Premiere von Korngolds "Violanta" am 25. Januar 2026
David Hermann inszeniert das Werk an der Deutschen Oper Berlin
Die Premiere von Korngolds Violanta unter musikalischer Leitung von Sir Donald Runnicles und in der Regie von David Hermann lfindet am 25. Januar um 18 Uhr in der Deutschen Oper Berlin statt. Die Titelpartie gestaltet die US-amerikanische Sopranistin Laura Wilde, an ihrer Seite der isländische Bariton Ólafur Sigurdarson und der lettische Tenor Mihails Čulpajevs. Die tote Stadt brachte Erich Wolfgang Korngold Weltruhm, doch dass dieser Komponist auch andere großartige Opern verfasst hatte, wurde von der Musikwelt lange Zeit ignoriert.
Jugendoper des 19-jährigen Komponisten
Nach ihrem Sensationserfolg mit Das Wunder der Heliane hebt die Deutsche Oper Berlin nun einen weiteren Schatz aus dem Werk des Wiener Komponisten: den 1916 uraufgeführten Einakter Violanta, die erste Oper, in der Korngold zu seiner unverkennbaren musikalischen Sprache findet. Sinnlich schwelgerische Melodik, dankbare Gesangspartien, eine reiche Palette von suggestiv eingesetzten Klangfarben und Harmonien sowie ein sicheres Gespür für musikalische Dramatik – und all das in nur 75 Minuten. An der Oberfläche eine klassische Dreiecksgeschichte um eine Frau zwischen zwei Männern im Venedig des 15. Jahrhunderts, ist das Werk zugleich durchdrungen von den Entdeckungen der Psychoanalyse: Die Titelheldin wird von einem Konflikt zwischen unterdrücktem Verlangen und Schuldgefühl angetrieben und durchlebt einen kathartischen Prozess der Selbsterkenntnis.
Psychologisierender Ansatz
Diese Perspektive prägt auch die Sichtweise von David Hermann, der mit Violanta seine sechste Regie an der Deutschen Oper Berlin vorlegt. (Bisherige Arbeiten umfassten Das Mädchen mit den Schwefelhölnern, Oresteia und Fidelio.) Der Berliner Regisseur ist bekannt für seinen psychologisierenden Ansatz, der äußere Handlungselemente – wie in diesem Fall den venezianischen Karneval – nicht als bloßes Dekor, sondern als symbolhaften Ausdruck der inneren Verfasstheit der Figuren deutet. Diesem Zweck dienen hier auch zwei kurze Werke, die der Musik von Violanta vorgeschaltet sind: Zu Beginn des Abends erklingen ein kurzes Lautenstück von John Dowland sowie das erste der drei Orchesterstücke Opus 6 von Alban Berg.
Letzte Premiere von Sir Donald Runnicles
Musikalisch liegt die Produktion in den Händen von Sir Donald Runnicles, der mit Violanta seine Auseinandersetzung mit Werken der Wiener Moderne fortsetzt, in deren Rahmen er an der Deutschen Oper Berlin bislang Bergs Wozzeck und Zemlinskys Der Zwerg dirigierte. Violanta wird zugleich die letzte Premiere sein, die Donald Runnicles als Generalmusikdirektor des Hauses leitet, an dessen Spitze er seit 2009 steht.
