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CD-Besprechung

hänssler CLASSIC 98.448

1 CD • 77min • 1996

19.05.2004

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Seit 1820 Niccolò Paganinis Opus 1 veröffentlicht wurde, hat sich die Violinwelt maßgeblich verändert. Die 24 „Übungsstücke“ – so die ursprüngliche Bedeutung von Capriccio – wurden zum Synonym eines Violinspiels, in dem die wohlkalkulierte „Verzauberung“ des Publikums durch offen zur Schau gestellte Virtuosität den Gehalt an musikalischer Substanz klar übertraf. Die geballte Ladung an Doppelgriffen, Flageoletts oder Hochgeschwindigkeits-Läufen hat mit der Zeit jedoch viel von ihrer Kraft verloren, denn inzwischen sind die technischen Raffinessen Alltagsgut geworden und kaum ein Werk der Romantik oder Moderne kommt ohne die eine oder andere Zutat aus Paganinis Hexenküche aus. Von der dämonischen Energie, die manche Zeitgenossen zu dem Glauben hinriss, Paganini sei mit dem Teufel im Bund oder spiele auf den Gedärmen seiner ermordeten Geliebten, ist nur mehr ein Schatten übrig.

Ist es also sinnvoll, diese Stücke auf CD zu bannen, umso mehr, als ein wesentliches Element, nämlich die optische Zurschaustellung der Virtuosität, fehlt?

Rudolf Koelman geht auf seiner am 1. und 8. Juni 1996 live in Zürich aufgenommenen Interpretation den wohl einzig gangbaren Weg, diese Werke heute noch glaubhaft zu interpretieren. Er stellt sie als Dokumente ihrer Entstehungszeit vor. Sein Spiel ist auch in heikelsten Passagen sauber und hochpräzise, lediglich bei einigen Doppelgriffen sind die gewaltigen Schwierigkeiten dieser Musik zu erahnen. Vor einer klinischen, im Grunde genommen langweiligen Präsentation schützt ihn jedoch das für mich zentrale Element dieser Aufnahme: sein enorm kraftvoller, zupackender und in hohen Lagen regelrecht schneidender Ton. Koelman, der auf einer 1829 gefertigten Violine von J. F. Pressenda spielt, lässt die Energie dieser Musik wie aus einer Saftpresse hervorquellen, hochkonzentriert, flüssig und gehaltvoll.

Die Aufnahmequalität ist hervorragend, die Violine scheint in aller Klarheit im Hörraum präsent zu sein. Lediglich einige Publikumsgeräusche vermitteln die Atmosphäre eines Live-Konzertes.

Robert Spoula [19.05.2004]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Niccolò Paganini
124 Capricen op. 1 für Violine solo

Interpreten der Einspielung

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