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CD-Besprechung

J.S. Bach

Die Kunst der Fuge

Aldilá Records ARCD 009

2 CD • 2h 39min • 2019

20.02.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

„Wenn ich nur ein Werk auf die ›einsame Insel‹ mitnehmen darf, so wähle ich (Evgeni) Koroliovs Bach“, meinte György Ligeti zur pianistischen Realisierung der Fugen BWV 1080, die 1990 bei Tacet erschien. Ligeti hätte Bachs Kunst der Fuge „einsam verhungernd und verdurstend, doch bis zum letzten Atemzug immer wieder“ gehört („but if I am allowed only one musical work on my desert island, then I should choose Koroliov's Bach, because forsaken, starving and dying of thirst, I would listen to it right up to my last breath“).

Die jüngste Aufnahme der von Bach während der 1740er Jahre verschiedentlich komponierten Fugen wird an Sinnlichkeit, Klangstrom und an tragender Präsenz der immer wieder sonoren Basslage verdienstvollen früheren Realisierungen auf Cembalo, Orgel oder Klavier überlegen sein.

Kontrapunktische Dichte

In welch erhaben klingendes Meer – unaufhaltsam in seiner musikalischen „Logik“ (Spiegelfugen!) und wahrlich ernst im Fluss – lassen uns die Salzburg Chamber Soloists unter Christoph Schlüren eintauchen! Musikkenner, die sich auf die tonale Dignität der Kunst der Fuge, auf Bachs Verarbeitungskunst melodischer, rhythmischer und klanglicher Verwicklungen und Entwicklungen, auf die kontrapunktische Dichte und durchleuchtende Expressivität eingelassen haben, hatten immer wieder der Eindruck, bei einer Art Urzeugungsprozess dabei zu sein. Vielleicht allzu oft wurde ein Wort des Mozartianers Goethe herangezogen: Dem Cello spielenden Dichter war bei Bachs Musik zumute,„als wenn die ewige Harmonie sich mit ihr selbst unterhielte, wie sich’s etwa in Gottes Busen, kurz vor der Weltschöpfung, möchte zugetragen haben“; Vorstoß in einen Tonraum, in dem man/Goethe „weder Ohren, am wenigsten Augen, und weiter keine übrigen Sinne besäße noch brauchte."

Die Gangart der im Herbst 2019 in Salzburg entstandenen Aufnahme, die sich aller Manierismen wohltuend enthält, erfordert und ermöglicht das absolute Hingegebensein eines radikal aufmerksamen Hörens. Wenn Interpreten eines Werkes ihre Dienerschaft darin erfüllen, das Werk, dem sie dienen, zum Vorschein kommen zu lassen ohne sich selbst davor zu stellen, erreicht man eine Ebene, die hier, wenn nicht durchgängig, so doch immer wieder erlebbar wird, ohne in ihrer eigentümlichen Beherrschtheit je dünn oder blutleer zu wirken oder an entsprechende frühere Gehversuche auch nur zu erinnern.

Hoher Repertoirewert der Bach-Komplettierungen

Die Aufnahme des einstigen Celibidacheschülers Schlüren enthält zusätzlich einige Stücke mit hohem Repertoirewert: Die Orgelfuge in g aus Robert Schumanns Opus 60 (vierstimmig, jüngst arrangiert von Dan Turcanu), eine dreistimmige Fuge über B-A-C-H aus dem Jahr 1985 von Reinhard Schwarz-Schilling sowie die einschlägigen, hoch interessanten Bach-Komplettierungen von Tovey (1931), K. H. Pillney (1937) und Kalevi Aho (2012). Allein diese lohnen geduldige Beschäftigung mit der zweiten CD und verdienten vertiefende Erörterung!

Das vom Dirigenten verfasste Booklet verfährt ausführlich, informativ, klug durchdacht und nicht zuletzt auch sprachlich schwungvoll. Etwas befremdlich finde ich nur die grobgerasterte Abbildung auf dem Cover dieser hörenswerten Doppel-CD. Aber vielleicht verstehe ich nur nicht ihre Originalität.

Dr. Matthias Thiemel [20.02.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Sebastian Bach
1Die Kunst der Fuge BWV 1080

Interpreten der Einspielung

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