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CD-Besprechung

Sony Classical S2K 89927

2 CD • 1h 32min • 2000

12.06.2003

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Eine „Wasser“-Passion? Das kann dabei herauskommen, wenn man eine aktuelle, internationale (=englisch-sprachige) Passionsmusik zum 250. Todesjahr von Johann Sebastian Bach bei dem chinesischen Star-Komponisten Tan Dun in Auftrag gibt – ein hoch komplexes, zugleich intimes Werk, das einen überkonfessionellen Brückenschlag von Orient und Okzident darstellt und nachdrücklich für den Dialog der Kulturen plädiert. Der Komponist sagte selbst, sein Werk sei dadurch inspiriert worden, daß das Wasser als Metapher in allen Kulturen eine essentielle Rolle spielt (Taufe, Werden des Lebens, Wirkkraft des Lebendigen, Ausdruck von Allgegenwart, Symbol des Unbewußten etc). Vielleicht dachte er einfach auch: Wenn Händel schon eine „Wasser-Musik“ komponierte, warum dann nicht mal eine „Wasser-Passion“? Herausgekommen ist dabei jedenfalls eine faszinierende, 90minütige Komposition in zwei Teilen.

Das von einem im Booklet namentlich nicht genannten Autor zusammengestellte Libretto folgt den Worten des Passionsberichtes nach Matthäus in einer auf das Wesentliche beschränkten, um Gedanken des Komponisten erweiterten Adaption. Tan Dun kommt mit wenigen Stimmen aus – einem Kammerchor, Sopran- und Bass-Solo, einer Violine, einem Cello und drei Schlagzeugern, angereichert nur durch elektronische Sampler und moderne Tontechnik. Doch die Partitur hat es in sich: Das „Water Orchestra“ beinhaltet knapp 40 verschiedene, exotische „Wasser“-Instrumente, zum Teil illuminierte Schalen und Becken; die wenigstens 24 Chorsänger müssen nebenher auch „Wasser“, „Steine“, Tibetanische Fingerglocken und Donnerbleche „spielen“. Von den Gesangssolisten wird nicht nur Obertongesang verlangt; sie müssen auch eine alt-chinesische Porzellanflöte blasen. Die Aufführenden sind auf der Bühne durch 17 transparente, leuchtende Wasserschalen in Kreuz-Anordnung voneinander abgesetzt.

Das Passionsgeschehen durchläuft acht Szenen. Hervorstechendes Merkmal sind lautmalerische Momente, die sich dem Hörer emotional unmittelbar mitteilen. Gebrochen wird die Dramatik der Handlung immer wieder durch volksmusikalische Elemente, die eine Hommage an Bachs Choräle darstellen. Tan Dun führte sein Wasser-Ensemble in größter Geschlossenheit und höchstem künstlerischen Einsatz durch die hier mitgeschnittene Aufführung aus der Stuttgarter Liederhalle vom September 2000. Tan Dun hat hier ein Milleniums-Gesamtkunstwerk geschaffen, das packend und konzentriert jenes an sich christlich beengte Passionsgeschehen in ein allumfassendes Plädoyer für Mitmenschlichkeit und Liebe erhebt: Musik, die in jeder Minute unter die Haut geht und live aufgeführt einen vielleicht noch überwältigenderen Eindruck als von dieser CD hinterläßt. Der von Puristen oft mißbilligte Brauch, den Schluß-Applaus mit auf Tonträger zu bannen, hat ebenfalls eine gewisse Stringenz: Wie ein alles reinigender Regen klingt das hier. Produzent der CD ist übrigens einer der angesehensten deutschen Tonmeister, Andreas Priemer. Sein Team hat hier eine exzellente Aufnahme in atemberaubender Räumlichkeit, Plastizität und Durchhörbarkeit vorgelegt.

Dr. Benjamin G. Cohrs [12.06.2003]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Tan Dun
1Water Passion after Saint Matthew (Baptism, Temptations, Last Supper, Water Cadenza, In the Garden of Gethsemane, Stone Song, Give us Barabbas!, Death and Earthquake, Water and Resurrection)

Interpreten der Einspielung

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06.07.2007
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