Anzeige

Teilen auf Facebook RSS-Feed Klassik Heute
Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

CD • SACD • DVD-Audio • DVD Video

Besprechung CD

Piano Heroines

Hensel Wieck Beach Price
Claire Huangci

Alpha Classics 1231

1 CD • 75min • 2025

30.01.2026

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Die amerikanische, mittlerweile in Frankfurt am Main lebende Pianistin Claire Huanci ist diskographisch schon seit Jahren sehr aktiv mit einer breiten Palette von Repertoire quer durch die Epochen und Länder. Auf ihrem neuen Album wendet sich sie sich der Musik von Komponistinnen zu. Ausgewählt hat sie mit Fanny Hensel und Clara Schumann zwei eigentlich schon „klassische“ deutsche Romantikerinnen und mit Amy Beach (1867–1944) sowie Florence Price (1887–1953) zwei US-amerikanische Komponistinnen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dies ergibt ein buntes Programm von rund 20 zumeist knapp gehaltenen Einzel- und Charakterstücken, aufgeteilt in vier „Blöcke“ entsprechend den vier Komponistinnen.

Zarte, milde Farben, trefflich realisiert

Den Anfang macht Fanny Hensel. Ihr 1840 entstandenes Capriccio h-moll ist im Original eigentlich unbetitelt, doch auch mit Blick auf ähnliche Werke ihres Bruders ist der Titel dieses zweigeteilten Stücks stimmig gewählt. Huangci arbeitet die elegische Expressivität und die Polyphonie der langsamen Einleitung mit ihren klagenden, absteigenden Figuren sehr schön und stets sanglich heraus; der folgende quirlig-lebhafte Hauptteil kann als eine Art Scherzo begriffen werden. Es folgenden vier Stücke aus dem Zyklus Das Jahr (1841), hervorzuheben vielleicht ganz besonders der Mai, ein Frühlingslied in beseelten, dabei eher zarten, milden Farben, gelegentlich fast noch mit einem leichten Hauch von Frühjahrskühle, abermals sehr schön realisiert nicht zuletzt durch Huangcis Rubato, das trefflich den Eindruck von sanftem Wiegen und Innehalten vermittelt.

Eine neue Katzenfuge mit prachtvoller Kulmination

Die US-Amerikanerin Amy Beach, schon in ihrer Jugend als pianistisches „Wunderkind“ bekannt geworden, dürfte die nach wie vor am wenigsten bekannte Komponistin dieser Zusammenstellung sein, und dies, obwohl ihre Werke zu Lebzeiten ziemlich umfänglich im Druck erschienen. In der Gesamtbetrachtung ihres Schaffens ist Beach wohl vor allem Miniaturistin, obwohl Werke wie etwa die Gaelic Symphony auch ein bemerkenswertes Talent für größere Formen zeigen. Die Fantasia fugata op. 87 (publ. 1923) hat Beach mit der netten Geschichte umrankt, ihre Katze auf der Tastatur laufen gelassen zu haben, um ein Analogon zu Scarlattis Katzenfuge zu erhalten – mit dem Resultat zweifach fallender Oktaven nebst Vorschlag, aus denen sich eine vollgriffige, improvisatorisch freie Fantasie und sodann eine Fuge entwickelt, die am Ende in eine prachtvolle Kulmination mündet. Viel zurückgenommener der still-elegische, chromatisch geprägte Cradle Song of the Lonely Mother op. 108 (publ. 1924), während sich hinter den Four Sketches op. 15 (publ. 1892) gekonnt gemachte, aparte, auch klanglich reizvolle frühe Miniaturen im romantischen Stil verbergen.

Feine Farben, Nuancen und Register

Clara Schumann war die wohl erste Komponistin der Romantik, deren Musik in größerem Stil wiederentdeckt wurde; tatsächlich erschien ihr Klaviertrio bereits 1952 erstmals auf Schallplatte (bei Fanny Hensel setzte eine analoge Entwicklung erst fast 30 Jahre später ein). Komponiert hat Clara Schumann nur in jüngeren Jahren und nach dem Tod ihres Ehemanns so gut wie überhaupt nicht mehr. Die hier ausgewählten Stücke stammen alle aus der Mitte der 1830er Jahre, faktisch also Jugendwerke, die sich bis zu einem gewissen Grade an Vorbildern virtuoser Klaviermusik orientieren. Der Mittelsatz ihres Klavierkonzerts a-moll op. 7, eine kurze Romanze, ist zunächst für Klavier allein gesetzt, etwas später dann unterstützt durch ein solistisches Cello (hier gespielt von Tristan Cornut), ein kammermusikalisch-intimer Einschub zwischen den umfangreichen Ecksätzen, der auch in diesem Programm seine Wirkung entfaltet. Huangcis im Allgemeinen eher feiner, zurückgenommener Ansatz äußert sich nicht zuletzt darin, dass sie das Marschthema zu Beginn der Scène fantastique op. 5 Nr. 4 eher nicht im Fortissimo begreift (durchaus zum Vorteil der Musik); es sind eher feinere Farben, Nuancen und Register, denen sie besondere Aufmerksamkeit schenkt.

Von romantischen Vorbildern bis hin zum effektvoll-zündenden Abschluss

Das Programm beschließt eine Auswahl von Stücken der afroamerikanischen Komponistin Florence Price, deren Musik dieser Tage einen veritablen Popularitätsschub erlebt. Obwohl es speziell ihre Sinfonien sind, die einige Beachtung finden, halte ich Price nicht unbedingt für eine genuine Sinfonikerin. Von den hier eingespielten Stücken, die allesamt eher aus mittleren bis späteren Jahren stammen, ist die Fantasie nègre Nr. 2 g-moll etwas großformatiger und virtuos angelegt, die übrigen Stücke sind Miniaturen; sehr hübsch und unprätentiös, ein wenig an Griegs Lyrische Stücke erinnernd, die Meditation, während der Waltz of the Spring Maiden zunächst deutlich dem Minutenwalzer nachempfunden ist. Am Ende sorgt der Cotton Dance, zugleich das „modernste“ dieser Stücke mit seinen parallelen Quarten zu Beginn, für einen effektvollen, zündenden Abschluss des Programms mit viel Kolorit. Eine in vielerlei Hinsicht gelungene Veröffentlichung mit einem profund informierenden Begleittext.

Holger Sambale [30.01.2026]

Anzeige

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Fanny Mendelssohn-Hensel
1Capriccio h-Moll H 349 00:01:30
3Februar (Scherzo; aus Das Jahr H 385 - Zwölf Charakterstücke für Klavier) 00:02:39
4Mai (Frühlingslied; aus Das Jahr H 385 - Zwölf Charakterstücke für Klavier) 00:02:39
5Juni (Serenade; aus Das Jahr H 385 - Zwölf Charakterstücke für Klavier) 00:04:41
6September (Am Flusse; aus Das Jahr H 385 - Zwölf Charakterstücke für Klavier) 00:02:38
Amy Beach
7Fantasia Fugata op. 87 00:05:07
9Cradle Song of the Lonely Mother op. 108 00:03:53
10In Autumn op. 15 Nr. 1 00:02:08
11Phantoms op. 15 Nr. 2 00:01:47
12Dreaming op. 15 Nr. 3 00:04:29
13Fireflies op. 15 Nr. 4 00:02:44
Clara Schumann
14Nocturne F-Dur op. 6 Nr. 2 (aus Soirées musicales) 00:03:54
15Boléro op. 5 Nr. 2 00:03:23
16Le Ballet des Revenants op. 5 Nr. 4 (Scène Fantastique) 00:04:08
172. Satz Romanze, Andante ma non troppo con grazia (aus: Konzert a-Moll op. 7 für Klavier und Orchester) 00:03:36
18Polonaise op. 6 Nr. 6 (aus Soirées musicales) 00:03:09
Florence Price
19Fantasie Nègre g-Moll 00:06:20
20Meditation 00:02:12
21Waltz of the Spring Maid 00:03:10
22Your Hands in Mine 00:02:55
23Cotton Dance 00:03:03

Interpreten der Einspielung

Das könnte Sie auch interessieren

26.11.2025
»zur Besprechung«

Serenade, Piano Works by Amy Beach, Agathe Backer Grøndahl, Rebecca Clarke

15.03.2025
»zur Besprechung«

Herstory, A Century of Inspiring Female Composers

17.11.2024
»zur Besprechung«

Claire Huangci, Made In USA

Anzeige

Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Anzeige