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CD-Besprechung

Jacques Offenbach

Pomme d'Api • Sur un volcan

cpo 555 268-2

1 CD • 82min • 2018

30.01.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Ein willkommener Nachschlag zum Offenbach-Jahr, das in diskographischer Hinsicht nicht besonders ergiebig war. Zwei Einakter, in Köln beim Deutschlandfunk produziert, hat cpo nun als CD veröffentlicht. Pomme d’Api ist zwar nicht gänzlich neu, aber die EMI-Aufnahme unter Manuel Rosenthal mit der großen Mady Mesplé liegt nun schon 37 Jahre zurück und ist nur noch auf Umwegen erhältlich. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 galt Offenbach, der ungekrönte Operettenkönig im Zweiten Kaiserreich, als persona non grata und brauchte einige Zeit, um im Pariser Theaterleben wieder Fuß zu fassen. Mit Pomme d’Api, am 4. September 1873 am Théâtre de la Renaissance uraufgeführt, knüpft er an seine besten Zeiten an. Die Handlung ist ein Nichts. Der reiche Rabastans will seinem von ihm abhängigen Neffen Gustave die Liaison mit Catherine untersagen, die er gar nicht kennt. Der bringt sie, die „pomme d’api“ (rotbackiges Äpfelchen) genannt wird, als neues Dienstmädchen ins Haus, wo sie den Onkel begeistert und die Geschichte zu einem Happy End führt.

Simple Handlung - hinreißende Musik

Die Musik zu dieser simplen Vaudeville-Story ist allerdings Offenbach vom Feinsten. In einer guten dreiviertel Stunde erlebt man das Konzentrat dessen, was den Zauber seiner Musik ausmacht. Das beginnt schon mit der fein instrumentierten mehrteiligen Ouvertüre, in der sich Rossinis Kollegenlob „Mozart der Champs-Élysées“ bewahrheitet. Lyrische Delikatesse wechselt in den Gesangsnummern mit rhythmischem Wirbel und dramatischem Aberwitz, insbesondere in den Ensembles. Ein Höhepunkt ist das Trio Nr. 4 „Va donc, va donc chercher le grill!“ wo es um nicht weniger als die Zubereitung und den Verzehr eines Koteletts geht.

Verschollenes Autograph

Das zweite Stück des Albums, Sur un vulcan, dürfte bislang noch nicht einmal eingefleischten Offenbachianern bekannt gewesen sein. Es stammt von einem musikalischen Dilettanten namens Ernest L’Épine (1826-1893), Sekretär des damaligen Innenministers, und erlebte am 29. Dezember 1855 eine einzige Aufführung in den von Offenbach geleiteten Bouffes-Parisiens. Der Chef persönlich nahm die Instrumentierung vor und fügte eine Ouvertüre hinzu. Weiter ging seine Mitautorschaft wohl nicht. Das Autograph galt lange als verschollen und tauchte vor einigen Jahren unvollständig wieder auf. Die detektivische Kleinarbeit, die fehlenden Teile aufzufinden, von der Herausgeber Jean-Christophe Keck im Booklet berichtet, ist spannender als das Stück selbst, das die Gattungsbezeichnung „Comédie à ariettes“ trägt. Das Libretto des renommierten Joseph Méry, Co-Autor des originalen Don Carlos, spielt in Dublin nach dem Sieg der Engländer über Napoleons Truppen. Zwei französische Marineoffiziere, die sich hinter einem Pulverfaß verschanzt haben, dessen Explosion zu einem Vulkanausbruch führen könnte, verlieben sich in dieselbe Frau, die Schauspielerin Katrina. Der ältere, Trafalgar, tritt am Ende einsichtig zugunsten des jüngeren, St. Elme, zurück. Die Musik trägt keine auffallenden Züge, sieben gefällige Nummern, von denen das Trio Nr. 5 hervorzuheben ist, sind in dieser Aufnahme nicht durch Dialoge, sondern durch eine lebendige Erzählung verbunden.

Authentischer Offenbach-Klang

In beiden Stücken sorgt die Kölner Akademie unter Michael Alexander Willens für einen authentischen Offenbach-Sound, der instrumentale Akkuratesse mit rhythmischer Klarheit und lockerem Spielwitz verbindet. Auch die Sänger sind in diesem Metier erfahren. Die aus Guadeloupe stammende Sopranistin Magali Léger hat einigen vokalen Charme einzusetzen, der Tenor Florian Laconi ist in den Liebhaberrollen mehr Buffo als Lyriker und der Bariton Marc Barrard verzichtet auf komödiantische Outrage. Das Booklet enthält keine Libretti, nicht einmal in der Originalsprache, und keine Biographien der Sänger, denen hier nur das Stimmfach zugeordnet wird, nicht aber die Rollen, die sie verkörpern. Da ist man von cpo besseren Service gewohnt.

Ekkehard Pluta [30.01.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Jacques Offenbach
1Pomme d'Api (Operette in einem Akt) 00:51:11
18Sur un volcan (Comédie à ariettes en un acte) 00:31:02

Interpreten der Einspielung

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