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CD-Besprechung

History of the Russian Piano Trio • 3

Naxos 8.574114

1 CD • 69min • 2018

30.05.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

In Folge 3 seiner Anthologie zur Geschichte des russischen Klaviertrios widmet sich das Moskauer Brahms-Trio der Musik des „Mächtigen Häufleins“. Im Großen und Ganzen schenkte der Petersburger Novatorenkreis der Kammermusik nur nachgeordnete Aufmerksamkeit. Die meisten Werke publizierte César Cui mit drei Streichquartetten, einer Violinsonate und zahlreichen Duo-Miniaturen. Noch intensiver beschäftigten sich Alexander Borodin und Nikolai Rimskij-Korsakow mit kammermusikalischen Gattungen, doch veröffentlichte Borodin lediglich seine beiden Streichquartette, denen er einen guten Teil seines Ruhms verdankt, Rimskij-Korsakow bloß ein frühes Streichquartett und eine Serenade für Violoncello und Klavier.

Beeindruckendes Jugendwerk

Die hier eingespielten Klaviertrios der beiden letztgenannten Komponisten sind nachgelassene Werke. Borodins frühem Trio fehlt der Finalsatz – er blieb unkomponiert oder ging verloren. Man hätte dem Werk einen passenden Abschluss gegönnt, denn was der junge Chemiker, noch bevor er Anschluss an die übrigen Novatoren fand, in den ersten drei Sätzen vorgelegt hat, lässt aufhorchen. Beeinflusst vom Studium des klassischen Sonatenstils, aber ohne sich an bestimmte Vorbilder anzulehnen, schreibt Borodin eine formal hervorragend gestaltete, melodisch und rhythmisch einfallsreiche Musik. Der spätere, betont folkloristische Stil des Komponisten kündigt sich am stärksten in der Romance an, die zugleich von seiner Begabung zeugt, lange Melodiebögen zu schaffen.

Beiseite gelegtes Meisterwerk

Auch das 1897 entstandene Trio Rimskij-Korsakows, seine umfangreichste kammermusikalische Arbeit, gilt als unvollendet. In diesem Fall liegt jedoch ein kompletter Notentext aller vier Sätze vor. Als Vollender wird der Schwiegersohn des Komponisten, Maximilian Steinberg, genannt – übrigens ein sehr fähiger Komponist eigenen Rechts –, doch scheint sich dessen Arbeit auf die Ergänzung von Vortragsanweisungen beschränkt zu haben. Rimskij-Korsakow jedenfalls legte das Werk beiseite, da er nach der Komposition zu der Ansicht gelangt war, „dass Kammermusik nicht mein Gebiet ist“. Warum diese Skepsis? Ich kann an dem Stück nichts finden, das man ihm zum Nachteil anrechnen könnte, denke stattdessen, dass wir es hier mit dem Werk eines Meisters auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft zu tun zu haben und zögere nicht, es zu den großen Leistungen russischer Kammermusik seiner Zeit zu zählen. Es steckt voller eingängiger Melodien und satztechnischer Feinheiten (zahlreiche Imitationen), ist formal tadellos abgerundet und hält für jeden Spieler dankbare Aufgaben bereit. Besonders beeindruckt der Finalsatz, in dessen Durchführung Rimskij-Korsakow mit schier unerschöpflicher Phantasie das derb aufstampfende Hauptthema in ein Fugato, dann in ein ausgedehntes kantables Klaviersolo verwandelt.

Reizvolle Miniatur

César Cui, der als Instrumentalkomponist vorrangig Miniaturist war, hinterließ kein mehrsätziges Klaviertrio. Allerdings bereicherte er die Literatur um ein reizvolles Charakterstück durch die Bearbeitung des Farniente aus seinem Klavierzyklus À Argenteau op. 40. So sehr die heitere Gelassenheit, die das Stück ausstrahlt, seinem Titel alle Ehre macht, so wenig kann man davon sprechen, dass sich der Komponist hier dem musikalischen Nichtstun hingebe; im Gegenteil: Geschickt versteht er es, durch kleine Veränderungen der Motive nahezu das ganze Werkchen aus Akkordbrechungen zu gewinnen.

Alle drei Kompositionen gelangen durch das Brahms-Trio zu trefflichen Darbietungen. Die gewählten Tempi wirken durchweg stimmig, nichts wird zerdehnt, nichts übereilt. Im langsamen Satz des Rimskij-Korsakow-Trios gelingt den Streichern das Rubatospiel etwas weniger souverän als sonst auf der CD. Nirgends jedoch verliert das Ensemble die Großform aus dem Blick und begnügt sich mit einem Aneinanderreihen von Episoden. Der musikalische Verlauf erscheint stets mit Spannung erfüllt, die einzelnen Momente gehen auseinander hervor, reagieren aufeinander. Alles in allem ein lebendiges, beseeltes Musizieren!

Norbert Florian Schuck [30.05.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Nikolai Rimsky-Korssakoff
1Klaviertrio c-Moll (vervollständigt: Maximilian Steinberg 1939) 00:40:48
César Cui
5Far niente D-Dur op. 40 Nr. 2 (Fssg. für Klaviertrio) 00:05:54
Alexander Borodin
6Klaviertrio D-Dur 00:21:55

Interpreten der Einspielung

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