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CD-Besprechung

Dreamlover

Music for Saxophone by Albena Petrovic

Solo Musica SM 394

1 CD • 53min • 2021

31.03.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Der Personalstil von Albena Petrovic ist eigenwillig. Getragen von einem raffinierten, aber nie zum Dogma erhobenen Minimalismus entfalten Töne, Motive und Klänge einen weiten, rezitativischen Atem. Metrische Konstrukte würden den natürlichen Fluss nur einengen. Das alles ist kein Selbstzweck, denn auch in Albena Petrovics rein instrumentalen Stücken will immer etwas zum „Sprechen“ gebracht werden, fast so, als würden die instrumentalen und manchmal auch vokalen Stimmen Theaterdarsteller auf einer weiten imaginären Bühne sein. Auf ihrem neuen Album „Dreamlover“ werden unter solchen Voraussetzungen die klanglichen und expressiven Möglichkeiten von Saxophonen erforscht. Ebenso findet das Klavier auf der imaginären Bühne seinen Platz.

Saxophon und Klavier reiben sich im Concerto for Baritone saxophone meist dissonant und es entwickeln sich neue Gedanken daraus. So weit, bis schließlich der zweite Satz in ein dunkles Lacrimae mündet, was zum aktuellen Zeitkontext beklemmend gut passt. Das Instrument schnalzt, gluckst und spricht, während das Klavier nur durch den Nachhall sämtlicher Saiten subtile Klangräume eröffnet. Das facettenreiches Klanggeschehen lebt auf einer Gratwanderung zwischen repetitiver Struktur und Weiterentwicklung. Möglich ist dies, weil sich hier zwei absolute Könner auf Albenas Petrovics darstellerische Absicht eingeschworen haben: Zum einen der Saxophonist Joan Martí-Frasquier, der sich ebenso wandlungsfähig in diese Klangideen einfühlt wie der sensible Pianist Romain Nosbaum – kaum ein anderer Musiker dürfte schon seit Jahren so nah an der Ideenwelt dieser Komponistin dran sein.

Faszinierende Klangerfahrung

Der Spannungsbogen auf „Dreamlover“ bleibt bis zum letzten Moment abwechslungsreich: Die neueste Komposition Poème Masques beinhaltet eine persönliche Reflexion aktueller Zustände aufgrund diverser literarischer Sujets: Man kann viel hinein interpretieren in diesen Text, der sich um Masken dreht in verschiedenen Ausdeutungen, die aber alle immer etwas mit Distanzierung zu tun haben. Dem expressiven Gesang der Sopranistin Cynthia Knoch steht eine radikale Reduktion beim Saxophon gegenüber, die aber ihre Wirkung nicht verfehlt: Oft reicht eine einzige karge Intervallfolge für das kraftvolle Gegengewicht zum Gesang.

Solistisch auf dem Saxophon geht der Weg auf diesem Album weiter, bevor das Finale die „Isolation“ aufbricht: Denn jetzt überwindet das fabelhaft aufspielende Kebyart-Ensemble auch die letzten Berührungsängste zwischen Jazzdiktion und klassischer Kunstmusik. Grundlage ist Albena Petrovics schon im Jahr 2006 komponiertes Quartett Gebet zum Nichterscheinen, in dem das Baritonsaxophon als Solist in das Gesamtensemble integriert ist. Obwohl sie ihr Stück in dieser Phase fertigstellte, wurde es nicht veröffentlicht und erlangte daher nach der Uraufführung nur wenig Bekanntheit. Jetzt, fünfzehn Jahre später, hat sie es dank des Kebyart Ensembles wiederentdeckt. Das lebendig aufblühende Zusammenwirken dieser Saxophon-Stimmen entfaltet auch in Albena Petrovics spezifischer Diktion eine ausgeprägt „jazzige“ Note. Eine faszinierend neue Klangerfahrung ist dieses neue Album allemal.

Stefan Pieper [31.03.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Albena Petrovic Vratchanska
1Concerto for Baritone Saxophone 00:16:26
3Natalia (aus: Poèmes - Masques) 00:03:13
4Commedia dell'arte (aus: Poèmes - Masques) 00:02:54
5Le Favori du Roy (aus: Poèmes - Masques) 00:02:41
6Post mortem (aus: Poèmes - Masques) 00:03:18
7Dreamlover 00:07:31
8Jealousy (aus: Two Pieces for Alto Saxophone) 00:03:25
9Love (aus: Two Pieces for Alto Saxophone) 00:03:02
10Gebet zum Nichterscheinen 00:10:41

Interpreten der Einspielung

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