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CD/SACD stereo/surround-Besprechung

Ombres

Women Composers of La Belle Epoque

BIS 2546

1 CD/SACD stereo/surround • 69min • 2019

22.02.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

In den „besseren Kreisen“ gehörte es in Frankreich des ausgehenden 19. Jahrhunderts, in der so genannten „Belle Époque“, zum guten Ton, dass Frauen eine musikalische Ausbildung erhielten, um in einem gegebenen gesellschaftlichen Rahmen zu glänzen, eine professionelle Ausübung von Musik war dagegen unerwünscht. Nur wenige Talente waren stark genug, sich gegen diese Konventionen durchzusetzen und den Weg aufs Konzertpodium zu finden. Und noch weniger schafften es, sich auch als Komponistinnen durchzusetzen. Neun von ihnen können nun in dem Album „Ombres“ auch für die Nachwelt aus dem „Schatten“ treten. Sie sind für uns überwiegend noch zu entdecken, denn außer Pauline Viardot hat keine einen festen Platz im Konzert-Repertoire gefunden. Cécile Chaminade und Augusta Holmès begegnet man zumindest gelegentlich auf Tonträgern.

Lauter versierte Profis

Alle hatten eine solide Ausbildung bei teilweise sehr prominenten Meistern. Einige waren als Virtuosinnen im Konzertsaal sehr erfolgreich, vor allem die Pianistin Chaminade (1847-1903), die sich zu einem glamourösen Star entwickelte, aber auch Hélène de Faye-Jozin (1871-1942), Gabrielle Ferrari (1851-1921) und die Belgierin Juliette Folville (1870-1946). Mit Ausnahme von Pauline Viardot (1821-1910) spielte die Kunstform des Liedes in ihrem Schaffen nur eine marginale Rolle, und es ist im sonst sehr informativen Booklet des Albums auch nicht zu erfahren, aus welchen Anlässen die hier versammelten Lieder geschrieben wurden. Von Liebe und von Träumen ist in ihnen vor allem die Rede und schon in den vertonten Texten herrscht ein gefälliger Salonton vor. Mélanie Bonis (1858-1937) war am Conservatoire Kommilitonin von Debussy und Gabriel Pierné, hat sich aber erst um die Jahrhundertwende als Komponistin etabliert. Bei Armande de Polignac (1876-1962) und Marguerite Béclard d’Harcourt (1884-1964), Schülerinnen von Vincent d’Indy, sind stilistisch schon die Zeichen einer neuen Zeit zu erkennen.

Auch in der intimen Gattung zuhause

Augusta Holmès (1847-1903), die Lebensgefährtin des Dichters Catulle Mendès, einer Zentralgestalt im Pariser Musikleben der Belle Époque, war Schülerin von César Franck und erregte die Bewunderung von Liszt und Wagner. Als Komponistin bevorzugte sie die großen Formen: Symphonische Dichtungen, Choral-Sinfonien, Oratorien und Opern. Als eines ihrer gelungensten Werke gilt das sinfonische Gedicht Irlande, das auch als eine Hommage an die Heimat ihrer Vorväter verstanden werden will. Wie gut sie sich in einer Männerdomäne durchzusetzen verstand, beweist der regierungsoffizielle Auftrag, zur Centenarfeier der Französischen Revolution eine Odea Triomphale zu schreiben, bei deren Aufführung nicht weniger als 1200 Musiker und Sänger zum Einsatz kamen. Gegenüber dieser Megalomanie überrascht ihr Umgang mit der intimen Liedform: Drei Strophenlieder in volkstümlich einfachen Weisen, zwei davon auf eigene Texte, das letzte – im galanten Stil (À Trianon) – beschwört die Welt des Sonnenkönigs herauf.

Lust auf mehr

Die Filetstücke dieser verdienstvollen Kollektion, die überwiegend Neues bringt und Lust auf mehr macht, sind gleichwohl die Beiträge von Pauline Viardot und Cécile Chaminade. Die große Sängerin und Pädagogin wusste für die Stimme zu schreiben wie kaum jemand sonst nach der Belcanto-Ära und sie war eine bedeutende Mittlerin zwischen den europäischen Kulturen. Zwei Gedichte von Afanasy Fet hat sie in verschiedenen Sprachen herausgebracht. Deux roses etwa, hier in der französischen Fassung, wurde unlängst in der deutschen Version von Miriam Alexandra (Oehms) und im russischen Original von Olena Tokar (Orchid) herausgebracht. Les étoiles, wo zum Klavier ein Cello begleitend hinzutritt, ist ein regelrechter „Hit“ zum Immer-Wieder-Hören. Auf dem gleichen Popularitäts-Niveau sind Chaminades tänzerisch beschwingte Villanelle und ihre Liebeserklärung an die Stadt Nizza, Nice-la-belle. Bei ihr spielt der Klavierpart eine entscheidende Rolle und der auch sonst so versatile Ammiel Bushakevitz hat hier seinen großen Auftritt. Auch die temperamentvolle Sopranistin Laetitia Grimaldi, in Frankreich geboren und zeitweise Schülerin von Teresa Berganza, ist hier in ihrem Element, fühlt sich aber auch in den mehr introvertierten Gesängen zuhause.

Ekkehard Pluta [22.02.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Mélanie Bonis
1Invocation 00:02:42
2Élève-toi mon âme 00:02:50
3Songe 00:03:17
4Un soir 00:02:09
5Ave Maria 00:02:17
Cécile Louise Chaminade
6Villanelle 00:02:20
7L' anneau d'argent 00:01:56
8Nice-la-belle 00:03:08
Armande de Polignac
9Chant d'amour 00:05:08
10Jardin du roi 00:02:46
11Ne me regarde pas 00:03:07
Juliette Folville
12Songe 00:02:21
Pauline Viardot-Garcia
13Les ombres de minuit 00:02:37
14Les deux roses 00:02:46
15Haï luli 00:03:31
16Les étoiles 00:03:21
Marguerite Béclard d'Harcourt
17Le rêve de la vallée 00:02:51
Hélène-Frédérique de Faye-Jozin
18Printemps 00:01:56
Gabrielle Ferrari
19Chanson d'exil 00:04:17
Augusta Holmès
20C'est un oiseau du bois sauvage 00:03:50
21Les lavandières 00:03:36
22À Trianon 00:02:59

Interpreten der Einspielung

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