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CD-Besprechung

Giovanni Sgambati

Symphonies 1 & 2

cpo 555 195-2

1 CD • 80min • 2015, 2017

30.07.2018

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Giovanni Sgambati dürfte am ehesten noch Klavierenthusiasten mit einem Faible für die Seitenpfade des romantischen Virtuosenrepertoirs ein Begriff sein, da er als Liszt-Schüler wohl der profilierteste italienische Pianist der Generation vor Ferruccio Busoni war. Seine zu Lebzeiten hohe Wertschätzung mag aus der Tatsache abgeleitet werden, dass man ihm nach dem Tode Anton Rubinsteins die Direktion des St. Petersburger Konservatoriums antrug, was er aber ablehnte, da er sich zu sehr in Rom verwurzelt sah.

Die vorliegende Produktion ist vor allem durch die Ersteinspielung der 2. Sinfonie in es-Moll/Es-Dur besitzenswert. Diese wurde – trotz erfolgreicher Uraufführung in Köln – von Sgambatis Verleger Schott nicht zum Druck angenommen. Die Partitur ging verloren und musste aus dem erhaltenen Orchestermaterial von Roz Trübger, der auch den englischen, etwas unelegant ins Deutsche übersetzten Kommentar verfasste, im Jahre 2014 rekonstruiert werden.

Der Kopfsatz beginnt mit einer düsteren langsamen Einleitung aus Akkordschlägen und einem Bläserchoral, die man mit „Brahms goes Nibelheim“ charakterisieren könnte. Daraus entwickelt sich ein Agitato mit vor allem rhythmisch klar profilierten Themen. Das Scherzo hat einen italienisch-folkloristischen Touch. Das Trio kontrastiert mit ruhiger Pastoralität. Das Andante con moto gibt sich schwelgerisch-klangprächtig. Das Werk beschließt ein temperamentvolles Finale mit leicht französischem Einschlag. Das Ganze ist exzellent instrumentiert und wird von Ola Rudner und der Württembergischen Philharmonie Reutlingen sehr ansprechend musiziert. Hörer mit Sympathien für die Sinfonien Joachim Raffs und Max Bruchs kommen hier eindeutig auf ihre Kosten.

Leider kann dies über die Interpretation der 1. Sinfonie, eine eigentlich recht interessanten Mischung aus Schumann und Liszt, nicht gesagt werden. Hier zerfällt besonders der erste Satz wegen mangelnder Agogik in kaleidoskopartige Einzelmomente, so dass der Hörer sich in der Exposition bereits in einer Art Durchführung wähnt. Das ginge bei einer sinfonischen Dichtung mit literarischem Programm vielleicht noch an, verwirrt aber den Hörer bezüglich des Formverlaufs. Das mag auch daran liegen, dass die Themen selbst nicht sonderlich scharf profiliert sind und einige Leerstellen im Verlauf – gleichsam am Klavier improvisierend – durch Kadenzketten oder harmonische Pendel gefüllt werden, aus denen der Dirigent etwas „machen“ muss. Spielen allein genügt hier nicht. Die beiden langsamen Sätze leiden unter einer mangelhaften Erfassung der Phrasenhöhepunkte, die nur – wie in der romantischen Oper – über entsprechende Rubati und Binnendynamik herausgearbeitet werden können, und einem zu geringen Kontrast zwischen Haupt- und Nebenstimmen. Francesco la Vecchia hat mit dem Orchestra Sinfonico di Roma eine wesentlich konzisere Aufnahme dieses Werks vorgelegt.

Vergleichsaufnahme: Sinfonie Nr. 1, Cola di Rienzi, F. la Vecchia, Orchestra Sinfonico di Roma, Naxos 8.573007

Thomas Baack [30.07.2018]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Giovanni Sgambati
1Sinfonie Nr. 1 D-Dur op. 16 00:38:30
6Sinfonie Nr. 2 Es-Dur 00:41:00

Interpreten der Einspielung

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