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CD-Besprechung

Antonín Dvořák

String Quartets Vol. 3

cpo 777 626-2

2 CD • 2h 08min • 2017

16.09.2019

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Im dritten Album seiner Gesamtaufnahme der Streichquartette Antonin Dvořaks stellt das Vogler-Quartett drei Werke zur Diskussion, die im Konzertsaal eher selten zu hören sind. Dieses hat unterschiedliche Gründe: Das D-Dur Quartett des knapp Dreißigjährigen sperrt sich bereits aufgrund seiner Länge von 65 Minuten, die diejenige der reifen Werke Franz Schuberts (Quartett in G und Streichquintett) um eine knappe Viertelstunde übertrifft, ohne an deren Singularität auch nur entfernt heranzureichen. Dvořak erkannte diesen Fehler selbst, und vernichtete die Partitur dieses als „slawische Antwort“ auf Wagners Meistersinger-Pomp intendierten Werks. Ein handschriftlicher Stimmensatz blieb jedoch erhalten, so dass es im Rahmen der Gesamtausgabe herausgegeben werden konnte. Das Scherzo basiert auf dem zur Entstehungszeit verbotenen Kampflied der tschechischen Nationalisten gegen die K&K-Unterdrückung „Hej, Slowanè“, dessen Mazurka-Melodie zur polnischen Nationalhymne wurde. Obwohl melodisch durchaus ansprechend, wirkt das Stück in reiner Quartettbesetzung eher wie eine Schwarzweißreduktion. Würde sich jemand bereitfinden, dieses Werk zu instrumentieren, wäre daraus durchaus eine „Nullte Sinfonie“ zu gewinnen.

Das Quartett in a-moll op. 12 musste für die Gesamtausgabe ebenfalls aus 2 nur teilweise vollendeten Fassungen kollationiert werden. Als melodienreiches, slawisch-melancholisches Werk verdient es durchaus Beachtung und sollte häufiger aufgeführt werden, da es dem Publikum auf Anhieb gefallen dürfte.

Das E-Dur-Quartett op. 80 entstand 1876, so dass der Komponist eigentlich die 27 als Opuszahl vorgesehen hatte. Da es nach einer Überarbeitung aber erst 1888 bei Simrock im Druck erschien, bestand der Verleger auf einer „aktuellen“ Nummerierung. Dvořak experimentiert in diesem Werk „für Kenner“ mit der Tonartendisposition in den Sonatensätzen 1 und 4 sowie mit der Textur des Quartettsatzes und schafft ein klanglich farbiges, aber ohne Partitur nicht einfach durchschaubares Musikstück. Der langsame Mittelsatz weist bereits auf das Dumky-Trio voraus und enthält in seinem Zentrum eine kontrapunktisch raffinierte Übereinanderschichtung beider Themen. Das Finale täuscht die Hörerwartung, indem es mit typischen Durchführungsfigurationen einsetzt, ohne vorher ein greifbares Thema präsentiert zu haben.

Das Vogler-Quartett demonstriert, dass Homogenität, Klangwärme und runder Wohllaut nicht im Gegensatz zu Transparenz und Deutlichkeit stehen müssen. Das ist kongeniales Musizieren auf Referenzniveau! Besonders bewundernswert ist die Gestaltung der Riesenformen des D-Dur-Quartetts mit niemals nachlassender Spannung. Einzig an kadenzierenden Solostellen wäre vielleicht ein agogisch etwas freierer Umgang mit dem Notentext wünschenswert gewesen. Jedoch gehört dieser Effekt, da er sich schnell abnutzen kann, eher in den Konzertsaal als auf eine Aufnahme.

Eine besondere Gratulation geht an das Aufnahmeteam. Besser kann man ein Streichquartett nicht einfangen. Lob gebührt ebenfalls dem Booklet-Text für dessen instruktive Analysen. Beim rückseitigen Cover wurde allerdings ein Irrtum übersehen: op.12 steht in a- und nicht in g-moll.

Fazit: Diese exzellente CD sei neben Kammermusikfreunden allen empfohlen, die am Werdegang eines der populärsten und bedeutendsten Spätromantiker interessiert sind.

Thomas Baack [16.09.2019]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Antonín Dvořák
1Streichquartett E-Dur op. 80 B 57 00:28:53
5Streichquartett a-Moll op. 12 B 40 00:32:53
CD/SACD 2
1Streichquartett d-Moll B 18 01:05:54

Interpreten der Einspielung

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