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CD-Besprechung

Hungaroton HCD 32148

1 CD • 58min • 2003

19.03.2004

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6
Klangqualität:
Klangqualität: 5
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 6

Ernö Dohnányi teilt das Schicksal vieler in Hinblick auf ihre künstlerische Ader zu spät Geborene. Der 1877 geborene ungarische Komponist, dem das kompositorische Handwerk regelrecht in die Wiege gelegt worden war, wurde zum Opfer eines Verständnisses von Musikgeschichte, welches das Festhalten an „gültigen“ Prinzipen in Zeiten des Umbruchs gnadenlos als epigonal abstraft. Während Dohnányi erst 18-jährig sein Klavierquintett op. 1 schrieb, bahnte sich in Wien eine musikalische Revolution an, die Dohnányi weder mitmachen konnte noch wollte. Seine Ästhetik orientiert sich ganz an Brahms’ Form der entwickelnden Variation, einer zu Dohnányis Lebzeiten aussterbenden musikalischen Sprache.

Die vorliegende CD konzentriert sich fast gänzlich auf Dohnányis Jugendkompositionen – wobei Jugend hier einen sehr relativen Begriff darstellt. Denn nicht nur, dass das zwischen 1891 und 1893 komponierte Klavierquartett in fis-Moll handwerklich professionell gearbeitet ist, es atmet auch einen Ernst, den man bei einem erst 14-jährigen Komponisten mit Verwunderung zur Kenntnis nimmt. Verstärkt wird dieser ernste, fast schwermütige Charakter durch die weit ausholende, sich an der Fülle der Musik berauschende Interpretation. Das Auer Quartett und István Kassai am Klavier spielen Dohnányis Jugendwerk mit viel Leidenschaft und Pathos, aber auch Sentimentalität und stellenweise verstaubt klingender Muffigkeit.

In Dohnányis op. 1, seinem Klavierquintett in c-Moll, setzt sich diese Richtung fort. Wie beim Klavierquartett dominieren auch hier ein vollgriffiger, schwerer Klaviersatz sowie eine sich leidenschaftlich vorwärts bewegende thematische Arbeit.

Klanglich wie aufnahmetechnisch betrachtet, wird diese Musik jedoch in ein zu dickes Gewand gekleidet. Das zwar orchestral füllige, aber wenig transparente Klangbild verdeckt so manches Detail und verstärkt so den Eindruck einer durch sich selbst zugedeckten Musik.

Ergänzt werden die beiden viersätzigen Werke von einem Kuriosum, einem (wohl unfreiwillig) gnadenlos realistischen Hochzeitsmarsch, der mehr Zweifel als Zuversicht und Freude ausstrahlt. Die Musik pendelt unruhig zwischen vorwärts stürmender Marschcharakteristik und innerer (Un)ruhe. Wer sich diesem Marsch zur Hochzeit wünscht, hat die Scheidung wohl schon einkalkuliert.

Robert Spoula [19.03.2004]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ernst von Dohnányi
1Klavierquartett fis-Moll (1891/1893)
2Hochzeitsmarsch für Klavier und Streichquartett (1910)
3Klavierquintett c-Moll op. 1

Interpreten der Einspielung

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