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CD-Besprechung

Sounds Familiar

Tabea Debus • Alon Sariel

GWK Records 156

1 CD • 65min • 2021

16.04.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Tabea Debus und Alon Sariel haben für ihr neues Album Kompositionen namhafter Barock-Komponisten und von deren eher unbekannteren Verwandten für Blockflöte und Laute eingerichtet. Als Rahmenerzählung bietet das Booklet ein fiktives Konzert bei Carl Philipp Emanuel Bach im Jahre 1767 in Berlin, somit kurz vor dessen Abreise nach Hamburg, um dort die Stelle Georg Philipp Telemanns zu übernehmen. Hieraus resultiert ein recht buntes Programm mit Werken aus der Zeit von 1700-1750.

Bearbeitungspraxis des Barock

Sicherlich war es im Barock üblich, Werke nach Gusto zu bearbeiten und in veränderter Besetzung aufzuführen. So ist es kein Problem, Musik für Querflöte, Oboe, Musette und Vielle auch auf der Blockflöte zu spielen und tonartlich entsprechend anzupassen. Selbstverständlich gilt dies auch für Werke, deren instrumentale Zuordnung von vornherein unklar ist. Um ein solches Werk handelt es sich bei Johann Sebastian Bachs Suitenfragment BWV 997, das möglicherweise in zeitlicher Nähe zur Matthäus-Passion entstand und als Suite oder Solo per il Cembalo auf zwei Systemen notiert überliefert wurde, jedoch wegen des relativ dünnen Satzes Rätsel aufgibt. Hier ist eine Transposition nach d-Moll und Ausführung auf der Blockflöte durchaus angemessen. Wenn man ein Cembalo als Partnerinstrument verwendet, funktioniert sogar die hier weggelassene dreistimmige Fuge. Bei der Violinpartita in E-Dur, wird dies bereits kritischer, zumal dann, wenn man den einzigen von Bach für Orgel und Orchester bearbeiteten Satz, das Präludium, außer Acht lässt. Heinrich Ignaz Franz von Bibers große Passacaglia aus den Rosenkranz-Sonaten, die das Nonplusultra an solistischer Violin-Virtuosität um 1700 markiert, verliert ihren Sinn in einer Fassung für Voice-Flute und Laute, auch wenn Tabea Debus hier im recht unangenehm zu greifenden b-Moll – ein Instrument in D erfordert das Lesen und Greifen von 3 zusätzliche B‘s – intonationssicher brilliert. Ob der fiktive Hausherr entzückt gewesen wäre, seine Harfen-Sonate um einen Satz gekürzt zu hören, kann man bezweifeln. Bleiben also die Bearbeitungen aus zwei Oboensonaten von Johann Sigismund Weiss (Bruder des berühmten Lautenisten Sylvius Leopold Weiss) und des Biber-Sohnes Carl Heinrich, die durchaus funktionieren.

Originalliteratur ausgereizt?

Gäbe es nicht noch eine Menge an Blockflötenliteratur, die bisher nicht aufgenommen wurde, wären diese Arrangements lässliche Sünden. Allerdings harren sicherlich noch drei Viertel der jeweils ca. 50 Blockflötensonaten von Johann Christian Schickhardt und Jean-Baptiste Loeillet de Gant einer Ersteinspielung. Für diese hätten sich wahrscheinlich in einer brillanten Interpretation neue Liebhaber finden können, zumal das Material komplett in Neudrucken vorliegt. Also warum diese Häppchenparade?

Ordentliche Interpretation

Tabea Debus spielt die von ihr arrangierten Werke tonschön, artikulatorisch elegant (Doppelzungen-Passagen in der Biber-Passacaglia) und durchaus virtuos. Die Phrasierung im Prélude der Bach-Suite ist nicht vollkommen schlüssig; da gibt es ein paar doch recht willkürlich gesetzte Atempausen. Die Sarabande gerät ein wenig zu behäbig. Die Tanzcharaktere in der Violin-Partita könnten etwas schärfer herausgearbeitet sein, indem der erste und dritte Takt einer viertaktigen Phrase eher leicht und auf die ungeraden Takte hin gespielt werden. Lautenist Alon Sariel glänzt in der Weiss-Fantasie und begleitet aufmerksam.

Gegen Booklet-Text und Aufnahmetechnik sind keine Einwände zu erheben.

Fazit: Gut gespieltes Programm, bei dem man sich bezüglich des Inhalts und des willkürlichen Herauslösens von Einzelsätzen fragt, wieso es in dieser Form aufgenommen wurde. Immerhin insofern informativ, dass neben der bekannten Altblockflöte in F auch ein wohlklingender tiefer Sopran in B (Fourth Flute) und ein sonorer Tenor in D (Voice Flute) mit sinnvollen Aufgaben betraut wurden.

Thomas Baack [16.04.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Sebastian Bach
1Partita c-Moll BWV 997 (arr. T. Debus) 00:10:53
Johann Sigismund Weiss
4Sonata Es-Dur (Siciliano) 00:02:18
Sylvius Leopold Weiss
5Fantasia 00:02:51
Johann Sigismund Weiss
6Sonata g-Moll 00:07:25
Carl Philipp Emanuel Bach
9Sonate G-Dur Wq 139 (arr. T. Debus) 00:07:35
Heinrich Ignaz Franz Biber
11Sonata Nr. 6 c-Moll (Passacaglia) 00:05:45
Carl Heinrich Biber
12Sonata per Trombe (Adagio; arr. T. Debus) 00:01:36
13Sonata per due Oboi (Presto; arr. T. Debus) 00:02:32
Heinrich Ignaz Franz Biber
14Rosenkranzsonate C 105, Passacaglia (arr. T. Debus) 00:08:30
Johann Sebastian Bach
15Partita Nr. 3 E-Dur BWV 1006 (arr. A. Sariel) 00:15:18

Interpreten der Einspielung

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