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CD-Besprechung

»Fugenpassion«

Violetta Khachikyan

GWK Records GWK 147

1 CD • 81min • 2019

21.04.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Mit ihrem Album „Fugenpassion“ legt Violetta Khachikyan eine ausgesprochen intelligent gestaltete Debüt-CD für einen größeren Markt vor. Ihre bisherigen Einspielungen im Rahmen der Hochschulförderung scheinen nicht mehr greifbar zu sein. Sie beleuchtet in teilweise bekannten, teilweise wenig gespielten Werken die Entwicklung der Fugenkomposition in der Nachfolge Bachs von der ausgehenden Klassik bis in die Spätromantik. Fuge klingt nach steifer Gelehrsamkeit, jedoch haben Beethoven und die Romantiker hier durchaus Werke geschaffen, die auch emotional berühren.

Von Beethoven über Schumann und Franck zu Szymanowski und Tanejew

Den Anfang macht Beethovens Sonate op. 110 in einer wahrhaft vollendeten, höchst poetischen, unbedingt hörenswerten Interpretation. Das kann man kaum besser spielen. Die beiden sich anschließenden Fugen des jungen Felix Mendelssohn lohnen das Kennenlernen, wenngleich sie überdimensioniert erscheinen, weshalb der Komponist sie auch im Manuskript beließ. Stattdessen hätte man vielleicht zwei Beispiele aus den hochvirtuosen Fugensammlungen Carl Czernys präsentieren können.

Robert Schumanns Vier Fugen op. 72 sind wie die Werke für den Pedalflügel und die ersten beiden Klaviertrios das Produkt der mit Clara 1845 vertieft durchgeführten Kontrapunktstudien. Sie werden – obwohl nur von mittlerem Schwierigkeitsgrad – kaum gespielt, sind jedoch recht hübsch. Allerdings unterläuft der Pianistin in der ersten Nummer eine kleine Unachtsamkeit. Durch die zu gleichtaktige Artikulation der Achtel glaubt man, einen 4/4- anstatt eines 6/8-Takts zu hören.

César Francks Prelude, Choral et Fugue, ein bravouröses, knapp zwanzigminütiges Konzertstück in wagnerscher Harmonik, das die großen Hände des Komponisten voraussetzt, erklingt in einem Farbenrausch ohne jemals die Konturen zu verlieren. Einzig die verzögerten Spitzentöne der Choralmelodie – das Arpeggio gehört vor den Taktschwerpunkt – bieten hier geringen Anlass zur Beschwerde. Karol Szymanowskis cis-Moll-Werk treibt im Prelude die Tristan-Chromatik auf die Spitze und löst diese Spannung dann in der Fuge. Sergej Tanejevs op. 29 in gis-Moll zählt zu den technisch teuflischsten Stücken der Klavierliteratur. Auf ein reich ornamentiertes Nocturne folgt eine Fuge, in deren Verlauf dem Pianisten so gemeine Aufgaben wie schnelle chromatische Sextenläufe in Sechzehnteltriolen in der Rechten gegen weite Oktavensprünge in normalen Sechzehnteln in der Linken gestellt werden. Das bedarf einer transzendentalen Technik und Violetta Kachikyan hat sie!

Aufnahmetechnisch wurde das Klavier sehr farbig eingefangen; der ausgezeichnete Booklet-Text von Robert Funk trägt zum vertieften Verständnis der komplexen Zusammenhänge Wesentliches bei.

Fazit: Das fast makellose Debüt einer jungen, höchst intelligent und warmherzig gestaltenden Virtuosa. Violetta Khachikyan spannt mit ihrem klug gewählten Programm einen Bogen vom As-Dur des Beginns zum Schluss in gis-Moll. Bei der mit über 80 Minuten höchst üppigen Spieldauer könnte eine Aufteilung auf zwei Hörsitzungen sinnvoll sein. Allen Klavierliebhabern und Freunden anregender Kompositionen dringend empfohlen.

Thomas Baack [21.04.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ludwig van Beethoven
1Klaviersonate Nr. 31 As-Dur op. 110 00:20:40
Felix Mendelssohn Bartholdy
5Fuge cis-Moll 00:08:57
6Fuge Es-Dur 00:05:36
Robert Schumann
7Vier Fugen op. 72 00:10:39
César Franck
11Prélude, Chorale et Fugue h-Moll FWV 21 00:19:23
Karol Szymanowski
13Präludium und Fuge cis-Moll für Klavier 00:07:24
Sergej Tanejew
15Prelude and Fugue g sharp minor op. 29 00:07:52

Interpreten der Einspielung

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