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CD-Besprechung

Bernhard Molique

Chamber Music Vol. 2

MDG MDG 303 2132-2

1 CD • 72min • 2019

10.01.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Vom Nürnberger Bernhard Molique (1802-1869) kennt man vor allem sein reizvolles, von Heinz Holliger gern gespieltes Concertino für Oboe. Die vorliegende Einspielung kombiniert sein spätes Klavierquartett op. 71 mit frühen Kompositionen für Flöte, die für das gemeinsame Musizieren mit seinem Freund Theobald Böhm, dem berühmten Flötenbauer und -virtuosen entstanden. Molique war von Haus aus Geiger und Dirigent. Er erhielt seine Ausbildung bei Louis Spohr und Pietro Rovelli, einem Schüler Rodolphe Kreutzers, dessen Nachfolger er als Hofviolinist in München wurde. Als Komponist war er weitgehend Autodidakt, wurde jedoch 1861 als Kompositionslehrer an die Royal Academy of Music in London berufen.

Dass Molique als bester Geiger Deutschlands nach Spohr galt, kann man am paganinesken Geigenpart des Duo Concertant für Flöte und Violine ablesen. Erstaunlich, wie er durch Doppelgriffe und Flageoletteffekte eine für ein Duett zweier Melodieinstrumente unerwartete Klangfülle erreicht. Das Finale variiert ein Thema aus dem Finale des Freischütz. Es ist also ein Finale über ein Finale. Das Flötenquintett ist von der Faktur ein Streichquintett mit zwei Bratschen, bei dem die erste Violine durch die Flöte ersetzt wurde, was für diese zu diversen unangenehm hoch liegenden Phrasen führt. Putzig das Zitat des Jäger aus Kurpfalz in der 1. Viola im Scherzo. Introduktion, Andante und Polonaise op. 43 für Flöte und Klavier wurde 1851 veröffentlicht. Mit seiner eingängigen Melodik und virtuoser Behandlung der Solostimme ist es durchaus für Wettbewerbe oder als Examensstück geeignet.

Das späte Klavierquintett op. 71 wurde posthum 1870 veröffentlicht. Es zählt zu den zu dieser Zeit beliebten Imitationen des klassischen Stils. Im Charakter divertimentoartig könnte das 1. Thema des Kopfsatzes von Haydn stammen. Sein Andante gibt sich mozartisch. Ein wunderbar entspanntes Stück, das von der Parnassus Akademie in dieser Aufnahme unprätentiös und absolut überzeugend musiziert wird. Im Konzert würde es sich wunderbar als Kontrast zwischen zwei dramatischeren Werken (Brahms, Fauré) ausnehmen.

Leider halten die Stücke mit Flöte dieses hohe Niveau nicht ganz. Dies liegt einerseits daran, dass Helen Dabringhaus mit zu geringem Mikrofonabstand aufgenommen wurde, was die Balance zur Geige im Duo Concertant erheblich beeinträchtigt und an zwei Stellen zu Übersteuerungen führt, die wie Flatterzungen-Effekte klingen. Hierdurch wird aber auch deutlich, dass sie die Töne der oberen dreigestrichenen Oktave mit zu hohem Atemdruck produziert. Auch fehlt es ihr an Rubatoraffinesse, um die Polonaise wirklich „verkaufen“ zu können.

Der als Interview mit Michael Groß, dem Cellisten des Ensembles gestaltete Booklet-Text bietet alle wichtigen Informationen, ist jedoch durch das Frage-und-Antwort-Spiel etwas unübersichtlich.

Fazit: Repertoirebereicherung, die ausübende Musiker bei der Programmplanung anregen kann und trotz der oben erwähnten Schönheitsfehler viel Freude beim Zuhören vermittelt.

Thomas Baack [10.01.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Bernhard Wilhelm Molique
1Quintett für Flöte, Violine, 2 Violas und Violoncello 00:28:32
5Introduction, Andante und Polonaise D-Dur op. 43 für Flöte und Klavier 00:13:25
6Duo Concertant G-Dur für Querflöte und Violine 00:18:01
7Quartett op. 71 für Violine, Viola, Violoncello und Klavier 00:18:01

Interpreten der Einspielung

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