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CD-Besprechung

Ludwig van Beethoven

König Stephan • Overtures Fidelio & Leonore 1-3

cpo 777 771-2

1 CD • 71min • 2019

21.01.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

„Strahlt auf mich der Blitz des Goldes“, singt Figaro im Barbier von Sevilla und erklärt damit seine Motivation, in irgendeiner Weise tätig zu werden. Auch der große Ludwig van Beethoven wusste den Wert des Geldes zu schätzen und war dafür sogar bereit, einen dringend benötigten Urlaub in Teplitz zu unterbrechen, um den künstlerisch eher fragwürdigen, aber fürstlich entlohnten Auftrag aus Ungarn anzunehmen, die Festmusik zur Einweihung des neuen kaiserlichen Theaters in Pest zu schreiben. Geplant war ein dreiteiliges Bühnenspektakel auf Texte des Vielschreibers August von Kotzebue, von denen dann aber nur zwei Stücke fertig gestellt wurden: Die Ruinen von Athen und König Stephan. Stephan war der Gründer des Königreichs Ungarn, seine Krönung mit dem Segen des Papstes erfolgte am 17. August 1000, noch heute ein Nationalfeiertag. Kotzebue versäumte es nicht, in das Festspiel zu seinen Ehren auch Huldigungen an das österreichische Kaiserhaus einzubauen.

Historisches Sujet

Es verwundert nicht, dass dieses Machwerk seinen Anlaß, die Eröffnung des Theaters, die mit Verspätung am 9. Februar 1812 erfolgte, nicht lange überlebte. Während Beethoven Die Ruinen von Athen zehn Jahre später unter dem Titel Die Weihe des Hauses erfolgreich recyceln konnte, war König Stephan wegen des historisch fixierten Sujets nicht in gleicher Weise wieder verwertbar. Nur die mehrteilige, formal abwechslungsreiche Ouvertüre erscheint gelegentlich im Konzertsaal. Die Chöre, vor allem die sehr anmutigen Hochzeitschöre der Frauen, zeugen vom sicheren Handwerk des Komponisten, der sich allerdings hier, unter Zeitdruck stehend, nicht in schöpferische Unkosten stürzen konnte, oft auf frühere Arbeiten zurückgreifen mußte. In den langen melodramatischen Monologen Stephans, in denen er die der Gründung vorangegangenen Ereignisse rekapituliert und Visionen der Zukunft entwickelt, hat das Orchester eine begleitende und untermalende Funktion. Bernd Tauber – vom Theater herkommend, aber als Film- und Fernsehschauspieler bekannt geworden – gestaltet sie in der vorliegenden Aufnahme mit knorriger, leicht angekratzter Stimme souverän und vermeidet hohles Pathos.

Unerschrocken vor der Konkurrenz

Die Heidenheimer Capella Aquileia, die im Vorjahr bereits Die Ruinen von Athen bestritten hat (cpo 777 634-2), zeigt auch hier wieder eine gediegene Leistung. Dasselbe gilt für den Chor der Tschechischen Philharmonie aus Brünn. Dem Festspiel angehängt sind die drei Leonoren-Ouvertüren und die Fidelio-Ouvertüre, die – nacheinander gehört – interessante Aufschlüsse über Beethovens unermüdliche Versuche geben, das in der ersten Version durchgefallene Werk doch noch auf die Beine zu bringen. Die endgültige und kürzeste Fassung erfüllt ihre Funktion als Einleitung des Bühnengeschehens zweifellos am besten, die Leonore III ist als Komposition noch eindrucksvoller und hat zu Recht einen festen Platz im Konzertrepertoire, während ihr gelegentlicher Theater-Einsatz als Intermezzo zwischen Kerkerszene und Finale dramaturgisch eher fragwürdig ist. Von dieser Ouvertüre gibt es unübersichtlich viele Aufnahmen mit den besten Orchestern und den berühmtesten Dirigenten. Marcus Bosch und die Capella Aquileia können da im Vergleich naturgemäß eher einen mittleren Platz besetzen. Der Dirigent hält an der überkommenen Vorstellung vom heroischen Beethoven fest, trumpft effektbewusst auf, in den tutti-Einsätzen auch oft recht kompakt. Überzeugender finde ich seine Auslegung der Leonore II, in der die Spannung klug aufgebaut ist und viele ruhige Momente besonders von den Holzbläsern zu bewundern sind.

Ekkehard Pluta [21.01.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ludwig van Beethoven
1König Stephan Es-Dur op. 117 (Festspiel von August Kotzebue. Komponiert zur Eröffnung des Theaters in Pest im Jahre 1812) 00:32:25
16Leonoren-Ouvertüre Nr. 2 C-Dur op. 72a 00:11:54
17Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 C-Dur op. 72b 00:12:10
18Leonoren-Ouvertüre Nr. 1 C-Dur op. 138 00:08:19
19Ouvertüre zu "Fidelio" op. 72 00:05:56

Interpreten der Einspielung

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