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CD-Besprechung

Dvořák

American Quartet • Waltzes
Talich Quartet

la dolce volta LDV 101

1 CD • 63min • 2022

23.11.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Das tschechische Talich-Quartett, benannt nach dem Dirigenten Václav Talich, gegründet von seinem Neffen Jan und seit 1997 mit dessen gleichnamigem Sohn als Primarius, blickt mittlerweile auf eine Historie von etwa 60 Jahren zurück. So hat das Ensemble mit der vorliegenden CD zwar auf dem Papier zum bereits wohl zum dritten Mal Dvořáks berühmtes „Amerikanisches“ Quartett op. 96 eingespielt, da die erste Aufnahme jedoch aus dem Jahre 1976 datiert, spielt faktisch ein auf jeder Position anders besetztes Ensemble, und selbst von der Besetzung des Jahres 2002 ist heute nur noch Jan Talich junior dabei. Ergänzt wird das Programm durch ein Arrangement aller Walzer op. 54 für Streichquartett (Dvořák selbst hatte sich auf Nr. 1 und 4 beschränkt, die übrigen hat der tschechische Geiger Jiří Kabát jüngst für Quartett bearbeitet) sowie durch den Quartettsatz F-Dur B 120, 1881 als Kopfsatz eines Quartetts konzipiert, das aber niemals fortgeführt wurde.

Hohe Spielkultur, frischer, musikantischer Zugang

Insgesamt zeugen die vorliegenden Aufnahmen von hoher, ausgesprochen exakter Spielkultur, einem trotz leichter Dominanz der ersten Violine (was auch mit der prinzipiell sehr guten Klangtechnik zu tun haben mag) homogenen Ensemblespiel und einem grundsätzlich lebhaften, kraftvollen, musikantischen Zugang zu den Werken. Dies zeigt sich etwa gleich im Falle des ersten Walzers im Vergleich mit der Aufnahme des Stamitz-Quartetts, das hier eher die sehnsuchtsvollen, lustvoll-morbiden Tendenzen betont (etwa durch besonderen Fokus auf den Eintrübungen in T. 2 und 4); das Talich-Quartett versteht den Walzer nicht nur wegen des schnelleren Grundtempos irdischer, extrovertierter, frischer. Kabáts Bearbeitungen (am Rande sei bemerkt, dass die Trackliste fälschlicherweise Nr. 1 & 2 als Arrangements Dvořáks selbst identifiziert, im Begleittext ist aber alles korrekt aufgeführt) sind gekonnt, wirkungsvoll und auch in den etwas stärker auf das Klavier zugeschnittenen Walzern stets idiomatisch gesetzt. Im Pianissimo arbeitet Kabát gerne mit Pizzicato-Begleitung, den letzten Walzer transponiert er von Es- nach D-Dur. Das Resultat ist eine sehr reizvolle Suite, der man wünschen darf, auch von anderen Quartetten ins Repertoire genommen zu werden.

Interpretationen mit Sinn für den musikalischen Fluss

Bei der Neuaufnahme des „Amerikanischen“ Quartetts liegt natürlich ein Vergleich mit der Aufnahme des Talich-Quartetts von 1976 nahe. Speziell in den ersten beiden Sätzen geht das „neue“ Talich-Quartett eine ganze Spur forscher (und auch noch etwas präziser, ohne das seinerzeit schon hohe Niveau schmälern zu wollen) an die Musik heran, man vergleiche etwa den sehr prägnant akzentuierten Einsatz der Bratsche gleich zu Beginn oder das schnellere Tempo im langsamen Satz. Gerade der Kopfsatz besticht so durch vollen Ton, Schwung und wunderbar natürlichen melodischen Fluss. Einschränkend könnte man höchstens anmerken, dass dabei die zurückgenommeneren Stellen, also die Bereiche im Pianissimo oder sogar dreifachen Piano, manchmal etwas zu kurz kommen, so etwa beim zweiten Thema oder auch zu Beginn der Reprise, der eine Nuance zarter genommen werden könnte. Ähnlich könnte im zweiten Satz der Unterschied zwischen dem ersten und zweiten Auftreten des Klagelieds in der ersten Violine bzw. Violoncello noch deutlicher hervorgearbeitet werden. Interessanterweise verhält es sich bei den übrigen beiden Sätzen tendenziell umgekehrt, denn hier wirkt die Aufnahme von 1976 etwas extrovertierter, spritziger, vielleicht auch deshalb, weil sie etwas kontrastreicher ist (vgl. etwa die Choralepisode). Bei alledem handelt es sich natürlich um Nuancen, um Differenzierungen auf hohem Niveau, und in der Totalen ist man auch mit der Neuaufnahme sehr gut bedient.

Eine gelungene Veröffentlichung

Mit dem sehr hübschen Quartettsatz F-Dur schließlich, den der Komponist zugunsten seines Streichquartetts Nr. 11 C-Dur aufgab, sind gewissermaßen beide F-Dur-Quartette Dvořáks auf einer CD vereint. Hier dominieren lyrische Töne mit einem fast schon klassizistischen ersten Thema und einer charakteristischen synkopierten Figur, wobei die straffe (aber keineswegs hastige), wiederum eher robuste Gangart des Talich-Quartetts dem tendenziell leicht spannungsarmen Satz ausgesprochen gut bekommt. Der Begleittext ist ausführlich und kompetent, die Präsentation des Albums (typischerweise für das Label La Dolce Volta als kleines Buch gestaltet) ansprechend. Eine gelungene Veröffentlichung.

Holger Sambale [23.11.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Antonín Dvořák
1Walzer A-Dur op. 54 Nr. 1 B 101/1 00:03:29
2Walzer a-Moll op. 54 Nr. 2 B 101/2 00:03:27
3Walzer E-Dur op. 54 Nr. 3 B 101/3 00:03:00
4Walzer Des-Dur op. 54 Nr. 4 B 101/4 00:03:00
5Walzer g-Moll op. 54 Nr. 5 B 101/5 00:03:08
6Walzer F-Dur op. 54 Nr. 6 B 101/6 00:04:14
7Walzer d-Moll op. 54 Nr. 7 B 101/7 00:03:10
8Walzer Es-Dur op. 54 Nr. 8 B 101/8 00:02:52
9Quartettsatz F-Dur B 120 00:09:46
10Streichquartett Nr. 12 F-Dur op. 96 00:26:32

Interpreten der Einspielung

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