Anzeige

Teilen auf Facebook RSS-Feed Klassik Heute
Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

CD • SACD • DVD-Audio • DVD Video

CD/SACD stereo/surround-Besprechung

Crossroads

American Violin Sonatas by Previn • Schemmer • Gay

BIS 2545

1 CD/SACD stereo/surround • 71min • 2018

15.01.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Neben der Anne-Sophie Mutter gewidmeten 2. Violinsonate des musikalischen Tausendsassas André Previn (1929-2019) stellt die „Crossroads‟ betitelte CD der beiden, in Odessa aufgewachsenen Musiker Aleksey Semenenko und Artem Belogurov Werke zweier weiterer US-Komponisten vor, die für die meisten Hörer – den Rezensenten eingeschlossen – Neuland darstellen dürften. Für alle drei gilt, dass sie sich immer im Jazz wie in der klassischen Musik gleichermaßen zuhause gefühlt haben. Umso beeindruckender, wie in den eingespielten Violinsonaten beide Welten bruchlos zueinander finden.

André Previns Sonate für Anne-Sophie Mutter

Previns dreisätzige Sonate nach eher klassischem Schema wurde 2011 Anne-Sophie Mutter – dann bereits Ex-Frau des Dirigenten und Komponisten – quasi auf den Leib geschrieben. Auf ihrer eigenen Aufnahme mit Lambert Orkis geht sie das Stück auch in der für sie typisch beherzten Art mit einer gewissen Verve an. Obwohl die Jazz-Einflüsse hier deutlich geringer sind als in den Werken Schemmers und Gays, ignoriert Mutter dies geradezu, glänzt mit klassisch-schwärmerischem Ton – und spielt dabei, wie so oft, ihren unerträglich langweiligen Klavierpartner, der kaum mehr als korrekte Noten abliefert, geradezu an die Wand. Aleksey Semenenko gestaltet das Stück eine Spur verhaltener, technisch nicht weniger brillant und klangschön; aber Artem Belogurov am Klavier erweist sich gegenüber Orkis als haushoch überlegen. Die Spielzeiten für die einzelnen Sätze gleichen fast auf die Sekunde denen von Mutter/Orkis. Belogurovs Spiel ist immer engagierter, klanglich von reicherer Empfindung, mit intelligentem Pedalgebrauch; so spürt man die Jazz-Elemente – etwa die Riffs im Kopfsatz – als Impulsgeber für die Geige. Und der rasche Mittelteil des zweiten Satzes (Fast, like shadows) lässt es dem Zuhörer wirklich kalt den Rücken hinunterlaufen: in der Summe die eindeutig bessere Darbietung.

Tony Schemmers genialer Cocktail

Viel stärker als Previn verbindet der aus New York stammende Tony Schemmer (geb. 1946) in seinem Gattungsbeitrag (ebenfalls von 2011, jedoch auf ein dreißig Jahre älteres Konzept einer Oboensonate zurückgreifend) amerikanische Pop- und Jazz-Idiome mit strengen, gerade im Finale enorm einfallsreichen, klassischen Kontrapunkttechniken. „Drei Teile Richard Strauss, zwei Teile Prokofjew […]; ein Teil Oscar Peterson; dazu ein Schuss Victor Borge. Schütteln, bis es schäumt.“ So beschreibt Schemmer selbst seinen Stil, und: Ja, es schäumt! Sehr bluesmäßig kommen in der Violine Schlüsselintervalle als Portamento zur Geltung. Die bald halbstündige, viersätzige Sonate – der 3. Satz eine Hommage an Django Reinhardt – strotzt nur so von Vielschichtigkeit und Raffinesse. Semenenko und Belogurov sind hier in ihrem Element, nehmen den Hörer von der ersten bis zur letzten Sekunde gefangen; eine grandios einfühlsame Interpretation eines erstklassigen Stücks.

Schlicht, jedoch mit emotionalem Tiefgang

Gemessen daran, wirkt Paul Gays (geb. 1936) Sonate von 1984 viel schlichter, orientiert sich mehr an Jazz-Einflüssen, wie man sie bereits im ausgehenden Impressionismus und dann im Neoklassizismus etwa eines Igor Strawinsky finden könnte. Der Satz ist weniger dicht, die virtuose Geste gerät in den Hintergrund. Aber die phantastische, immer sinnhafte Melodik Gays fasziniert in einer Weise, die absolut staunenswert ist. So überzeugt das dritte Werk der CD mit nochmals gesteigertem emotionalem Tiefgang – was für eine hinreißend wirkungsvolle Violinsonate mit einem berückend schönen, ausladenden Finale! Die beiden Künstler, deren Namen man sich nun merken sollte, haben bei allen Stücken den perfekten Zugang zu dieser zwei Welten verbindenden Musik, die sich kennenzulernen lohnt. Gewohnt tadellose BIS-Aufnahmetechnik und ein sorgfältiges, ausführliches Booklet machen das Album ohne Einschränkung empfehlenswert und zu einer echten Entdeckung.

Vergleichseinspielung: [Previn] Anne-Sophie Mutter, Lambert Orkis (2014, DG 028947929499).

Martin Blaumeiser [15.01.2022]

Anzeige

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
André Previn
1Sonate Nr. 2 für Violine und Klavier 00:18:55
Tony Schemmer
4Sonate für Violine und Klavier 00:27:13
Paul Gay
8Sonate für Violine und Klavier 00:24:12

Interpreten der Einspielung

Vorherige ⬌ nächste Rezension

19.01.2022
»zur Besprechung«

Elogio de la Guitarra, Krzysztof Meisinger plays works by Castelnuovo-Tedesco, Llobet, Piazzolla, Rodrigo
Elogio de la Guitarra Krzysztof Meisinger plays works by Castelnuovo-Tedesco, Llobet, Piazzolla, Rodrigo

13.01.2022
»zur Besprechung«

Aprés un Rêve, Music for Violin and Piano
Après un Rêve Music for Violin and Piano

Das könnte Sie auch interessieren

14.02.2018
»zur Besprechung«

Aleksey Semenenko, Romantic Brilliant Imaginative / Ars Produktion
Aleksey Semenenko, Romantic Brilliant Imaginative / Ars Produktion

30.03.2017
»zur Besprechung«

French Treasures, Aleksey Semenenko / Ars Produktion
French Treasures, Aleksey Semenenko / Ars Produktion

Anzeige

Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Anzeige