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CD-Besprechung

Giovanni Pacini: Maria Regina d'Inghilterra

Opera Rara 3 CD ORC 15

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6

Klangqualität:
Klangqualität: 4

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 6

Besprechung: 01.10.98

Opera Rara ORC 15

3 CD • 2h 52min • 1995/96

Zu Lebzeiten galt Giovanni Pacini als erfolgreichster Opernkomponist Italiens neben Rossini und Donizetti. In unserem Jahrhundert müssen sogar die Hauptwerke des einst als „maestro della cabaletta“ Gefeierten neu entdeckt werden. Mag sein, daß Anklänge und Ähnlichkeiten mit der Musik seiner unmittelbaren Konkurrenten die Überlebenskraft seiner mehr als 80 Opern schmälerten. Seine bedeutendste Periode als Komponist hatte der jahrelang zuvor in Lucca als Dirigent wirkende Sizilianer ab 1840 (UA Saffo), nachdem er seinen Stil an gewissen Eigenarten Bellinis orientiert hatte. In diese Zeit fällt auch die 1843 in Palermo uraufgeführte Maria, Regina d’Inghilterra, an der neuerlich – wie schon in Saffo – formale Besonderheiten auffallen, wie die geschickte Verzahnung von Chorpassagen mit Soloszenen zu größeren Einheiten (Arie oder Duett mit Cabaletta). Den kennzeichnend hohen Stellenwert von Tempo- und Dynamikkontrasten übersteigert der zu Rasanz und Knalligkeit neigende Dirigent dieser Studio-Einspielung noch: Die Final-Stretta des 2. Aktes (CD 2/Tr. 12) wird zur gnadenlosen Tour de Force. David Parry achtet auch sorgsam auf klar entschiedene Rhythmik und erzielt mit dem ausgezeichneten Chor und dem von der Tontechnik nicht ideal abgebildeten Orchester gute Präzision. Manchmal gehörten die Solisten etwas mehr in den Vordergrund gerückt, um nicht zugedeckt zu werden.

Das Libretto dieser „lyrischen Tragödie“ stammt von Leopoldo Tarantini, geht aber zurück auf die oft vertonte Vorlage von Victor Hugo. Die betrogene Tudor-Königin tritt erst im zweiten Akt in Erscheinung: Nelly Miricioiu spürt in ihrem Timbre immer wieder Callas-Farben auf, die sie in Gefühls- und Stimmungsschilderungen einbindet. Ihr gut beweglicher, einer regen Dynamik folgender Sopran wird nicht mit besonderem Raffinement präsentiert, aber ausdrucksvoll. Ruhiges Fließen entspricht der Natur dieser Stimme am besten, dramatische Erregung mit Druck auf das Material verträgt sie durchaus, auch in der tiefen Lage des Brustregisters. Solche Ausbrüche bedingen bei Nelly Miricioiu einen nahezu naturalistischen Stimmeinsatz, der ihre stark beteiligte Rollengestaltung betont.

Für die große Partie der Clotilde bringt Mary Plazas einen recht gut beherrschten Sopran mit wenig Klangreiz ins Spiel, der in dramatischen Passagen zur Schärfe neigt (forcierte Spitzentöne), sich aber einer diffizilen Gestaltung geschmeidig anpaßt. Als Schwerenöter zwischen zwei Frauen strapaziert Bruce Ford seinen flexiblen, schlanken Tenor in dramatischen Passagen nicht unerheblich (1/8, Cabaletta des Duettes). Die Tessitura scheint ihm fallweise unbequem, doch kommen die wenigen Spitzentöne sicher (3/10, Cabaletta). Den Ernesto singt ein reizloser, einigermaßen solider Bariton, als Gualtiero bringt Alistair Miles sonore Autorität ein. Ein umfangreiches Beiheft (nur engl.) bietet jene Informationen, die man in Fachlexika (noch) nicht findet. Libretto italienisch/englisch.

Hermann Schönegger [01.10.1998]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 G. Pacini Maria Regina d'Inghilterra
 
ORC 15;0792938001524

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