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CD-Besprechung

Fauré

Ballade • Nocturnes • Romances • Sonate inédite • Maurke inédite

Fauré

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 19.02.19

Klassik Heute
Empfehlung

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BIS 2389

1 CD/SACD stereo/surround • 59min • 2018

Der Pianist Daniel Grimwood formulierte es so: „Faurés Position in der klassischen Musik ist vielleicht einmalig, sicherlich jedoch ungewöhnlich: Es gibt wohl kaum einen Komponisten, der in seinem Heimatland so geschätzt wird und außer Landes so verkannt wird.” Erklärungsversuche die suggerieren, dass es Nicht-Franzosen schwerfallen dürfte, Faurés musikalische Landschaften zu schätzen, da die Musik so von gallischem Geiste durchwoben sei, hält Pianist Daniel Grimwood für unglaubwürdig und fährt fort: „Das wäre so, als würde man sagen nur Italiener können eine gute Flasche Amarone richtig würdigen.”

Tatsächlich ist es außerhalb Frankreichs um Faurés Ruf zwar nicht per se schlecht bestellt, aber die tatsächliche Auseinandersetzung mit seiner Musik doch beschränkt. Das Requiem läufte einem ab und zu über den Weg; herrliche Orchesterwerke oder orchestrierte Werke wie Pelléas et Mélisande oder Pavane sind aber schon nur selten zu hören. Die Klavierwerke schließlich sind außerhalb Frankreichs wenig bekannt und werden noch seltener gespielt.

Diese Aufnahme von Nicolas Stavyd das vielleicht nicht von heute auf morgen ändern, aber sie ist so außerordentlich gut, dass sie zumindest jeden Hörer zum Fauré-Liebhaber bekehren könnte. Soviel vorweg: Stavys Auswahl und Zusammenstellung von frühem und spätem Fauré; die stilistische Varietät der Einspielung, und nicht zuletzt das Spiel selber sind hinreißend gut.

Von der Ersten Nocturne (wer ist John Fields; wer ist Chopin?) in es-Moll ist man gefangen in den wiegenden Klängen; mondbeschienenes Wasser scheint vor einem zu glitzern… sich langsam zu heben und zu senken. Nicolas Stavy spielt das mit wunderbaren kleinen Verzögerungen die jedes Gefühl von Hast und Vorwärtsgetriebenheit vermeiden. Sein Spiel, eine Art „muskulöser Romantik“, verhindert dabei jeglichen Eindruck von Verniedlichung. Mehr noch: Die oftmals etwas oberflächlich wunderschön erscheinenden Stücke bekommen so eine ‚Unterströmung‘ – etwas (Bedeutungs-)tiefes, wenngleich nicht unbedingt Gefährliches. Fauré rückt deutlich näher in die Richtung von Debussy als Satie. Wesentlich frühere Werke sind die Drei Romanzen ohne Worte op.17, quasi hoch-französischer Mendelssohn, von ähnlich betörender Chromatik. Auch hier schwimmt das Ohr mit Freuden auf der Musik. Gerade die Dritte Romanze (wie die erste in As-Dur) wringt das Herz aus wie eine Saftorange: es gibt nicht viele herrlichere romantische Miniaturen als dieses Zwei-Minuten Bonbon.

Der Kontrast zur bisher unpublizierten frühen Sonate (ebenfalls 1863 geschrieben) könnte kaum größer sein. Auf einmal bekommt man leichten Mozart zu hören, und zwar so deutlich Mozart, dass man meinen könnte, es wäre die Aufgebenstellung für den 18-jährigen Fauré gewesen den Meister im ersten Satz zu emulieren. Wie auch Jean-Pierre Bartoli, der das Manuskript für Bärenreiters neue Kritische Edition überarbeitet hat, im Booklet bemerkt, geht das Menuett des zweiten Satzes weiter in Richtung Beethoven und das verspielte Finale hin zu Haydn. Es mag eine für in Fauré untypischem Stil gehaltene Übungssonate sein, doch weniger allerliebst ist diese Quersumme der Wiener Klassik deswegen nicht.

Der für Fauré schon eher typische ‚schaukelnde‘ bacarole Stil kommt in der frühen Mazurka (1865) zurück – wie die Sonate eine Ersteinspielung. Zwei weitere Nocturne folgen – die Sechste (1894) und die pointillistische Dreizehnte (1922) – die von Stavy genauso tiefsinnig (aber nicht übertrieben grüblerisch) gespielt werden, wie schon die erste. Das ist anders als es der etwas entromantisierende Daniel Grimwood, meine absolute Referenz in den Nocturne, spielt, aber gerade in so kleinen Dosen hochwillkommen. Die athmosphärische, erzählerische Ballade op.19 – im Geiste, wenn auch nicht im Klang, Schumannesque – rundet ab was sowohl einen idealen Einstieg in die Klavierwelt für Fauré-Neulinge als auch perfekte Bestätigung für Fauré-Liebhaber bedeutet.

Jens F. Laurson [19.02.2019]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 G. Fauré Nocturne Nr. 1 es-Moll op. 33 Nr. 1 00:06:54
2 Romance sans paroles As-Dur op. 17 Nr. 1 00:01:59
3 Romance sans paroles a-Moll op. 17 Nr. 2 00:02:44
4 Romance sans paroles As-Dur op. 17 Nr. 3 00:02:21
5 Klaviersonate Nr. 5 00:11:10
8 Mazurke Nr. 8 (Pièce en forme de mazurka) 00:02:15
9 Nocturne Nr. 6 Des-Dur op. 63 00:08:22
10 Nocturne Nr. 13 h-Moll op. 119 00:06:54
11 Ballade fis-Moll op. 19 00:14:16

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Nicolas Stavy Klavier
 
2389;7318599923895

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