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CD-Besprechung

Domenico Scarlatti

37 Keyboard Sonatas

cpo 555 473-2

2 CD • 2h 36min • 2020

09.01.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Domenico Scarlatti wurde in dem für die Musikgeschichte so bedeutenden Jahr 1685 geboren, in dem auch J. S. Bach und G. F. Händel das Licht der Welt erblickten. Bedenkt man, mit welcher außerordentlichen Individualität sie ihre jeweilige künstlerische Sendung erfüllten, enthüllt sich das – inzwischen glücklicherweise meist veraltete, aber immer noch nicht ganz überwundene – Vorurteil der Gleichförmigkeit der Musik vor 1750 als pure Polemik im Dienste eines neu entdeckten „schöpferischen Individuums“. Gerade Scarlattis Claviermusik zeigt, dass künstlerische Individualität nicht theoretisch postuliert sein musste, um Realität zu sein. Man denke nur an die hohe stilistische Eigenständigkeit zweier großer Komponisten vor J. S. Bach, die Zeitgenossen waren: Dieterich Buxtehude (1637-1707) und Johann Adam Reincken (1643-1722).

Immenses Œuvre pianistischer Miniaturen,

Mit seinen mehr als 500 Sonaten für Clavier schrieb Domenico Scarlatti Musikgeschichte, schuf er doch ein immenses Œuvre an pianistischen Miniaturen, die in ihrem Charakter alles andere als kleine Charakterstücke sind – sie stellen ein musikalisches Panoptikum dar, das an Glanz, Affekten und Emotionen in der gesamten Klavierliteratur seinesgleichen sucht. Eleganz, Virtuosität und vielfältige Einflüsse aus dem (nicht zuletzt durch die Araber, aber auch durch die Flamenco-Tradition Andalusiens) musikalischen Erbe der iberischen Halbinsel prägen und beleben das pianistische Schaffen von Domenico Scarlatti.

„Leser, seist du nun Laie oder gelehrter Musiker, erwarte in diesen Kompositionen keine tiefgründige Absicht, sondern vielmehr ein sinnreiches Geplänkel mit der Kunst, das dich in kühnem Spiel auf dem Cembalo üben soll“, schreibt Domenico Scarlatti in einem Vorwort zu seinen Cembalo-Sonaten. „Kein persönliches Interesse, kein ehrgeiziges Ziel hat mich geleitet, sie zu veröffentlichen … Vielleicht werden sie deinen Gefallen finden, und umso lieber werde ich weiteren Aufforderungen folgen, dir mit einem leichteren und mannigfaltigeren Stil gefällig zu sein. Verurteile sie also nicht mit deiner Kritik, und du wirst dein eigenes Vergnügen steigern … Lebe glücklich!“ Das klingt alles sehr verbindlich, wenn sich der geneigte „Laie oder gelehrte Musiker“ allerdings ernsthaft mit diesen Stücken beschäftigte, merkte er, dass er mit clavieristisch höchst anspruchsvoller Musik konfrontiert war, die seine pianistischen Fähigkeiten mit den anspruchsvollsten Techniken („kühnes Spiel“, wie Scarlatti es selbst nennt) seiner Zeit konfrontierten. Scarlatti selbst deutet hier die Vielfalt seines Klavierwerks an, das sich nicht nur an den Traditionen der Musik für Cembalo (und der vielfältigen anderen modernen Clavierinstrumente auf dem Weg zum heutigen Flügel, die am Hof von Maria Barbara de Bragança präsent waren) orientiert, sondern auch von mannigfachen Beeinflussungen durch iberische volksmusikalische Traditionen, die ihm in seiner späteren Heimat in Portugal und Spanien vermittelt wurden. Dort wirkte er als Klavierlehrer der portugiesischen Prinzessin Maria Barbara de Bragança, der auch später als Königin von Spanien nicht auf seine Dienste verzichten mochte.

Klavier-Œuvre in all seinen Ausdrucksnuancen

Auf dieser Doppel-CD bietet Michael Korstick 37 Klaviersonaten Domenico Scarlattis, von denen 32 einer Veröffentlichung, in die der Henle-Musikverlag als eine ,Best of Scarlatti’-Sammlung der 555 überlieferten Scarlatti-Sonaten kompiliert hat, entnommen sind. Sie wurden mit einer Alternativversion und vier besonders beliebten Sonaten zu diesem Programm vereint. Somit wollen diese zwei CDs einen Überblick über das Klavierschaffen Domenico Scarlattis liefern, die sein gesamtes Œuvre in nuce gewissermaßen als clavieristische Kurzbiographie in all ihren Schattierungen, vom virtuosen Feuerwerk bis zum innig erfühlten Genrebild präsentieren.

Korstick zeigt sich hier als Meisterpianist, als der er sich mittlerweile in vielen gelungenen Einspielungen auf CD in einem breiten Repertoire etablieren konnte: Virtuosität und Einfühlung, die einer Verortung der von ihm interpretierten Werke in ihren zeitgenössischen Zusammenhang bestens entsprechen, verbinden sich mit persönlich erfühlter kultureller Durchdringung der Musik und der Verbindung zu seinem Instrument, dem modernen Konzertflügel, in idealer Weise.

Detmar Huchting [09.01.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Domenico Scarlatti
1Sonate E-Dur K 380 00:05:37
2Sonate d-Moll K 9 00:03:01
3Sonate d-Moll K 1 00:02:02
4Sonate g-Moll K 8 00:03:48
5Sonate g-Moll K 8 (Alternative Version) 00:03:30
6Sonate c-Moll K 11 00:02:33
7Sonate E-Dur K 20 00:02:48
8Sonate h-Moll K 27 00:03:57
9Sonate D-Dur K 29 00:04:34
10Sonate d-Moll K 32 00:02:30
11Sonate D-Dur K 33 00:03:01
12Sonate h-Moll K 87 00:06:28
13Sonate A-Dur K 113 00:03:47
14Sonate D-Dur K 118 00:04:52
15Sonate D-Dur K 119 00:04:55
16Sonate C-Dur K 132 00:07:24
17Sonate E-Dur K 135 00:04:17
18Sonate G-Dur K 146 00:02:50
19Sonate E-Dur K 162 00:05:15
CD/SACD 2
1Sonate A-Dur K 208 00:03:47
2Sonate f-Moll K 239 00:02:57
3Sonate cis-Moll K 247 00:07:18
4Sonate A-Dur K 322 00:03:18
5Sonate G-Dur K 427 00:02:08
6Sonate g-Moll K 450 00:03:17
7Sonate G-Dur K 454 00:04:44
8Sonate C-Dur K 460 00:06:30
9Sonate f-Moll K 466 00:07:50
10Sonate f-Moll K 481 00:07:05
11Sonate D-Dur K 491 00:04:51
12Sonate D-Dur K 492 00:03:46
13Sonate C-Dur K 502 00:04:06
14Sonate C-Dur K 514 00:03:49
15Sonate E-Dur K 531 00:03:42
16Sonate a-Moll K 532 00:03:12
17Sonate C-Dur K 159 00:02:17
18Sonate d-Moll K 141 00:03:34

Interpreten der Einspielung

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