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CD-Besprechung

Scriabin

Mazurkas

Ondine ODE 1329-2

1 CD • 77min • 2019

15.04.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Der schwedische Pianist Peter Jablonski (Jg. 1971) machte Anfang der 1990er Jahre Furore, als er mit einem Exklusivvertrag bei Decca rasch zu internationalem Ruhm aufstieg. Schon damals widmete er sich mit Nachdruck dem Werk Alexander Skrjabins (1872-1915) und spielte etwa dessen Klavierkonzert und Prométhée unter Vladimir Ashkenazy ein. Für sein Debüt bei Ondine wählte er nun Skrjabins sämtliche Mazurken: Das macht neugierig.

Aus dem Schatten Chopins zu neuen Ufern

Skrjabin komponierte insgesamt 23 Mazurken, die sich – abgesehen von zwei Jugendwerken in h-Moll bzw. F-Dur (ca. 1884-86) – auf drei Opusnummern verteilen: 10 Mazurken op. 3 (1888-90), weitere neun (op. 25) rund ein Jahrzehnt später, und schließlich noch die beiden Mazurken op. 40 von 1903, im Umfeld der wegweisenden Klaviersonate Nr. 4 entstanden. Im Gegensatz zu den 90 Préludes, denen sich der Komponist zeitlebens immer wieder zuwandte, fehlen die Mazurken also in der späten Schaffensphase mit gänzlich revolutionärer Harmonik völlig, und selbst die beiden Stücke op. 40 geben allenfalls einen kurzen Ausblick zu den neuen Ufern Skrjabins mittlerer Periode. So verwundert es nicht, wenn op. 3 noch ganz naiv den Modellen Chopins folgt, der die Gattung freilich bis in sein Spätwerk pflegte. Jede einzelne Mazurka ist, für sich genommen, jedoch ein Kleinod, wo bei genauerem Hinhören bereits viele typische, vor allem klangliche Eigenheiten Skrjabins zu Tage treten. Wesentlich individueller und anspruchsvoller sind dann schon die Mazurken op. 25 – mit kontrapunktischen Finessen gespickt, einer Harmonik, die häufig auch Quarten einbezieht, und extremeren emotionalen Ausschlägen. Man sollte sich die Stücke allerdings portionsweise gönnen: Dies sind keine Zyklen, und hintereinander gehört wird es leicht ein wenig eintönig.

Klanglich exquisit und entschieden im Ausdruck

Jablonski hat natürlich mit den pianistischen Herausforderungen keinerlei Probleme: Er ist stets entschieden im Ausdruck und entfaltet in den Stücken – insbesondere von op. 25 – trotz durchaus vorhandener Intimität eine große dynamische Spannweite, ohne je in Grobheiten zu verfallen wie seinerzeit noch Michael Ponti. Jablonskis Phrasierung und die äußerst flexible und intelligente Tempogestaltung gefallen ebenso durchgehend. Gerade bei den Mazurken, die sich fast dem Wiener Walzer annähern (op. 3, Nos. 4 &6, op. 25, Nr. 4 etc.), ist das absolut überzeugend. Und einige elegische Phrasen machen klar, dass es sich hier ja um russische Musik handelt, die nur äußerlich in eine aus Polen stammende Form gefasst ist. Maria Lettbergs andauernde Zurückhaltung in ihrer Gesamtaufnahme wirkt hingegen – bei allen herausgespielten Feinheiten – sehr schnell ermüdend; dazu ist ihre Agogik insgesamt zu stereotyp und vorhersehbar. Die kurzen Mazurken op. 40 gewinnen bei Jablonski einen witzig-koketten Charme, eben weil sie sich längst von Chopin emanzipiert haben. Die Aufnahmetechnik ist auf gleicher Höhe und fängt den Fazioli-Flügel ausgezeichnet ein. Jablonskis Skrjabin ist somit ohne Einschränkung zu empfehlen – die Höchstnote gibt es nur deshalb nicht, weil Eric Le Van in meiner Referenzaufnahme alles noch eine entscheidende Spur besser macht.

Vergleichsaufnahmen: Michael Ponti (Vox CD5X 3606, 1973-74), Maria Lettberg (Capriccio C49586, 2006), Eric Le Van (Music & Arts CD-1125, 2002).

Martin Blaumeiser [15.04.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Alexander Scriabin
1Mazurka h-Moll op. 3 Nr. 1 – Tempo giusto 00:04:05
2Mazurka fis-Moll op. 3 Nr. 2 – Allegretto non tanto 00:02:08
3Mazurka g-Moll op. 3 Nr. 3 – Allegretto 00:01:41
4Mazurka E-Dur op. 3 Nr. 4 – Moderato 00:03:53
5Mazurka dis-Moll op. 3 Nr. 5 – Doloroso 00:04:18
6Mazurka cis-Moll op. 3 Nr. 6 – Scherzando 00:02:05
7Mazurka e-Moll op. 3 Nr. 7 – Con passione 00:03:43
8Mazurka b-Moll op. 3 Nr. 8 – Con moto 00:02:48
9Mazurka gis-Moll op. 3 Nr. 9 00:02:48
10Mazurka es-Moll op. 3 Nr. 10 – Sotto voce 00:06:26
11Mazurka f-Moll op. 25 Nr. 1 00:03:14
12Mazurka C-Dur op. 25 Nr. 2 00:03:20
13Mazurka e-Moll op. 25 Nr. 3 00:02:17
14Mazurka E-Dur op. 25 Nr. 4 00:04:28
15Mazurka cis-Moll op. 25 Nr. 5 00:04:04
16Mazurka Fis-Dur op. 25 Nr. 6 00:03:20
17Mazurka fis-Moll op. 25 Nr. 7 00:05:27
18Mazurka H-Dur op. 25 Nr. 8 00:02:29
19Mazurka es-Moll op. 25 Nr. 9 00:03:45
20Mazurka Des-Dur op. 40 Nr. 1 00:01:48
21Mazurka Fis-Dur op. 40 Nr. 2 00:01:20
22Mazurka F-Dur 00:03:12
23Mazurka h-Moll 00:02:20
24Impromptu à la Mazur C-Dur op. 2 Nr. 3 00:01:49

Interpreten der Einspielung

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