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CD-Besprechung

Giovanni Pacini: Carlo di Borgogna

Opera Rara 3 CD ORC21

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 5

Klangqualität:
Klangqualität: 5

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 5

Besprechung: 13.06.02

Opera Rara ORC21

3 CD • 3h 04min • 2001

"Opera rarissima" – das wäre die richtige Bezeichnung für diese Neuerscheinung. Normalerweise hat man es bei Opernausgrabungen mit Werken zu tun, die zumindest irgendwann einmal Effekt gemacht haben, doch bei Giovanni Pacinis dreiaktiger Oper aus dem Jahr 1835 handelt es sich um eine reguläre Totgeburt. Carlo di Borgogna erlebte trotz glanzvoller Besetzung mit Belcanto-Sternen wie Henriette Méric-Lalande, Giuditta Grisi und Domenico Donzellli ein Fiasko und versank danach für die kommenden Zeiten in totale Vergessenheit. Nun ist ja bekannt, daß ein Premieren-Mißerfolg nichts über den Wert einer Oper aussagen muß und oft genug hat sich in späterer Zeit die Rehabilitation auf glänzende Art eingestellt. Ob es bei Pacinis Oper, die das Leben, Lieben und Sterben des Burgunderherzogs Karl des Kühnen zum Thema hat, nach mehr als anderthalb Jahrhunderten zu einer solchen Rehabilitation kommt, muß angezweifelt werden.

Das liegt zum Teil an Gaetano Rossis Libretto, das alle nur vorstellbaren Kruditäten und Unwahrscheinlichkeiten aus der untersten Operntext-Schublade aufhäuft. Aber auch Pacinis Musik vermag nicht richtig zu fesseln, sie klingt schematisch, wie nach Bausteinmethode fabriziert. Die Ähnlichkeit mit den Werken seines Zeitgenossen Donizetti ist unüberhörbar, nur steht der Vielschreiber Pacini (etw 90 Opern) an melodischer Erfindungsgabe weit hinter dem Maestro aus Bergamo zurück. Der Eindruck, den die Aufnahme vor allem vermittelt ist jener einer puren Virtuosenoper, in der die Stimmen sich bei jeder günstigen Gelegenheit in die höchsten Höhen emporranken. Wobei der Verdacht nicht unterdrückt werden kann, daß in diesem Punkt nicht unwesentlich „nachgeholfen“ wurde. Hat Pacini diese vokalen Luftsprünge und Purzelbäume, wie sie der Tenor Bruce Ford so siegessicher serviert, wirklich in seine Partitur hineingeschrieben? Wahrscheinlich bleibt eher, daß unsere Kehlen-Artisten bei diesem unbekannten Stück sozusagen auf eigene Faust ihre Bravourkünste vorführen. Nicht alle können das so gut wie Bruce Ford, dessen stimmliche Jongleur-Akte wirklich erstaunlich sind und dessen Vorträge den eigentlichen Trumpf der Aufnahme darstellen. Die Damen Elizabeth Futral und Jennifer Lamore bemühen sich zwar, mit diesen Extratouren Schritt zu halten, doch bei ihnen macht sich gelegentlich Anstrengung bemerkbar.

Die musikalische Leitung liegt bei David Parry, dem es wohl in erster Linie anzulasten ist, daß die Academy of St. Martin in the Fields so grob, so knallig und wild dreinschlagend musiziert. Von dieser ruppigen Seite konnte man das geschätzte Ensemble kaum jemals kennenlernen.

Clemens Höslinger [13.06.2002]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 G. Pacini Carlo di Borgogna

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Bruce Ford Carlo, Herzog von Burgund
Elizabeth Futral Leonora di Jork, seine Verlobte
Roberto Frontali Arnoldo, Graf von Ivrj
Jennifer Larmore Estella, seine Tochter
Helen Williams Amelia, eine Verwandte der Ivrjs
Dominic Natoli Lord Athol, Botschafter von England
Garry Magee Guglielmo d'Erlach, ein Schweizer Ritter
Geoffrey Mitchell Choir Chor
Academy of St. Martin in the Fields Orchester
David Parry Dirigent
 
ORC21;0792938002125

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