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CD-Besprechung

Stanislaw Moniuszko

String Quartets 1 & 2

cpo 555 124-2

1 CD • 66min • 2018

19.08.2019

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Wenn man Musikkenner nach polnischer Kammermusik des 19. Jahrhunderts fragt, so kennen diese vielleicht noch das Klaviertrio oder die Cello-Sonate von Fréderic Chopin, aber wohl kaum jemand käme auf die Idee, dass zwei Streichquartette aus der Feder des Komponisten der polnischen Nationaloper Halka, Stanislaw Moniuszko, existieren. Es handelt sich hierbei um höchst melodiöse Studienarbeiten eines Zwanzigjährigen von jeweils gut 15 Minuten Spieldauer, die handwerkliches Können durch individuelle Behandlung der Form demonstrieren. Da Moniuszko zum Zeitpunkt der Drucklegung Organist und Chorleiter in Vilnius war, kann vermutet werden, dass diese erfolgte, um das Repertoire adliger Quartettliebhaber zu erweitern. Musik mit vergleichsweise bescheidenen spieltechnischen Ansprüchen, an der auch heutzutage Hausmusiker sehr viel Freude haben könnten, zumal die Stimmen im Internet frei verfügbar sind.

Ganz im Gegensatz zu diesen Miniaturen steht das hochvirtuose, große Klavierquintett op. 35 von Juliusz Zarebski, Schwanengesang einer im Jahre 1885 mit 31 Jahren jung verstorbenen Ausnahmebegabung. Zarebski studierte zunächst in Wien bei Franz Krenn, der auch Janácek, Mahler und Zemlinski unterrichtete, später in Rom und Weimar bei Franz Liszt, dem das Werk gewidmet ist und der bei dessen Uraufführung anwesend war. Formell ist es in seiner Viersätzigkeit der Tradition verpflichtet, wobei das Finale zyklisch angelegt ist und Material des Adagios und des Scherzos weiterspinnt. Instrumentatorisch ist bemerkenswert, dass Zarebski die Streicher bei massiv gesetzten Stellen im Klavier gerne im Unisono führt, dadurch Balanceprobleme umgeht und eine quasi-orchestrale Wirkung erreicht. Die Harmonik ist avanciert und nimmt Wendungen des Impressionismus wie Klangpendel und Chromatizismen über Orgelpunkten vorweg. Eine Klanggeste im Scherzo lässt sogar an die elegante Frechheit Francis Poulencs denken.

Das Plawner Quintet musiziert die drei Werke sauber und höchst solide. Die Scherzi und Finalsätze der Moniuszko-Quartette vertrügen jedoch durchaus eine zusätzliche Prise folkloristischer Rubati und eine fantasievollere Klanggestaltung. Die Interpretation des Zarebski-Quintetts hätte – besonders auch durch Piotr Solojczyks exzellente, schlank-nervige Gestaltung des hochvirtuosen Klavierparts – Referenzcharakter beanspruchen können, läge nicht eine noch zwingendere Aufnahme des Werks durch das Warsaw Quintet auf dem polnischen Label Dux vor.

Klangtechnisch sind keine Einwände vorzubringen. Besonderes Lob verdient der ausgezeichnete, mit detaillierten Werkanalysen aufwartende und herrlich kauzig formulierte Booklet-Text von Eckhardt van den Hoogen.

Fazit: Eine CD für Liebhaber romantischer Kammermusik und aufstrebende Streichquartette. Dem Zarebski-Quintett ist eine möglichst weite Verbreitung zu wünschen, da es den Vergleich mit den Spitzenbeiträgen zu dieser Gattung (Brahms, Dvorák, Fauré) keinesfalls zu scheuen braucht.

Vergleichsaufnahme: Warsaw Quintet Dux 0530.

Thomas Baack [19.08.2019]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Stanislaw Moniuszko
1Streichquartett Nr. 1 d-Moll 00:16:12
5Streichquartett Nr. 2 F-Dur 00:15:12
Juliusz Zarębski
9Klavierquintett op. 34 00:34:55

Interpreten der Einspielung

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