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CD-Besprechung

Cipriani Potter

Symphony No. 1

cpo 555 274-2

1 CD • 59min • 2019

31.05.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Wer war Cipriani Potter? Ich kannte diesen Komponisten bis zum Eintreffen dieser CD als Rezensionsexemplar nicht, obwohl er nach seinen Lebensdaten (1792-1871) einer Epoche angehört, die heute im Repertoire der Orchesterkonzerte ausgesprochen stark vertreten ist. Schon früh als Pianist ausgebildet, schaffte Potter es mit einer Ouvertüre seiner Komposition 1816 – im Alter von 24 Jahren – auf das Podium eines Philharmonischen Konzerts in London. Im folgenden Jahr reiste er nach Wien; dort suchte er einige Male Beethoven auf, der ihn in einem Brief an den Komponistenkollegen Ferdinand Ries (1784-1838) lobend erwähnte: „ … hat Talent zur Komposition“.

Klaviervirtuose und Komponist

1819 war Potter wieder zurück in London und wurde bald als Klaviervirtuose und Komponist eine feste Größe im Musikleben der englischen Hauptstadt – er machte sich besonders für die Musik Mozarts und Beethovens stark, bereitete in seinen späteren Lebensjahren Editionen der Klaviermusik beider Komponisten vor, interessierte sich aber auch für die zeitgenössische Musik des Kontinents – so gab er 1869 die erste Transkription von Brahms Ein deutsches Requiem für zwei Klaviere heraus.

Die vorliegende CD präsentiert eine breite Skala von Potters Orchestermusik: Seine 1826 uraufgeführte 1. Sinfonie in g-Moll, Introduzione e Rondo (alla militaire) in Es-Dur für Klavier und Orchester (1827 entstanden) sowie die Ouvertüre zu Shakespeares Drama Cymbelene, 1836 als eine der letzten Kompositionen Potters geschrieben, denn nach 1837 sind kaum noch Kompositionen aus seiner Feder entstanden.

Die in der durchaus ambitionierten Tonart g-Moll geschriebene erste Sinfonie war zu Potters Lebzeiten seine populärste Sinfonie; als Werk eines Mittdreißigers zeigt sie, dass er als Komponist durchaus Respekt hatte, ein Werk in der für seine Zeit wichtigsten Gattung der Musik für Orchester vorzulegen. Seine Geduld hat sich gelohnt: Das Werk folgt den Wiener Vorgaben Beethovens in durchaus eigenständiger Weise – kraftvolle Ecksätze, die durchaus auch heroische Töne anschlagen, ein melodisch dahinfließender zweiter Satz im Andante quasi Allegretto und ein Menuett herrischen Charakters, das dem ursprünglich galanten Charakter dieses Tanzes im Geist einer neuen Zeit auch einen neuen Horizont aufzwingt, im milderen Trio jedoch durchaus romantische Ansätze zeigt. Ein großartiger Wurf, und für einen sinfonischen Erstling allemal!

Stilkundiges Komponisten-Portait

Wesentlich mehr der Romantik zugehörig zeigt sich Introduzione e Rondo (alla militaire) in Es-Dur für Klavier und Orchester, ein Jahr später als die Sinfonie in g-Moll entstanden. Hier hat Potter sich ein Bravourstück in die Finger geschrieben. Die Ouvertüre zu Shakespeares Cymbelene erweist sich als dramatisch wirksames Stück, das ebenfalls durchaus der romantischen Musik angehört, wie bei ihrem Entstehungsjahr 1836 kaum anders zu erwarten.

Dieses weit gespannte Porträt stellt den heute nahezu gänzlich vergessenen Komponisten Cipriani Potter lebendig und stilkundig vor: Das ist in erster Linie Verdienst des englischen Dirigenten Howard Griffiths, der seit vierzig Jahren in der Schweiz lebt und schon als jahrelanger künstlerische Leiter des Zürcher Kammerorchesters und seit 2008 für ein Jahrzehnt als Genralmusikdirektor des Brandenburgischen Staatsorchesters Frankfurt (Oder) internationale Meriten erwerben konnte. Dank seiner Einfühlung in Potters Musik, die sich subtil in zwei musikalischen Epochen verortet, begegnet dem Hörer hier ein hochinteressanter Komponist der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der überaus fingerfertigen Pianistin Claire Huangci muss Dank dafür gebühren, dass sie den zweiten Satz des Introduzione e Rondo (alla militaire) mehr als Rondo interpretiert, als dass sie den Charakter des „alla militare“ in ein „alla marziale“ verwandeln würde. Das ziemlich dumpfe Klangbild der CD fällt deutlich hinter die künstlerischen Leistungen der Musiker zurück.

Detmar Huchting [31.05.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Cipriani Potter
1Sinfonie Nr. 1 g-Moll 00:24:25
5Introduzione e Rondo Es-Dur für Klavier und Orchester (Alla militaire) 00:19:08
7Overture to Cymbelene 00:15:21

Interpreten der Einspielung

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