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CD-Besprechung

Kairos 0012002KAI

2 CD • 1h 34min • 1999

01.11.2000

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 6

Die kompositorische Beschäftigung mit schon vorhandener Musik, ihre Adaption, Bearbeitung oder Transformation, ist schon Jahrhunderte alt und zu bestimmten Zeiten regelrecht modisch gewesen. Eine solche Mode erleben wir jetzt auch, nicht zufällig im Zeitalter der sogenannten "Postmoderne": der nostalgische, nicht selten ratlose Blick zurück wird dabei oft ideologisch verklärt als Rückgriff auf das damals "Moderne". Eine wirklich substanzvolle "Rekomposition" aber erweist sich erst da, wo sie gerade das Modische, das "Griffige" oder gar "Süffige" vermeidet.

Hans Zender (Jg. 1936) ist ein viel zu ernsthafter und intelligenter Komponist, um in Nostalgie steckenzubleiben. Seine klangliche "Lichtbrechung" der Schubertschen Winterreise durch Dissonanzen, Montagen, Abbrüche, Wiederholungen und gleichsam verschmutzende Geräusche ist ein eindrucksvolles subjektives Bekenntnis über die Epochen hinweg, aber eben deutlich durch unsere Erfahrungen geprägt, und die wunderbar klare und dabei eindringliche und ausdrucksvolle Diktion Christoph Prégardiens, der den zu sentimentalen Hans Peter Blochwitz (in der Vergleichseinspielung) weit hinter sich läßt, tut das ihre zum Rang dieser auch instrumental eindrucksvollen Wiedergabe hinzu.

Das Problem dieser Art "komponierter Interpretation" liegt darin, daß die dem Zuhörer überlassenen imaginären Klangwelten des Schubertschen Originals hier in eine ganz bestimmte Richtung festgelegt werden. Eine mögliche Lesart wird vorgegeben; der Fantasie des Hörers sind damit enge Grenzen gesetzt, die es bei Schubert eben nicht gibt. Es ist wie bei einer Literaturverfilmung: Die cineastischen Leistungen etwa von Die Blechtrommel oder Der Name der Rose sind unbestritten, aber die spezifisch literarische Dimension der Vorlagen von Grass bzw. Ecco können sie nie erreichen, weil sie die imaginäre Bildphantasie, die im Kopf des Lesers abläuft, auf eine einzige Bildfolge kanalisieren. Vergleichbar ist die Problematik bei Zender: Seine Version ist nicht nur ehrenwert, sondern auch kompositorisch in sich stringent, aber der Assoziationsreichtum und der gedankliche Kontext des Originals bleiben letztlich auf der Strecke.

Dr. Hartmut Lück [01.11.2000]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Hans Zender
1Schuberts Winterreise für Tenor und Kleines Orchester (Eine komponierte Interpretation)

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