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CD-Besprechung

Divertimenti Viennesi

Brilliant Classics 96127

2 CD • 1h 28min • 2017

05.08.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Das Trio Musica Elegentia widmet sich auf einer Debüt-Doppel-CD Divertimenti für Streichtrio der 1739 geborenen Altersgenossen Karl Ditters von Dittersdorf und Johann Baptist Vanhal sowie des zwei Jahre älteren Johann Michael Haydn. Alle Werke sind gegen 1770 entstanden und entstammen somit der Übergangsphase zwischen Spätgalantem Stil und Wiener Hochklassik.

Als Besonderheit der Aufnahme sei gleich vermerkt, dass Matteo Cicchitti anstatt des eigentlich erwartbaren Cellos einen 5-saitigen Violone in der Stimmung C-E-A-d-g (16-fuß) einsetzt. Die Verwendung von Kontrabass anstatt Cello hatte im Habsburgischen durchaus Tradition, jedoch nutzten die damaligen Virtuosen wie Johann Matthias Sperger, für den Vanhal und Dittersdorf mehrere Konzerte und Kammermusikwerke schrieben, die sogenannte Wiener Stimmung F-A-D-Fis-A.

Austro-Pop Anno 1770

Dittersdorf legt seine sechs Trios op. 1, die von der Witwe Cousineau gegen 1767 unter dem Namen „Diters Tedesco“ in Paris gedruckt wurden – das „ Ritter von Dittersdorf“ kam erst 1774 durch die Verleihung des päpstlichen „Ordens vom goldenen Sporn“ hinzu – als zweisätzige Allegro+Menuett-Sonaten an. Vorbild dürfte hier die heiter-galante italienische Sonatenform gewesen sein, wie sie von Domenico Alberti und Baldassare Galuppi gepflegt wurde. Reizvolle Miniaturen von knapp 10-minütiger Dauer, deren Menuette mit gelegentlich elegisch eingefärbten Trios – sollten sich die Kopfsätze als noch zu anspruchsvoll erweisen – Schülerensembles als exzellente Einführung in das Trio-Spiel dienen können.

Die Divertimenti Vanhals und des jüngeren Haydn-Bruders sind fünf- bzw. viersätzig und von ebenfalls unterhaltendem Serenaden-Charakter.

Elegante und stilsichere Interpretation

Das Originalklang-Ensemble Musica Elegentia macht seinem Namen alle Ehre. Es nimmt diese Amuses geules leicht, artikuliert sorgsam und stilistisch adäquat gemäß den Anweisungen aus Leopold Mozarts Violin-Schule. Wiederholungen werden dezent verziert, was sich für diese Epoche ganz einfach ziemt. Durch den Violone entsteht ein Spaltklang, den man in Musik dieser Zeit nicht erwarten würde. Durch den Verzicht auf Vibrato wird die Stimmführung deutlicher und transparenter, so dass sich polyphone Partien jederzeit ohne Noten nachverfolgen lassen. Somit ist diese leicht folkloristische Herangehensweise, die auch durch die perfekte Abstimmung im Obertonbereich entsteht, wesentlich sinnvoller, als wenn diese unterhaltsame Musik in süffigem Klangschwelgen erstickt würde.

Die Aufnahmetechnik verzichtet auf zusätzlichen Hall, so dass die Instrumente sehr direkt dargestellt werden. Besitzer von zur Helligkeit neigenden Boxen sollten vorsichtig mit dem Lautstärkeregler umgehen, da die Aufnahme in dieser Konstellation etwas grell erscheinen kann. Das leider nur auf Englisch vorliegende Textheft bietet detaillierte Informationen zu Komponisten und Werken sowie Überlegungen zur gewählten Besetzung.

Fazit: Eine lohnende Aufnahme „kleiner“ unterhaltender Kammermusik, der man gerne entspannt lauscht. Anregung für Streicherformationen, ob daheim oder in der Musikschule, elegant und stilsicher interpretiert. Gern auch – der originären Bestimmung gemäß – als stimmungsvoller Hintergrund eines eleganten Abendessens.

Thomas Baack [05.08.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Carl Ditters von Dittersdorf
1Streichtrio Nr. 1 00:09:06
3Streichtrio Nr. 2 00:07:14
5Streichtrio Nr. 3 00:07:05
7Streichtrio Nr. 4 00:09:54
9Streichtrio Nr. 5 00:11:46
11Streichtrio Nr. 6 00:08:14
CD/SACD 2
Johann Baptist Vanhal
1Divertimento G-Dur 00:17:16
Michael Haydn
6Divertimento C-Dur 00:16:24

Interpreten der Einspielung

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