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CD-Besprechung

History of the Russian Piano Trio • 1

Alyabiev • Glinka • Rubinstein

Naxos 8.574112

1 CD • 76min • 2017, 2018

05.03.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Mit seiner ersten Folge der „Geschichte des russischen Klaviertrios“ präsentiert das Brahms Trio einen konzisen und erhellenden Anschauungsunterricht zur Entwicklung dieser Gattung im Zarenreich zwischen 1815 und 1851. Am Anfang stehen zwei Trios des durch seinen Koloratur-Ohrwurm Die Nachtigall – wer Lust hat, möge sich die exemplarischen Aufnahmen von Antonina Neschdanova gönnen – bekannten Alexander Alyabyev (in Deutschland meist Alabieff geschrieben). Alyabyev lebte von 1787-1851, kämpfte als zaristischer Offizier gegen Napoleon, tötete 1821 einen Kontrahenten im Streit wegen Betrugs im Glücksspiel, wurde daraufhin nach Sibirien verbannt und durfte sich erst 1843 in Moskau unter polizeilichen Auflagen erneut niederlassen. Vom Trio in Es-Dur ist nur der thematisch an das Gassenhauer-Trio Beethovens gemahnende Kopfsatz erhalten. Es dominiert das Klavier, was bei einem Schüler des irischen Clementi-Schülers John Field wenig verwunderlich ist. Das dreisätzige Trio in a-moll trägt – besonders im Rondo-Finale – deutlich russischere Züge und zeugt somit von der Beschäftigung des Komponisten mit der Folklore während der Verbannung.

Manchmal lohnt sich Liebeskummer

Michail Glinkas Trio Pathétique (1832) trägt das Motto: „Ich habe die Liebe nur durch die Qualen, die sie verursacht, kennengelernt“. Es wurde ursprünglich für Klarinette und Fagott anstatt der Streicher komponiert, wird heute jedoch gern in der klassische Besetzung, in der einige Violin-Passagen hochoktaviert werden müssen, aufgeführt. Formal handelt es sich um eine erste vollständige Ausprägung des zyklischen romantischen Klaviertrios, bei dem die Themen der ersten drei Sätze im Finale wieder aufgegriffen werden.

Handelte es sich bei den drei vorhergehenden Kompositionen um kürzere „Trios du Salon“, betritt mit Anton Rubinsteins g-moll-Trio op. 15,2 ein großformatiges Werk voller Virtuosität, Dramatik und Kraft die Klangbühne. Es ist das vielleicht am wenigsten „russische“ Stück dieser Reihe; steht Mendelssohn (Elfen-Scherzo!), Schumann und Liszt (besonders im hochvirtuosen Klaviersatz mit Doppeloktaven in der Final-Stretta) näher als Glinka, wenngleich sich auch hier der Hang zum Zyklus durch das Zitat des Adagios in der Final-Coda manifestiert.

Herzensangelegenheit

Man merkt dem russischen Brahms Trio an, dass es sich bei der in jedem Moment engagierten Einspielung um eine echte Herzensangelegenheit handelt. Jede Phrase wird mit Leben erfüllt. Das Zusammenspiel ist geradezu nachtwandlerisch, die dynamische Abstufung ist perfekt. Dafür gebührt Natalia Rubinstein, der die Hauptlast zufällt, allerhöchste Anerkennung für eine Pianistik, die über so große Virtuosität verfügt, dass sie sie nicht mehr plakativ demonstrieren muss. Nikolai Sachenko und Kirill Rodin ziehen ihre Melodielinien mit dem innig-satten Ton der russischen Streicherschule, ohne durch soßige Klanggebung eine falsche Sentimentalität aufkommen zu lassen. Höchst elegant: die Ballwechsel-Spiccati der Drei im Rubinstein-Scherzo.

Die Aufnahm klingt transparent und warm. Der Booklet-Text ist informativ, jedoch leider nur auf Englisch beigefügt, was zu einer Abwertung im Gesamteindruck führt.

Fazit: Das Rubinstein-Trio sollte man sich in dieser Aufnahme keinesfalls entgehen lassen. Glinka und Alyabyew findet man in gleichwertigen Interpretationen (klassizistisch-spritzig mit dem Beethoven Trio Bonn), jedoch meist mit Werken der Spätromantik gekoppelt. Hier überzeugt die Zusammenstellung, zumal sie die einzige rundum gelungene Einspielung des beeindruckenden Rubinstein-Trios enthält. Empfehlenswert!

Vergleichsaufnahme: Beethoven Trio Bonn (CAvi music).

Thomas Baack [05.03.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Alexander Alyabyev
1Klaviertio Es-Dur 00:10:04
2Klaviertrio a-Moll 00:18:43
Michael Glinka
5Trio Pathétique d-Moll (arr. für Klaviertrio: Jan Hřímalý) 00:15:48
Anton Rubinstein
9Klaviertrio g-Moll op. 15 Nr. 2 00:30:54

Interpreten der Einspielung

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