Anzeige

Teilen auf Facebook RSS-Feed Klassik Heute
Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

CD • SACD • DVD-Audio • DVD Video

CD-Besprechung

»Schubert«

Volodymyr Lavrynenko

GWK Records 135

1 CD • 74min • 2017

30.03.2018

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

„Die Hauptsache in der Musik ist das Tempo“, schreibt Mozart seinem Vater. Deswegen ist es von Wichtigkeit, wie schnell oder langsam der Kopfsatz der B-Dur-Sonate D 960 von Franz Schubert gespielt wird. Alfred Brendel schafft sie in 14:35, Sviatoslav Richter braucht dafür 24:16. Volodymyr Lavrynenko, der 1984 in der Ukraine geboren ist und bei Konstantin Lifschitz in Luzern und in Hamburg bei Evgeni Koroliov studiert hat, ist da mit 23:02 näher bei Richter als bei Brendel.

Brendel nimmt diesen langen Satz mit träumender Gelassenheit, mit weiträumigem Fortspinnen des musikalischen Anfangsmotives, all dies in beinahe unheimlicher Ruhe. Richter versinkt sofort in hochbedeutsamem Pathos. Lavrynenkos Ton ist wuchtig-hart, bisweilen klirrend gespannt (was vielleicht auch dem verwendeten Steinway geschuldet ist), der berühmte Basstriller brodelt unheimlich, alles klingt zwielichtig-abgründig, die Passagen der Rechten, die sich nach oben schwingen, sind manchmal fast verzweifelt leuchtend schön, die Achtelketten pochen unerbittlich, die harmonischen Abwege künden Unheil, alles ist schmerzdurchwirkt, nichts ist harmlos.

Schmerzverklärt ist auch das Andante in cis-Moll, der „Bußklagen-Tonart“, Lavrynenko gestaltet es zu einem stehenden Klangfluss, in dem der choralartige Mittelteil sich heftig flehend wellt. Immer wieder aber begreift Lavrynenko die vielen Stauungen, Abbrüche, die musikdramatischen „Löcher“ im Klangfluss, als struktur- und damit schicksalsbestimmend. Und immer verführerisch tränenschön sind die plötzlichen Wendungen ins Dur. Dem Finalsatz gibt Lavrynenko nicht die anscheinend so Rokoko-hafte Heiterkeit, sondern spürt auch hier dem Ernst und auch den stürmischen Ausbrüchen nach: Heiter ist hier nichts.

Die Drei Klavierstücke D 946 spielt Lavrynenko hart entschlossen, dann rühren wieder die verzweifelt-sehnsuchtsvollen Passagen wie im Mittelteil des Allegro assai und die immer wieder ins Moll abtriftenden Lyrismen des Allegretto.

Den 1. Preis des 13. Internationalen Schubert-Wettbewerbs in Dortmund 2016 hat Volodymyr Lavrynenko sich zu Recht erspielt.

Ausgesprochen dienlich und leserfreundlich ist im Booklet die Einführung in die Werke von Susann El Kassar.

Rainer W. Janka [30.03.2018]

Anzeige

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Franz Schubert
1Klaviersonate B-Dur D 960 op. posth. 00:48:43
5Klavierstück es-Moll D 946 Nr. 1 (op. post.) 00:06:24
6Klavierstück Es-Dur D 946 Nr. 2 (op. post.) 00:13:05
7Klavierstück C-Dur D 946 Nr. 3 (op. post.) 00:05:38

Interpreten der Einspielung

Vorherige ⬌ nächste Rezension

01.11.2017
»zur Besprechung«

Ravel | Debussy / Coviello Classics
"Ravel | Debussy / Coviello Classics"

zurück zur Liste

Das könnte Sie auch interessieren

16.09.2020
»zur Besprechung«

Schubert, Klaviersonaten D 959 • D 960
"Schubert, Klaviersonaten D 959 • D 960"

10.07.2020
»zur Besprechung«

Wendy Waterman, Scarlatti • Mozart • Schubert • Chopin • Brahms
"Wendy Waterman, Scarlatti • Mozart • Schubert • Chopin • Brahms"

31.10.2019
»zur Besprechung«

Franz Schubert, Sonata D 960 • Drei Klavierstücke D 946 • Moments Musicaux D 780 / Avi-music
"Franz Schubert, Sonata D 960 • Drei Klavierstücke D 946 • Moments Musicaux D 780 / Avi-music"

27.12.2018
»zur Besprechung«

Les Délices du Piano, Peter Aronsky / Tudor
"Les Délices du Piano, Peter Aronsky / Tudor"

Anzeige

Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Anzeige