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CD-Besprechung

Steffen Wolf

Der Vogelsang

TYXart TXA1159

1 CD • 47min • 2018

21.09.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Christoph Martin Wielands Versdichtung „Der Vogelsang oder die drey Lehren“ aus dem Jahre 1778 ist eine Art Lehrstück rund um einen kleinen Vogel, der in einem Garten eines ebenso reichen wie törichten und gefühlsarmen Mannes namens Hans zu singen pflegt, bis dieser ihn eines Tagen einfängt, um ihn zu verkaufen. Erst als der Vogel ihm drei Lehren in Aussicht stellt, lässt Hans ihn wieder frei, doch die Lehren erweisen sich als Banalitäten, denen der Vogel obendrein den Hinweis beifügt, in seinem Magen befände sich ein magischer Stein. Zunächst rasend vor Wut, wird Hans schließlich vom Vogel vor Augen geführt, dass er, indem er der – offensichtlich unwahren – Geschichte vom Stein Glauben geschenkt hat, gegen alle drei vermeintlich trivialen Lehren verstoßen hat. Am Ende fliegt der Vogel davon, und der Garten verdorrt.

Rezitationsmusik mit Wielands Dichtung im Zentrum

Diese Geschichte hat der in Hamburg wirkende Komponist Steffen Wolf, geboren 1971, in den Jahren 2015/16 als eine „Rezitationsmusik“ für Sprecher und Streichquartett vertont. In der vorliegenden Aufnahme spielt das aus Mitgliedern des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg bestehende Kizuno-Quartett, die Rezitation übernimmt Jan Philipp Reemtsma, der nicht zuletzt ein Experte für Christoph Martin Wieland ist. Bereits im Beiheft wird darauf hingewiesen, dass Wielands Text nicht nur Unterbau für das Streichquartett ist, sondern der Part des Rezitators direkt in die Komposition eingebunden ist. Ich würde sogar noch weitergehen: Wielands Text bildet eindeutig das Zentrum dieses Werks, bei dem es sich im Zweifel eher um Rezitation mit Musik als umgekehrt handelt.

Kommentar und Illustration

Tatsächlich ist der Part der Streichquartetts eher stützender, kommentierender und begleitender Natur. Ganz am Anfang steht ein rund fünfminütiges Vorspiel, eine Art Ouvertüre, deren Motiven man später wiederbegegnet, und am Ende steht ein kürzeres, resümierendes Nachspiel. Dazwischen sind Passagen, in denen das Streichquartett kontinuierlich und im Sinne eines musikalischen Flusses zum Einsatz kommt, eher selten; gelegentlich gibt es kürzere Zwischenspiele, die im Einzelfall rund zwei Minuten (eher aber kürzer) dauern können. Gleichzeitig werden in jedem der sieben Tracks mit Rezitation (der erste ist dem Quartettvorspiel vorbehalten) immer wieder längere Textpassagen unbegleitet vorgetragen oder aber lediglich durch einzelne Akkorde oder kurze Motive gestützt, etwa nach jedem Vers wie in Teilen des Lieds des Vogels in Track 4. Wolfs Musik ist dabei unmittelbar zugänglich, (bewusst) schlicht gehalten; meist tonal, tendenziell eher getragen, dezent und sparsam aufgetragen, nicht selten ein- oder zweistimmig. Sie illustriert den Text, ahmt den Gesang des Vogels nach (Solovioline gleich zu Beginn des Vorspiels), verstärkt Emotionen (Lachen teils im Pizzicato, Schimpfen durch dissonante Akkordik, fahle Akkordfolgen zur zweimaligen Illustration des verdorrenden Gartens).

Besonderes Konzept

Man sollte sich diese CD also eher als eine Art Hörbuch (von Jan Philipp Reemtsma im Übrigen sehr angenehm vorgetragen) mit erweitertem Musikanteil vorstellen. Insofern ist es nicht ganz einfach, sie im Rahmen dieser Rezension als klassisches Musikstück zu bewerten, denn dazu ist die Musik im Grunde genommen fast zu funktional geprägt, auch im – ja eigentlich naheliegenden – Vergleich zu diversen Melodramen. Akzeptiert man das Konzept (speziell aus der Perspektive eines Musikfreunds), dann wird man an der CD seine Freude haben können. Interessanterweise hat Steffen Wolf über das gleiche Sujet u.a. noch eine Kammeroper komponiert, und die Vermutung liegt natürlich nahe, dass es sich dabei sozusagen um die „Musikversion“ dieses Werks handeln könnte. Der Klang der CD ist eher trocken und in den höheren Lagen tendenziell etwas spitz, das Kizuno-Quartett liefert eine solide Darbietung.

Holger Sambale [21.09.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Steffen Wolf
1Der Vogelsang für Sprecher und Streichquartett (Rezitationsmusik zu Christoph Martin Wielands Versdichtung Der Vogelsang oder Die drey Lehren) 00:41:56

Interpreten der Einspielung

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