 CD/SACD stereo/surround • 72min • 2004

„Lebrun ist ein wahrer Künstler auf der Oboe und seine Kompositionen sind besonders feinsinnig und süß wie Nektar. Die ätherische Ausstrahlung seines Genies äußert sich in Allem, wie er spielt und komponiert.“ Zu diesem Urteil kam bereits Christian Friedrich Schubart in seinen Ideen zu einer Ästhetik der Tonkunst, und man ist geneigt, dem Kritiker des späten 18. Jahrhunderts zuzustimmen. Als Sohn eines Mannheimer Hofoboisten hatte Ludwig August Lebrun (1752–1790) die besten Voraussetzungen, um sein Talent zu entwickeln: Bereits mit zwölf Jahren wurde er in das Hoforchester aufgenommen, und als Zwanzigjähriger gehörte der Oboist bereits zu den Spitzenverdienern des Ensembles, ein Ansehen, das Lebrun auf Konzertreisen nach Paris, London und Berlin noch ausbauen konnte. 15 Bläserkonzerte sind von ihm überliefert, vorzugsweise für Oboe, alternativ aber oft auch mit Flöte zu besetzen. Sie zeichnen sich allesamt durch eine gründliche Arbeit aus, die leeres Passagenwerk vermeidet und die virtuosen Anforderungen immer in den Dienst der Phantasie stellt. Mit einer bestechenden Leichtigkeit scheint Lebrun die bisherigen Grenzen zu sprengen: Er nötigt der Oboe in der Höhe zwei zusätzliche Töne ab und nimmt in der Konzeption langer Phrasen keine Rücksicht mehr auf das Bedürfnis, Atem zu holen. Gewiss ist Lebrun kein Mozart, aber auch für heutige Oboisten, deren Solorepertoire ja in der nachbarocken Literatur sehr beschränkt ist, kann man ihn als beste Alternative zu Mozart ansehen.

Sechs der 15 Konzerte erschienen 1804 posthum in Offenbach. Deren erste Hälfte hatte Bart Schneemann bereits vor vier Jahren vorgestellt (Channel CCS 16198), und nun folgen die anderen drei Konzerte. Obwohl Schneemann sich auch auf historischen Instrumenten des Barock und der Wiener Klassik einen Namen gemacht hat, spielt er hier auf einer modernen Oboe, vermutlich um auch in den technischen „Grenzbereichen“ ein Höchstmaß an Tonqualität, Homogenität und Gesanglichkeit zu erzielen. Das Ergebnis ist jedenfalls rundum überzeugend: Elegant schwingt der Solist sich durch alle Lagen, punktgenau differenziert er seine Artikulation und Phrasierung, auf sehr ansprechende Weise verleiht er den Melodien eine innige Expressivität. Das Niederländische Radio-Kammerorchester begleitet unter Leitung von Jan Willem de Vriend mit derselben Liebe zum Detail und zeigt einmal mehr, daß eine sinnvolle Interpretation von Musik des 18. Jahrhundert erst in zweiter Linie eine Frage des Instrumentariums zu sein braucht, wenn der Sinn der Musik richtig erfaßt ist.

Als Zugabe bietet diese SACD eine Rekonstruktion des Mittelsatzes von Beethovens verschollenem Oboenkonzert, das um 1790 in Bonn uraufgeführt wurde. Vermutlich wurde die Solopartie damals von einem reisenden Virtuosen gespielt. Bart Schneemanns Überlegung, ob dies Ludwig August Lebrun gewesen sein könnte, ist natürlich reine Spekulation – angesichts der Qualität und des Charmes von Lebruns eigenen Konzerten aber eine überaus reizvolle.

Theodor Schliehen [04.03.2005]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 L.A. Lebrun Konzert Nr. 3 C-Dur für Oboe und Orchester
2 Konzert Nr. 6 F-Dur für Oboe und Orchester
3 Konzert Nr. 5 C-Dur für Oboe und Orchester
4 L.v. Beethoven Konzert F-Dur Hess 12 für Oboe und Orchester

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Bart Schneemann Oboe
Radio Chamber Orchestra Orchester
Jan Willem de Vriend Dirigent
 
CCS SA 21404;0072338521404

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